Zweitgrößter See Deutschlands entsteht: RWE baut Rheinwasser-Pipeline
03:17 Min.. Verfügbar bis 17.03.2028.
Zweitgrößter See Deutschlands entsteht: RWE baut Rheinwasser-Pipeline
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Der Tagebau Hambach soll ab 2030 mit Rheinwasser gefüllt werden. Anwohner freuen sich. Von Naturschützern gibt es Kritik.
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Jetzt mitdiskutierenIm Bürgerhaus von Elsdorf-Neu Etzweiler wird leidenschaftlich diskutiert. Aus allen Orten rund um den Tagebau Hambach sind etwa 70 Anwohner gekommen. Sie stehen um große Tische, auf denen Luftbilder des Tagebaus und Pläne des Hambacher Sees liegen.
Menschen warten auf "ihren" Hambacher See
Die Menschen schreiben ihre Wünsche auf: Wie sollten nach dem Ende der Kohleförderung der See und das Ufer gestaltet werden?
Auch Karl-Heinz Vaaßen aus Titz ist dabei. Er freut sich auf den Baustart der Rheinwasser-Pipeline. "Wir haben seit den 70er Jahren viel Staub gefressen. Wir hatten damals 'ja' dazu gesagt, weil schließlich ein See hier hinkommen soll". So wie Karl-Heinz Vaaßen sehen das viele im Saal.
So soll das Projekt einmal aussehen, mit neuen Seen im alten Tagebau.
Hambach-Landschaft wird sich stark verändern
Tatsächlich sollen die Anwohner des Tagebaus Hambach in wenigen Jahren in einer völlig anderen Landschaft leben. Ab 2030 soll der Tagebau über mehrere Jahrzehnte mit Rheinwasser geflutet werden. Am Ende soll die Tagebau-Grube mit einer Fläche von etwa 42 Quadratkilometern und maximal 200 Metern Tiefe der zweitgrößte See Deutschlands werden - nach dem Bodensee. Allerdings nicht nach Fläche, sondern nach Volumen, also der Wassermenge. In Nordrhein-Westfalen wäre der Hambacher See allerdings auch nach Fläche der größte des Landes.
So könnte der Tagebau Hambach in Zukunft aussehen.
Auch der Tagebau Garzweiler soll auf lange Sicht mit Rheinwasser befüllt werden. Dort soll das Wasser ab 2036 fließen.
45 Kilometer lange Pipeline zwischen Dormagen und Elsdorf
Spatenstich: Erste Röhre für Rheinwasser- Pipeline wird verlegt
Die erste Röhre für die Rheinwasser-Transportleitung wird am Dienstag am Rand des Tagebaus Hambach bei Elsdorf verlegt. Für den ersten Bauabschnitt hat RWE einen etwa sieben Kilometer langen Radschnellweg ausgewählt. Der Speedway Terra Nova ist seit Anfang März gesperrt.
So sieht der See in der Planung aus der Vogelperspektive aus
Jede Röhre hat eine Länge von 12 Metern und einen Durchmesser von 2,2 Meter. In den kommenden Monaten wird auch das Pumpbauwerk in Dormagen und ein Verteiler bei Grevenbroich-Allrath gebaut, so RWE. In Allrath wird die Leitung nach Frimmersdorf zum Tagebau Garzweiler abgezweigt.
Das Wasser des Rheins ein Chemiecocktail?
Die Qualität des Wassers im Rhein kann Dirk Jansen vom BUND nicht überzeugen.
Am Ufer des Rheins hockt Dirk Jansen vom nordrhein-westfälischen Umweltverband BUND mit einem Glas Wasser in der Hand. Es ist Wasser aus dem Rhein. Der BUND sieht das geplante Befüllen der Tagebaue Hambach und Garzweiler kritisch.
"Hier in diesem Wasser sind etwa 30.000 chemische Verbindungen, darunter gefährliche Spurenstoffe. Die haben unseres Erachtens nach weder in den Tagebaurestseen, noch im Grundwasser, noch in den von Grundwasser abhängigen Feuchtgebieten was zu suchen." sagt Jansen. Der BUND fordert eine klare Anforderung an die Qualität des Wassers, aber die sei bislang noch nicht definiert.
Genehmigungsverfahren noch offen
Für die Entnahme des Rheinwassers bei Dormagen Rheinfeld und für den Bau der 45 Kilometer langen Pipeline hat RWE vom Land NRW grünes Licht. Für das Einleiten in den Tagebau Hambach noch nicht.
Die zuständige Bezirksregierung Arnsberg rechnet mit dem Beginn des Genehmigungsverfahrens im September 2026. Und es werde umfangreich sein, heißt es. In Elsdorf-Neu Etzweiler bleiben die Besucher des Informationsabends optimistisch - auch Nils Holgersson aus Düren. "Wenn was nicht passt und daran hakt es, da bin ich mir sicher, findet man Mittel und Wege - wie immer !"
Unsere Quellen:
- RWE
- Stadt Elsdorf
- Erftverband
- Neuland-Hambach GmbH
- Land NRW
- Bezirksregierung Arnsberg
- Gespräch mit Dirk Jansen, BUND NRW
- Gespräch mit Nils Holgersson aus Düren
- Gespräch mit Karl-Heinz Vaaßen aus Titz
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Bonn, 17.03.2026, 19.30 Uhr
Transparenzhinweis: In einer früheren Version dieses Beitrags hieß es, der Hambacher See werde der zweitgrößte in Deutschland nach Fläche werden. Richtig ist: nach Volumen. Wir haben das entsprechend korrigiert.
33 Kommentare
Kommentar 33: Niemeier Udo schreibt am 19.03.2026, 10:19 Uhr :
Als erstes fängt man an eine Leitung zu bauen ohne Sicherheit später die Grube zu füllen zu dürfen. Dann Fragen: Versickert das Wasser nicht? Kann der Rhein diese Wassermassen entbehren?Wer bezahlt diesen Unsinn?Wie gefährlich sind die Schadstoffe im Rhein ?
Kommentar 32: Patrick Orléans schreibt am 19.03.2026, 07:14 Uhr :
Das aus der Anbaugrube ein See entstehen soll, finde ich gut. Allerdings sollte das Wasser sauber sein. Insbesondere wenn dort Wassersport oder Schwimmen geplant ist. Ein See mit Chemikalienkoktail wäre nicht angebracht. Allerdings bin ich nicht auf dem aktuellen Stand, ob das Rheinwasser gereinigt wird . H
Kommentar 31: Naturschutz schreibt am 18.03.2026, 21:21 Uhr :
Mit Blick auf die ausgekohlten Gruben der von Raubbau verwüsteten Ville südwestlich von Köln sieht man die völlig zerstörte Landschaft mit störendem Aufwuchs durch ungeregelt und wild wuchernde Laubwäldern, in denen viele Insekten wimmeln, darunter allein schon 25 Wildbienenarten, sogar Hornissen. In dem Wasser der vollgelaufenen Baggerlöcher wuchern Algen, Wasserpflanzen, sogar die Giftpflanze Schirling gibt es - schlimm, sehr schlimm das alles...
Kommentar 30: Alexander Gimbel schreibt am 18.03.2026, 17:19 Uhr :
Man kann ja geteilter Meinung sein. Für mich ruinieren Windparks Landschaften (siehe den ehemals schönen Hunstück). Doch ich weis, meine Meinung entspricht nicht der deutschen Ideologie.
Antwort von Ruffy , geschrieben am 19.03.2026, 18:47 Uhr :
Ein Windpark belegt nur einen Bruchteil der Fläche, auf welchem er steht, der Rest kann problemlos weiter für Landwirtschaft oder der Natur genutzt werden. Bei einer Kohlegrube bzw Uranmine geht dies nicht und dann braucht es noch die Landschaftsverschönernden Kräftewerke um daraus Strom und Abwärme und beim Verbrennen auch noch hübsches Abgas zu machen. Wie gut das man dies auch mit erneuerbaren bewerkstelligen kann.
Kommentar 29: Steve schreibt am 18.03.2026, 16:55 Uhr :
Ich wohne fast mein ganzes Leben am Rhein. Insgesamt führt er über die Jahrzehnte immer weniger Wasser. Im Sommer ist der Anblick des Rheins gleich einem Trauerspiel. Nach der Meinung vieler Fachleute wird sich der Zustand des Rheins drastisch verschlimmern. Woher sollen diese Mengen an Wasser herkommen, die nötig sein werden um diese riesigen "Löcher" zu fluten?
Antwort von Ruffy , geschrieben am 19.03.2026, 18:52 Uhr :
Sobald die Gletscher komplett abgeschmolzen sind, wird die Lage noch schlechter. Wenn dann auch noch weniger Schnee im Gebirge liegen bleibt, vermindert dies auch noch den Ertrag der jährlichen Schneeschmelze. Das macht sich natürlich auch bei Wasserkraftwerken am Rhein und anderen Alpen Flüssen bemerkbar.
Kommentar 28: Karl schreibt am 18.03.2026, 14:19 Uhr :
Wunderbare Sache. Bestes Beispiel ist der Geiselalsee bei Mücheln. Wird von allen sehr gut genutzt. Man sollte aber erst die Zuleitung bauen und Geld ausgeben, wenn alle Genehmigung vorliegen.
Kommentar 27: Kerstin Haase schreibt am 18.03.2026, 12:14 Uhr :
wer bitte braucht einen See? wieso baut man da nicht einfach einen riesigen Windpark oder solarpark? das wäre doch mal sinnvoll für die Zukunft.
Antwort von Ben , geschrieben am 18.03.2026, 13:22 Uhr :
Ein Windpark in ein Erdloch? merkst selber was :)
Antwort von Maximilian , geschrieben am 18.03.2026, 14:12 Uhr :
Solarpark geht nicht wegen Staub. Windkraft wird hier schon stark ausgebaut, wäre in der Grube aber nicht effizient.
Kommentar 26: Stephan schreibt am 18.03.2026, 07:50 Uhr :
Es wird wohl mit 42 Quadratkilometer der siebtgrößte See Deutschlands werden, nach Bodensee, Müritz, Chiemsee, Schweriner See, Starnberger See und Ammersee, meint Korinthos Cactos.
Kommentar 25: Jürgen Bouwman schreibt am 18.03.2026, 06:08 Uhr :
Jeder von Duisburg bis Speyer muss für Ufer filtrat über die Wasserwerke bezahlen. Der ARME Energie Konzern bekommt das Rhein Wasser natürlich umsonst
Antwort von Maximilian , geschrieben am 18.03.2026, 14:14 Uhr :
RWE muss auch zahlen für das Rheinwasser. Aber vergessen wir nicht, dass das Land am Konzern beteiligt ist.
Kommentar 24: Alexander Weck schreibt am 18.03.2026, 05:54 Uhr :
Ja, wenn ich hochempfindliche Analysenverfahren wie GCMS auf das Rheinwasser loslasse, bekomme ich vielleicht zehntausende Substanzen nachgewiesen. Wie in jedem beliebigen Gewässer in Deutschland. Ohne Konzentrationsangabe ist das eine reine Sensationsheischende Zahl um Stimmung zu machen. Der Rhein hat überwiegend eine Gewässergüte von 2 und ist damit besser wie so mancher Badeweiher. Der Hambach See wird die ganze Region stark im Freizeitwert anheben und eine vielfältige Tierwelt anziehen.
Antwort von M. Jaegers (Dipl.-Min.) , geschrieben am 18.03.2026, 14:32 Uhr :
komplett richtig!
Kommentar 23: Maximilian schreibt am 17.03.2026, 23:38 Uhr :
Ein- oder zweimal im Jahr vertraue ich etwas, das mir lieb und teuer ist, der undurchsichtigen Unterwasserwelt des Zieselsmaar bei Hürth-Knappsack an. Ich fürchte keinen dümpelnden Wels, der in Lauerstellung auf eine Proteinquelle aus ist. Ich möchte aber auch kein Wasser verschlucken, obwohl die braune Plörre für die Haut unbedenklich und die Wasserqualität für Schwimmer nicht zu beanstanden ist. Bei Befüllung des Tagebaus Hambach habe ich Bedenken, dass unser Trinkwasser mit Sulfaten belastet wird. Eine Sulfatisierung des Grundwassers hätte erhebliche Konsequenzen für die Trinkwasserversorgung im Rheinischen Revier, weil Mineralien, Eisen, Schwefel im Tagebau oxidieren.
Antwort von Jens van Breukelen , geschrieben am 18.03.2026, 12:17 Uhr :
Zwischen dem Rhein und der Sohle des neuen Sees liegen 230 m Höhneunterschied. Warum bedarf es da eines Pumpwerkes? Warum wird das Gefälle nicht zur Stromgewinnung genutzt? Dazu habe ich noch nie etwas gelesen.
Antwort von Maximilian , geschrieben am 18.03.2026, 14:18 Uhr :
Es ist wahrscheinlich unwirtschaftlich die Leitung so tief einzugraben. Die Entnahmestelle bei Dormagen liegt etwa 150m tiefer als die Grubenkante.