Ehrenamtliche im Rhein-Sieg-Kreis päppelt Fledermäuse auf

WDR 03:19 Min. Verfügbar bis 30.04.2028

Fledermaus-Rettung im Rheinland Wie eine Ehrenamtlerin Wildtiere pflegt

Stand:

Saskia Warner setzt sich im Rheinland ehrenamtlich für das Überleben von Fledermäusen ein - mit Geduld, Hingabe und ganz viel Herz. Und die brauchen ihre Hilfe, denn die kleinen Tiere haben keine große Lobby.

Von Monika Steinhaus

Fledermäuse sieht man kaum – und genau das wird ihnen oft zum Verhängnis. Versteckt in Holzstapeln, Mauerspalten oder Bäumen geraten sie schnell in Gefahr, wenn ihr Lebensraum verschwindet. Saskia Warner weiß das nur zu gut. Sie betreibt ehrenamtlich eine Pflegestation für Fledermäuse.

Verletzte oder geschwächte Tiere

Mehrmals pro Woche streift sie durch Wälder im Rheinland, kontrolliert mit einer Endoskop-Kamera selbst kleinste Spalten und sucht nach verletzten oder geschwächten Tieren. Was sie findet, ist manchmal kaum größer als ein Fingernagel – und doch ein Leben, das Hilfe braucht.

Eine Pflegestation voller Geduld und Fürsorge

In ihrer kleinen, ehrenamtlichen Pflegestation beginnt dann die eigentliche Arbeit. Alle zwei Stunden füttern, wiegen, versorgen - oft rund um die Uhr. Besonders Jungtiere brauchen intensive Betreuung, werden mit Pipetten aufgezogen und vorsichtig an die Welt herangeführt. Erwachsene Tiere bekommen Mehlwürmer, ihre Lieblingsspeise. Die intensive Pflege ist für Saskia Warner "ein totales Privileg, weil du auch viel über das Sozialleben oder Sozialverhalten von Fledermäusen lernst."

Eine Fledermaus liegt zum Größenvergleich neben einer Ein-Cent-Münze

Fledermaus-Babys sind manchmal nur so groß wie eine Ein-Cent-Münze, wenn sie zu Saskia Warner kommen.

Auf Unterstützung angewiesen

Menschen, die verletzte oder geschwächte Tiere finden, geben sie bei Saskia Warner in ihrer Pflegestation ab. Auf diese Unterstützung ist sie angewiesen, denn die Ehrenamtlerin trägt den Großteil der Kosten für die Pflege und Versorgung der kleinen Wildtiere selbst.

Verletzungen, Parasiten und Erschöpfung verlangen viel Wissen und noch mehr Geduld. Doch für Saskia ist das mehr als nur Arbeit: Es sind diese stillen, berührenden Momente, wenn die Tiere beginnen, ihre Umwelt zu entdecken, die für sie alles wett machen.

Gefahren wie der Klimawandel und Hauskatzen

Fledermäuse haben mit vielen Gefahren zu kämpfen. Der Klimawandel bringt ihren Winterschlaf durcheinander, Hauskatzen werden zur tödlichen Bedrohung und der Mensch nimmt ihnen zunehmend den Lebensraum. Ohne ehrenamtliche Pflegestationen wie die von Saskia Warner würden viele Tiere nicht überleben.

Dabei sind sie unverzichtbar für das ökologische Gleichgewicht und weit sozialer und intelligenter als viele denken. "Zu Unrecht gefürchtet", sagen Biologen - genau deshalb sei Aufklärung so wichtig. Saskia Warner besucht Schulen, zeigt Kindern die faszinierende Welt der Nachtjäger und nimmt ihnen die Angst.

Zwischen Alltag, Familie und Leidenschaft

Eine Frau, Saskia Warner, steht in einem Wald vor einem Teich

Fledermaus-Retterin Saskia Warner im Wald

56 kleine Patienten versorgt Warner aktuell – neben ihrem Beruf und ihrer Familie. Ihr Alltag ist geprägt von Hingabe, aber auch von Humor. Wenn ihr Mann scherzt, man müsse sich "Fledermausflügel anziehen", um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen, zeigt das: Diese Mission ist längst ein Teil ihres Lebens geworden. Denn die Arbeit mit den Fledermäusen schenkt der 45-Jährigen besondere Augenblicke.

Wenn sie dann wie Kleinkinder die Welt entdecken, das sind dann so bezaubernde Momente. Die werde ich mein Leben lang in meinem Herzen tragen. Saskia Warner, Fledermaus-Retterin

Ihr großes Ziel ist die Auswilderung. Der Moment, in dem die kleinen Tiere zurück in die Nacht fliegen, ist für Saskia Warner der schönste Lohn für all die Mühe.

Unsere Quellen:

  • Saskia Warner, Betreiberin einer Fledermaus-Pflegestation
  • Tom Wegner, Biologe
  • Beobachtungen der Reporterin vor Ort

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Bonn, 23.04.2026, 19:30 Uhr

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