Claudia Sauerwein (Ehefrau Autor) mit der Rechnung des Nachsendeauftrages
Dubiose Masche : Deutsche Post warnt beim Nachsendeauftrag
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Nach einem Umzug sollen die Briefe auch an die neue Adresse kommen. Nachsendeaufträge können allerdings teuer werden, warnt die Deutsche Post. Eine solche Abzocke hat auch unser WDR-Reporter erlebt. Ein persönlicher Erfahrungsbericht.
"Sowas kann uns nicht passieren" - hat man vielleicht schon häufiger im Leben gedacht und ist dann doch blöd hereingefallen. So ging es uns vor ein paar Monaten bei unserem Nachsendeauftrag.
Kurz vor unserem Umzug fiel uns ein, dass natürlich noch längst nicht jeder, mit dem wir so zu tun haben, unsere neue Adresse kennt.
Suchmaschinen führen oft zu dubiosen Anbietern
Ein Nachsendeauftrag mit Rückumschlag
Also schnell noch online einen Nachsendeauftrag stellen - das hilft für die ersten Monate nach dem Umzug. Schnell gegoogelt und es finden sich diverse Treffer: Gelbe Internetseiten auf denen freundliche Briefträger oder die bekannten gelben Postkästen zu sehen sind.
Ein paar Daten eingeben, ein paar Klicks und schon kann es richtig teuer werden! Als mir meine Frau sagte, wie hoch die Rechnung war, die wir begleichen sollten, konnte ich es kaum glauben. 169,90 Euro sollte uns der Nachsendeauftrag für zwölf Monate kosten.
Zu spät stellten wir fest, dass es sich gar nicht um die echte Internetseite der Deutschen Post handelte, sondern um einen Drittanbieter mit Sitz in Dubai.
Deutsche Post warnt vor Preisfalle
Auf die Idee bin ich vorher gar nicht gekommen. Immerhin gibt es einen schwachen Trost: Wir sind längst nicht die einzigen, die auf diese Abzocke hereingefallen sind. Jedes Jahr sind es rund 350.000 Nachsendeaufträge, die bei der Deutschen Post über Drittanbieter eingehen, warnt jetzt der Bonner Konzern. Denn gegen die dubiosen Anbieter kann das Unternehmen nicht viel machen.
"Wir sind verpflichtet, Nachsendeaufträge anzunehmen - egal, ob sie direkt bei uns gestellt oder über Drittanbieter eingereicht werden." Alexander Edenhofer, Sprecher Deutsche Post
Schätzungsweise 20 Drittanbieter gibt es derzeit und die geben die Daten wohl durchaus weiter an die Deutsche Post. Auch unser Nachsendeauftrag funktionierte tatsächlich.
Nur hätte er für sechs Monate eigentlich 31,90 Euro gekostet, wenn wir ihn online direkt bei der Post gestellt hätten. Die Differenz von häufig über 100 Euro stecken sich die dubiosen Anbieter in ihre eigene Tasche.
Viele Beschwerden bei der Verbraucherzentrale
Viele Verbraucher beschweren sich deshalb immer häufiger auch bei der Verbraucherzentrale NRW. Und die überteuerten Nachsendeaufträge sind nicht das einzige Problem.
Carolin Semmler hat dort regelmäßig noch mit weiteren zweifelhaften Angeboten von Drittanbietern zu tun. "Rentenauskünfte, Rundfunkbeitrag, Schufa-Auskunft, das sind nur ein paar von vielen Beispielen - und die Fälle nehmen deutlich zu", sagt die Rechtsanwältin.
Überteuerte Verträge sind oft tatsächlich wirksam
Die Rechnung des Autors für einen Nachsendeauftrag
Manchmal hat man Glück, zum Beispiel wenn die so genannten Bestellbuttons nicht korrekt beschriftet sind. Dann ist möglicherweise kein wirksamer Vertrag zustande gekommen und man könnte mit einem Widerruf oder vor Gericht Erfolg haben. Viele Drittanbieter hätten darauf inzwischen reagiert, sodass der Vertrag tatsächlich wirksam ist, heißt es von der Verbraucherzentrale.
So wie bei uns. Wir haben es zwar auch mit einem Widerruf probiert - die Antwort aus Dubai: "Sie haben bei der Beauftragung unseres Dienstes ausdrücklich zugestimmt, dass wir vor Ende der gesetzlichen Widerrufsfrist mit der Bearbeitung beginnen."
Das stand wohl irgendwo im Kleingedruckten, das man wie so oft zu schnell wegklickt. Und damit hatten wir bestätigt, dass wir auf das Widerrufsrecht verzichten.
Seien Sie schlauer als wir
Nach den ersten Inkasso-Schreiben haben wir dann doch lieber bezahlt. Immerhin können Sie jetzt von uns lernen. Seien Sie schlauer als wir: Gehen sie auf die richtige Webseite der Deutschen Post, die man zum Beispiel auch am Impressum erkennt.
Oder Sie holen sich einfach einen Antrag auf Papier inklusive Rückumschlag in einer Postfiliale - das geht nämlich auch noch. Dann können Sie sich freuen, dass sie nicht so blöd wie wir waren, auf die Abzocker hereinzufallen.
Unsere Quellen:
- Eigene Erfahrungen des Reporters
- Pressemitteilung Deutsche Post
- Gespräch mit Postsprecher Alexander Edenhofer
- Gespräch mit Carolin Semmler, Verbraucherzentrale NRW
Sendung: WDR.de, Deutsche Post warnt vor Nachsendeaufträgen, 21.05.2026, 5 Uhr
