Landtagsdebatte über die Bonner Nordbrücke | WDR aktuell
WDR. 03:20 Min.. Verfügbar bis 16.06.2028.
Wer in diesen Tagen mit dem Auto im Rheinland unterwegs ist, braucht starke Nerven: Die Nordbrücke in Bonn ist gesperrt, über die Eifeltor-Brücke auf der A4 in Köln dürfen keine LKW mehr fahren. Jeden Tag staut sich der Verkehr im weiten Umkreis und auch in der Bonner Innenstadt.
Ein Umstieg auf Bus und Bahn scheint kaum Abhilfe zu schaffen. Zwar bietet die Stadt Bonn den ÖPNV gerade kostenlos an - spürbare Verbesserung hat das aber offenbar nicht gebracht.
SPD: "Infrastruktur-Kollaps"
In der Landespolitik bringt das Verkehrsdesaster vor allem die Opposition auf die Barrikaden. Im NRW-Landtag ging es am Mittwoch in einer von allen drei Oppositionsfraktionen beantragten "Aktuellen Stunde" um die den "Infrastruktur-Kollaps", wie es die SPD nannte: die unerwartete Sperrung der Bonner Nordbrücke auf der A565, die zehntägige Vollsperrung der A40, die Sperrung der Eifeltor-Brücke auf der A4 für den Schwerlastverkehr, anstehende Sperrungen auf der A43 und der A42 sowie der Ausfall mehrerer Regionalzugverbindungen zwischen Köln und Bonn vom 2. bis zum 10. Juli.
Die Debatte wurde - erwartungsgemäß - zum Schlagabtausch der Schuldzuweisungen und Rechtfertigungen. Die SPD in der Opposition warf der schwarz-grünen Regierung vor, keinen Plan zu haben, wie es weiter gehen soll. Von einem "Infrastrukturnotstand" sprach Alexander Vogt. 2.439 Brücken - und damit jede dritte Brücke in NRW - seien marode. "NRW ist inzwischen nicht mehr das Land der kurzen Wege - NRW ist das Land der langen Umleitungen", so Vogt.
Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) sei zwar schnell zur Stelle gewesen, als die Nordbrücke gesperrt werden musste, habe "bedröppelt" dagestanden und Fotos gemacht - doch seitdem sei nichts mehr passiert. Das Land brauche eine starke zentrale Koordinierungsstelle, die Baustellen landesweit plane, priorisiere und aufeinander abstimme.
Auch die FDP diagnostizierte einen Unwillen zur Handlung bei der Landesregierung. Die Grünen in der Regierung würden "gegen bedarfsgerechten Ausbau" der Verkehrsinfrastruktur mobilisieren, meinte Christof Rasche, während NRW Rekorde bei Brückensperrungen, -einschränkungen, überfüllten Zügen und Straßen erreiche. Die Landesregierung lehne Arbeitszeiten auf Straßenbaustellen rund um die Uhr ab und reduzierte Umweltverträglichkeitsprüfungen bei neuen Projekten ab, kritisierte er.
Verkehrsminister Krischer: NRW auf gutem Weg
Aus Sicht der Regierungsparteien CDU und Grüne sieht die Lage dagegen ganz anders aus: Der Brückenbau schreite zügig voran, verkündete Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne). Man sei auch bei der Brückensanierung in NRW gerade in großen Schritten dabei, "vor die Lage zu kommen". So seien im letzten Jahr mehr Brücken saniert und gebaut worden, als geplant. Als Erfolgsbeispiel nannte Krischer die Fertigstellung der Rahmedetal-Brücke bei Lüdenscheid.
"NRW ist Vorreiter beim schnellen Brückenbau", sagte auch der Grünen-Abgeordnete Martin Metz. Noch nie sei in NRW so viel Geld in Brückenersatz investiert worden - deutlich mehr, als im Bund, fügte er im hinzu: Manche würden die Hände heben, "um auf andere zu zeigen, wir, um anzupacken".
Der CDU-Abgeordnete Oliver Krauß warf der Opposition vor, "Ursache und Wirkung" falsch darzustellen. Fachleute hätten die Bonner Nordbrücke zuvor begutachtet und festgestellt, dass sie noch Jahre halten könne. Doch das Verbot für schwere LKW sei regelmäßig missachtet worden, Ausleitspuren hätten gefehlt.
"Verantwortung liegt beim Bund"
Im Übrigen, so betonte Verkehrsminister Krischer mehrfach, sei das Land eigentlich gar nicht zuständig für Autobahnbrücken. Um sich gleich darauf für sein Engagement selber zu loben: Bereits eine Stunde nach der Sperrung sei er an der Bonner Nordbrücke gewesen und habe noch am selben Tag alle erforderlichen Akteure in großer Runde zusammengebracht.
Ein "Lenkungskreis" beim Bundesverkehrsministerium sei außerdem dabei, "alle möglichen Entlastungen" in der Region zu prüfen. "Aber alle Fragen, die das Bauwerk betreffen, verantwortet der Baulastträger", so Krischer einmal mehr - und das sei die bundeseigene Autobahn GmbH. In NRW prüfe eine "Fokusgruppe Infrastruktur" aber immerhin derzeit, welche Baustellen der Bahn - die das Chaos im Moment noch erheblich verschärfen - eventuell vertagt oder gestoppt werden könnten.
Autobahn-Gesellschaft will Entscheidung treffen
Die Experten der Autobahn GmbH hatten sich zwei Wochen Zeit eingeräumt, um zu entscheiden, wie es weitergehen soll - beginnend mit einer Pressekonferenz am 5. Juni, die es zur Brückensperrung gegeben hatte. Das erklärte ein Sprecher der Autobahn GmbH am Mittwoch. Diese zwei Wochen laufen also kommenden Freitag (19.06.2026) ab.
Podcast zum Thema
Mit "Bonner Brückentage" startet heute auch ein gemeinsamer Podcast des General-Anzeiger Bonn zusammen mit dem WDR, der sich wöchentlich mit der Nordbrücken-Sperrung befasst.
Unsere Quellen:
- "Aktuelle Stunde" im NRW-Landtag am 17.06.2026
Sendung: WDR.de, Brückendebatte im Landtag, 17.06.2026, 12:08 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 17.06.2026, 12:45 Uhr