Baumhäuser bei der Räumung im Herbst 2018, Filmstill aus "Die rote Linie"

Baumhäuser bei der Räumung im Herbst 2018

Zeitgeschichte hautnah: Der Konflikt um den Hambacher Forst

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Es ist eine Ausstellung, die unter die Haut geht, ein Stück Zeitgeschichte. Im Nell-Breuning-Haus in Herzogenrath beschäftigt sich eine Ausstellung mit dem jahrelangen Konflikt um den Hambacher Forst, der dem angrenzenden Braunkohletagebau Hambach weichen sollte. Im Oktober 2018 stoppte das Oberverwaltungsgericht Münster die Rodungen.

Von Thomas Wenkert

Ein Foto mit Symbolcharakter: drei Baumhäuser, rote Linien ziehen sich durch das Bild. Es bringt das zum Ausdruck, was im September 2018 im Hambacher Forst passierte. Tausende Polizisten - es war der größte Einsatz in der Geschichte von NRW - hatten den Auftrag, das Waldstück zu räumen.

RWE wollte den Hambacher Forst für den heranrückenden Tagebau roden. Dort hatten sich dutzende Aktivisten verschanzt, teilweise in Baumhäusern. Es war ein Kampf, Polizeibeamte wurden verletzt, und auch Aktivisten.

Ausstellung aus Sicht der Umweltschützer

Auf die Auseinandersetzung zwischen Aktivisten und Polizei wird in der Ausstellung auch eingegangen, aber sie ist nicht der zentrale Punkt. Die Gewalttaten von Aktivisten werden kaum behandelt. Das mag auch daran liegen, dass die "Macher" dieser Ausstellung aus der Anti-Braunkohle-Bewegung kommen.

Und, weil sie das Ergebnis dieses Konfliktes, den Rodungsstopp und letztendlich den Erhalt des Waldgebietes, als einen Erfolg für die Klimabewegung sehen.

eine Frau mit Brille

Antje Grothus sieht den Rodungsstopp als Erfolg

"Ich bin stolz, ein Teil dieser Bewegung gewesen zu sein", sagt Antje Grothus, die die Ausstellung mit initiiert hat. Die 61-Jährige hat sich aktiv für den Erhalt des Hambacher Forstes eingesetzt. Heute sitzt sie für Bündnis 90/Die Grünen im NRW-Landtag.

Tausende Dokumente gesammelt

Zusammen mit dem Künstler und Aktivisten Todde Kemmerich sowie Gerhard Kern von der Initiative "Buirer für Buir" hat Antje Grothus tausende Dokumente für die Ausstellung "Begegnung und Bewegung an der Kante" zusammengetragen. Darunter etwa 1.900 Presseartikel und 280 Videos und Kurzfilme. Auch Interviews mit Zeitzeugen zeigt die Ausstellung.

In Glaskästen sieht man die Protestplakate, aber auch Bilder von zerstörten Baumhäusern. "Jeder versucht, einen Teil dieser Geschichte zu schreiben. Auch wir. Deshalb ist diese Ausstellung so wichtig", erklärt Kern von der Initiative "Buirer für Buir". Er erinnert sich noch daran, wie der Widerstand begann.

Eine gesellschaftliche Bewegung

2011 fing alles mit einem kleinen Wiesencamp in Nähe des Braunkohlelochs an. Jedes Jahr wurden es mehr. Als die Räumung 2018 begann, kamen schon tausende Menschen aus alles gesellschaftlichen Schichten.

Den Erhalt des Waldgebietes feierten zehntausende Menschen. "Wir haben dazu beigetragen, dass in der Energiepolitik ein Umdenken stattgefunden hat", so Todde Kemmerich.

Und die Proteste hätten gezeigt, wie wichtig es ist, sich für Dinge einzusetzen, auch wenn er anfangs eher ohnmächtig gewesen sei. Besonders stolz ist Kemmerich, dass die Initiatoren einen Hochsitz retten konnten, der in einer Aktivisten-Siedlung im Hambacher Forst gestanden hatte.

Tod von Steffen Meyn

Ausstellungsbilder an einer Wand

Die Ausstellung erinnert auch an den Tod des Bloggers Steffen Meyn

In der Ausstellung wird auch an den Tod von Steffen Meyn erinnert. Der junge Blogger und Journalist stürzte während des Räumungseinsatzes von einem Baumhaus. Der 19. September 2018 wurde dadurch für alle Beteiligten zum schlimmsten Tag in der Geschichte des Widerstandes gegen die Braunkohle.

Die Ausstellung zeigt Fotos, die Steffen Meyn vor seinem Tod gemacht hatte. Vom Leben in den Baumhäusern, von der Räumung selbst, von den vielen Kundgebungen.

Umfangreiches Begleitprogramm

Die Ausstellung im Nell-Breuning-Haus in Herzogenrath ist bis zum 5. März 2026 zu sehen. Es werden auch Führungen angeboten. Am Sonntag (22. Februar 2026) gibt es um 10 Uhr ein Filmfrühstück. Es wird der Film "Die Rote Linie" gezeigt, der die Proteste am Hambacher Forst begleitete. Außerdem gibt es Podiumsdiskussionen.

Die Initiatoren hoffen darauf, dass ihre Sammlung in einem Museum oder Gebäude einen festen Platz findet.

Zeitgeschichte hautnah: Der Konflikt um den Hambacher Forst

WDR Studios NRW 19.02.2026 00:49 Min. Verfügbar bis 19.02.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Antje Grothus
  • Todde Kemmerich
  • Gerhard Kern

Sendung: WDR 2, Lokalzeit aus Aachen, 19.02.2026, 09:31 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Aachen, 27.02.2026, 19:30 Uhr

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