Tagebaugegner fürchten Abholzung von Wäldchen am Hambacher Forst
00:42 Min.. Verfügbar bis 06.10.2027.
Es schüttet wie aus Kübeln über dem Tagebau Hambach. Der Herbstwind peitscht den Regen über den Tagebaurand - hinein in das nur knapp 100 Meter entfernte, so genannte Sündenwäldchen. Mit den Bäumen schaukeln auch Baumhäuser und Plattformen im Wind hin und her. Das noch etwa ein Hektar große Waldstück ist von Tagebaugegnern besetzt.
Wäldchen soll für Sand- und Kiesabbau weichen
Die Stadt Kerpen geht davon aus, dass etwa 10 bis 12 Personen eingezogen sind. Im vergangenen Jahr hat RWE das Sündenwäldchen bis auf einige Bäume roden lassen. Der Tagebaubetreiber will hier Sand und Kies abgraben, um damit die Böschungen für den geplanten Hambacher See gestalten zu können - und aus Manheim soll eine Bucht werden.
Hambacher Tagebausee nimmt Gestalt an
Einige hundert Meter östlich vom Sündenwäldchen entfernt, in Höhe des Kerpener Naturschutzgebiets Steinheide, ist das Seeufer bereits fertig modelliert. Dies sei nur der Anfang, so ein RWE-Sprecher, denn es würden weitere Uferböschungen in der Manheimer Bucht und um den gesamten Tagebau in den kommenden Jahren folgen.
Sand und Kies werden von einem großen Schaufelradbagger gefördert. Das rund 14.000 Tonnen schwere Gerät mit der Nummer 290 gräbt sich zur Zeit einige Kilometer westlich vom Sündenwäldchen in die oberen Bodenschichten hinein. Bagger 290 soll aber im Zuge des weiteren Tagebaufortschritts wieder in die Manheimer Bucht und damit zum umstrittenen Waldstück zurückkehren.
Stadt Kerpen will Aufenthaltsverbot durchsetzen
Um die Besetzung des noch etwa 1 Hektar großen Waldstücks zu beenden, hat die Stadt Kerpen ein Aufenthalts- und Betretungsverbot ausgesprochen. Es ist seit Mitternacht (06.10.2025) in Kraft. Grundlage der behördlichen Allgemeinverfügung sind die vom Land NRW genehmigten Betriebspläne für den Tagebau Hambach sowie ein Antrag von RWE als Eigentümerin des Geländes.
Der Tagebaubetreiber will die letzten Bäume zügig fällen, damit der Bagger 290 hier weiter Sand und Kies abgraben kann. Deshalb beantragt RWE, dass das umstrittene Sündenwäldchen geräumt wird. Bleiben die Besetzer auf ihren Plattformen, Baumhäusern und Zelten, dann soll die Polizei die behördliche Allgemeinverfügung mit Platzverweisen durchsetzen. Die Umweltaktivisten wollen auf einer Pressekonferenz am Vormittag sagen, wie sie auf das Verbot reagieren wollen.
Unsere Quellen:
- Stadt Kerpen
- RWE Pressesprecher Simon Lorenz
- Reporter vor Ort