Das Wichtigste in Kürze
- Tipps zur Online-Recherche im Landesarchiv NRW
- Treffer: Was nun?
- Weitere historische Quellen
Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) hat bis 1945 ihre Mitglieder in Karteien dokumentiert. Große Teile dieser Unterlagen blieben erhalten und das US-Nationalarchiv hat sie in den vergangenen Jahren digitalisiert. Die digitalisierten Dokumente sind seit März online gestellt und einsehbar. Zwei große deutsche Nachrichtenmagazine bieten ihren Abonnenten sogar eigene Recherchetools an.
Das hat einen wahren Hype um die Akten ausgelöst. Die Folge: Wegen der großen Nachfrage, waren die Server zeitweise überlastet. Denn die Daten sind einerseits eine wahre Fundgrube für Ahnenforscher - egal, ob Laie oder Profi. Und andere nutzen diese Quellen jetzt, um ihre Neugier zu stillen: Waren meine Großeltern oder Urgroßeltern auch Nazis?
8,5 Millionen Parteimitglieder
Symphatien fürs NS-Regime gab es nicht nur während der Olympischen Spielen 1936
Leider sind Fragen wie diese allein anhand der Karteikarten nicht gut zu beantworten. Darin aufgeführt sind der Name, das Geburtsdatum, der Beruf und die aktuelle Adresse. Ergänzend gibt es die Mitgliedsnummer, selten ein Foto, sowie das Datum des Aufnahmeantrags und der Aufnahme in die Partei. Zum Kriegsende waren 8,5 Millionen Menschen NSDAP-Mitglieder. Doch: Wer davon war überzeugter Nazi, wer Mitläufer, und wer erhoffte sich dadurch lediglich Vorteile wie etwa einen Arbeitsplatz? Das sagen die Unterlagen nicht.
Hier in Duisburg lagern die Entnazifizierungsdokumente aus der Nazi-Zeit
Immerhin: Ein besonders frühes Antragsdatum (insbesondere eines von vor 1933) kann Indiz dafür sein, dass jemand tatsächlich glühender Anhänger von Adolf Hitler und seinen perfiden Ansichten war. Wer aber mehr über die wahre Gesinnung eines Vorfahren aus NRW erfahren möchte, wird eher auf der Internetpräsenz des Landesarchivs NRW fündigt. Hier gibt es den Link dazu: https://www.archive.nrw.de/landesarchiv-nrw.
Entnazifizierungsakten sind online
Die Online-Schlagwortsuche des Landesarchivs NRW
Dort lassen sich kostenlos die Akten finden, die im Rahmen der Entnazifizierung erstellt wurden. Die schriftlichen Ergebnisse der zahllosen Prüfverfahren sind heute weitestgehend digitalisiert und online abrufbar. Für die Recherche sind der Name des Gesuchten und am besten auch noch das Geburtsdatum nötig. Zusammen mit dem Begriff "Entnazifizierung" erscheint umgehend eine Ergebnisliste - falls es eine passende Datei zur Suchanfrage gibt. Ist der blaue Button "Digitalisat öffnen" zu sehen, kann es sofort online weitergehen. Kein Button heißt: Es existiert noch kein Digitalisat. Dann hilft nur die direkte Kontaktaufnahme mit dem Landesarchiv.
Beim Klick auf den Button öffnet sich sofort der DFGViewer, ein Tool zur Dokumentenansicht von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Die Bedienung lässt sich schnell und intuitiv erlernen. Und dann zeigt sich im besten Fall ein Schatz an Informationen über den eigenen Vorfahren wie Ausbildungs- und Berufsangaben, Einkommensverhältnisse oder Zugehörigkeit zu Verbänden.
Suche mit Einschränkung
Insgesamt 1,15 Millionen dieser Akten liegen beim Landesarchiv NRW, 720.000 davon sind online einsehbar. Das Material unterliegt aber gesetzlichen Schutzfristen. Derzeit können alle personenbezogenen Entnazifizierungsakten bis zum Geburtsjahrgang 1922 online recherchiert werden. Die Akten von jüngeren Jahrgängen sind noch gesperrt, können aber mit gesonderter Zugangsberechtigung im Lesesaal des Landesarchivs eingesehen werden.
Belastet oder entlastet?
Mahnbrief von 1944 an NSDAP-Parteigenossen, weil er nicht zur Parteiversammlung erschienen war
Spannend wird es, wenn es eindeutig ent- oder belastende Unterlagen gibt. Das können Leumundszeugnisse Dritter oder offizielle Schreiben eines Partei-Oberen sein. Und höchst interessant sind persönliche Einschätzungen des jeweiligen Ermittlers eines Verfahrens - zum Beispiel warum er den Angaben der überprüften Person glaubt oder nicht. Derartige Dokumente mögen es dem heutigen Leser etwas leichter machen, die wahre Gesinnung der Vorfahren zu beurteilen. Aber Achtung: In der Regel sind die gefundenen Informationen nur Indizien, selten handfeste Beweise.
Mitgliedsbuch der NSDAP mit Parteiadler und Hakenkreuz
Auch der Download einer Akte ist möglich. So können die Unterlagen offline gespeichert werden und sind jederzeit schnell anzuschauen - zumindest, falls man überhaupt fündig geworden ist. Denn es gilt: Auch dieses Archiv ist nicht vollständig. Nicht alle Unterlagen zur Entnazifizierung existieren noch. Daher ist es möglich, dass die gesuchte Person vielleicht tatsächlich NSDAP-Mitglied und/oder überzeugter Regimeanhänger war, doch die Unterlagen über sie sind verloren gegangen.
Zahlreiche Unterlagen sind weg
Tatsächlich gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, herauszufinden, ob und wieweit eigene Vorfahren mit dem System im Dritten Reich verstrickt waren, zum Beispiel lagern im Bundesarchiv Akten über SS- und SA-Mitglieder. Aber einfacher sind solche Recherchen nicht unbedingt. Das liegt vor allem daran, dass in vielen Archiven Massen an Unterlagen noch immer nicht digitalisiert sind. Und noch seltener gibt es bereits Volltexterfassungen, die die Grundlage zum Beispiel für die beschriebene Schlagwortsuche sind. In diesen Fällen heißt es: Weg vom Computer und ab in die Lesesäle der nationalen und internationalen Archive.
Unsere Quellen:
- Landesarchiv NRW
- Recherche des Autors in den genannten Online-Archiven
Sendung: WDR.de, Recherche in den NRW-Entnazifizierungsakten: Wenn der Opa Nazi war, 21.05.2026, 5:05 Uhr