Pendler genervt: Neun kaputte Bahnbrücken in Südwestfalen

Lokalzeit Südwestfalen 19.08.2025 03:11 Min. Verfügbar bis 19.08.2027 WDR Von Julian Beuter

Pendler genervt: Neun kaputte Bahnbrücken in Südwestfalen

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Mindestens neun Brücken machen bei der Bahn in Südwestfalen Probleme. Das hat eine WDR-Recherche ergeben. Die Brücken beeinträchtigen Fahrgäste und die Wirtschaft.

Von Julian Beuter

Bahn-Fahrgäste brauchen seit einigen Monaten viel Geduld in Südwestfalen. Gleich drei Strecken sind durch insgesamt neun marode Brücken beeinträchtigt. Die Folgen: Verspätungen, Ausfälle und Probleme - auch für die Wirtschaft.

Kreis Olpe: Drei Brücken behindern Güterzüge

Grafik einer Bahnstrecke in Südwestfalen mit kaputten Brücken

Auf diesem kurzen Streckenabschnitt bremsen gleich drei Baustellen den Zugverkehr aus.

Seit Juni sorgten drei Brücken auf der Ruhr-Sieg-Strecke für Probleme. Rund um Lennestadt gab es dadurch über Monate hohe Verspätungen. Teilweise fielen Züge aus.

Kritik an der angespannten Lage kommt von Pendlern - und vom VCD Siegen-Wittgenstein / Kreis Olpe. Matthias Tuschhoff vom Verkehrsclub Deutschland sieht Versäumnisse bei der Deutschen Bahn.

"Ich wünsche mir, dass die Bahn da proaktiver rangehen würde. Dass sie einfach von sich aus ein Interesse hat, da ranzugehen - und daran, dass solche Situationen gar nicht erst entstehen." Matthias Tuschhoff, VCD Siegen-Wittgenstein / Kreis Olpe

Wichtige Güterzugstrecke beeinträchtigt

Baugerüst an der Brücke

Eine von vielen Bahnbaustellen derzeit in Südwestfalen

Die Strecke ist auch für den Güterverkehr wichtig. Sie ist Teil des Korridors Hagen-Hanau, den Bund und Bahn eigentlich als Alternative zum überlasteten Rheintal bei Koblenz aufrüsten wollen. Über Wochen waren hier aber schwere Güterwagen verboten.

Auch die Kreisbahn Siegen-Wittgenstein hat das vor Probleme gestellt. Sie fährt Güterzüge für viele Unternehmen aus der Region. Als die Brücken für schwere Züge gesperrt wurden oder die Strecke für die Reparatur komplett dicht war, habe man das teilweise erst erfahren, als die Züge schon unterwegs waren.

"Es gleicht immer mehr einem Abenteuer zu Zeiten von Kolumbus, ob und wann man denn mal ankommt." Christian Betchen, Kreisbahn Siegen-Wittgenstein

Kritik an Bahn

Einige Unternehmen mussten Sondertransporte per Lkw starten, sagt Christian Betchen, Geschäftsführer der Kreisbahn Siegen-Wittgenstein. Denn für die Produktion wichtige Rohstoffe hätten plötzlich nicht mehr per Zug gebracht werden können.

ThyssenKrupp Steel schreibt auf WDR-Anfrage, man habe zwischenzeitlich Schwierigkeiten gehabt, seine Werke in Kreuztal mit Güterzügen anzufahren. Auch dort hätte man sich gefreut, wenn die Bahn früher über die Einschränkungen informiert hätte.

Die Bahn hat die zwei Brücken, die die meisten Probleme machen, fürs Erste repariert. In dieser Woche sollen die Züge wieder normal rollen können.

Hochsauerlandkreis: Züge fahren durch

Grafik einer Bahnstrecke in Südwestfalen mit kaputten Brücken

Auch von Fröndenberg durchs Hochsauerland geht es aktuell nur langsam voran.

Im Hochsauerlandkreis sorgen gleich vier Brücken für Probleme. Die Züge dürfen über sie nur langsam fahren. Dadurch sind sie meist mit 5-10 Minuten Verspätung unterwegs.

Um das wieder rauszufahren, soll der RE 57 von Dortmund nach Winterberg oder Warburg ab Dezember zwei Halte auslassen. Betroffen sind Arnsberg-Oeventrop und Meschede-Freienohl. Der RE 17 Hagen-Brilon soll hier aber weiter halten.

Bad Berleburg: Zwei Brücken komplett gesperrt

Marodes Metall der Brücke

Marodes Metall an einer Brücke

Im Raum Bad Berleburg waren im März zwei komplett marode Brücken aufgefallen. Dort darf seitdem kein Zug mehr fahren. Zwischen Aue-Wingeshausen und dem Bad Berleburger Zentrum fahren seitdem Ersatzbusse. Jetzt sagt ein Bahnsprecher, dass die Sperrung wohl mindestens bis Ende nächsten Jahres dauern wird.

Krischer sieht Bund in der Pflicht

Der WDR hat das Landes- und das Bundesverkehrsministerium gefragt, was nun getan werden soll, um weitere Beeinträchtigungen durch kaputte Bahnbrücken zu verhindern. Aus dem Bundesverkehrsministerium kam konkret zu den Brücken bei Lennestadt lediglich eine Beschreibung des aktuellen Zustands.

"Die derzeitige Situation im Nah-, Fern- und Güterverkehr auf dem Schienennetz der DB ist nicht zufriedenstellend. [...] Deshalb muss [es] schnell und umfassend saniert und ausgebaut werden." NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer auf WDR-Anfrage
Nahaufnahme vom Landesverkehrsminister Oliver Krischer

NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer

In der Stellungnahme von NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Bündnis 90/Die Grünen) heißt es weiter: "Wir sind froh, dass die Deutsche Bahn dabei ist und Schritt für Schritt den Sanierungsstau auflöst. […] Genauso wichtig ist es, dass dazu alle Finanzierungsmöglichkeiten des Bundes, insbesondere auch das Sondervermögen, genutzt werden."

Ein Bahnsprecher entschuldigt sich in einer Stellungnahme bei den Fahrgästen für die Einschränkungen. Außerdem kündigt die Bahn an, die betroffenen neun Brücken zu sanieren oder neu zu bauen.

Unsere Quellen:

  • Gespräche und Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
  • Verkehrsclub Deutschland, Kreisverband Siegen-Wittgenstein - Olpe
  • Pressestelle Deutsche Bahn
  • Kreisbahn Siegen-Wittgenstein
  • Landesverkehrsministerium NRW
  • Bundesverkehrsministerium

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