Bahn-Störungen in NRW: Deswegen droht mehr Chaos auf der Schiene

Lokalzeit aus Köln 15.07.2025 01:47 Min. Verfügbar bis 15.07.2027 WDR Von Oliver Köhler

Bahn-Störungen in NRW: Deswegen droht mehr Chaos auf der Schiene

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Diesmal war die Bahn-Strecke Köln-Bonn-Koblenz von Störungen betroffen. Aber selbst im Raum Siegen führte das zu Zugausfällen. Und die Probleme bleiben: Wegen der vielen Bahn-Baustellen in NRW droht jederzeit neues Chaos. Das steckt dahinter.

Auf den ersten Blick ist es eine der vielen Bahnstörungen, mit denen sich Zugreisende in NRW immer wieder rumplagen müssen: Zwischen Köln, Bonn und Koblenz kam es am Dienstag wegen Kabelschäden zu Zugausfällen. Bei näherer Betrachtung zeigt dieser Fall aber noch weit mehr: nämlich, wie fragil das marode Schienennetz angesichts der vielen Baustellen derzeit ist und womit Pendler und Fernreisende in den kommenden Jahren wohl rechnen müssen.

Bahn-Sperrungen bei Schienennetz-Sanierung unvermeidlich

Drohnenaufnahme der Betuwe-Linie mit fahrendem Güterzug

Güterzug auf der Betuwe-Linie zwischen NRW und Rotterdam

Die Herausforderung: Das Schienennetz muss saniert werden - Totalsperrungen bestimmter Streckenabschnitte sind dabei unvermeidlich. Gleichzeitig soll der Betrieb weiterlaufen - und dazu gehören nicht nur Fernzüge, Regional- und S-Bahnen, sondern auch die vielen Güterzüge.

Am Dienstag waren es umgeleitete Güterzüge, die dazu führten, dass die Bahnstörung zwischen Köln, Bonn und Koblenz auch im entfernten Siegen zu spüren war.

Auf Zuginfo.nrw informierten die Verkehrsunternehmen über eine Beeinträchtigung wegen "hoher Auslastung" auf der Strecke zwischen Au (Sieg) und Siegen Hbf. Die Folge: Der RE9 aus Köln fuhr nicht nach Siegen durch. Außerdem kam es durch den Rückstau auch bei den S-Bahnen zu Verspätungen und Ausfällen.

Einer der wichtigsten Güterverkehrs-Korridore in Europa

Was viele nicht wissen: Der Raum Köln liegt mitten im Schienenkorridor Rotterdam/Zeebrugge-Genua. Er gilt als eine der wichtigsten Achsen für den Güterverkehr in Europa.

Normalerweise fahre ein Großteil der Güterzüge auf der rechtsrheinisch gelegenen Bahnstrecke, erklärt WDR-Reporter Niklas Hoth, der sich seit Jahren mit der Bahn und der Schieneninfrastruktur befasst. Aber genau diese Strecke können die Güterzüge derzeit nicht nutzen, weil es wegen Baustellen an einzelnen Stellen zu Totalsperrungen kommt.

Da die linksrheinische Strecke Koblenz-Bonn-Köln nun überraschend wegen Kabelschäden ausfiel, mussten die Güterzüge auf eine weiter östlich gelegene Strecke ausweichen. Das Problem dabei: Auch die Güterverkehrs-Umleitungstrecke Hagen-Siegen-Frankfurt/Main (Ruhr-Sieg-Strecke) ist gesperrt. Dort müssen Brückenschäden repariert werden. 

Niklas Hoth

Zwar gibt es noch die Schnellfahrstrecke Köln-Frankfurt/Main. Aber: "Dort können und dürfen keine Güterzüge fahren, weil die Strecke für diese schweren Züge viel zu steil ist und zudem die Begegnung mit bis zu 300 km/h schnellen ICE zu gefährlich wäre", sagt Hoth. 

"Da blieb als Ausweichstrecke auf diesem wichtigen Güterverkehrs-Korridor praktisch nur noch die Siegstrecke zwischen Siegen und Köln", so Hoth. "Und dafür ist sie eigentlich ungeeignet. Auf manchen Abschnitten verläuft sie nur eingleisig. Kein Wunder, dass der Güterverkehr dort am Dienstag alles verstopfte."

Fahrgastverband Pro Bahn: "Unzahl an Baustellen"

"Unsere Infrastruktur ist momentan wirklich in einem sehr schlechten Zustand", sagt der Bundesvorsitzende vom Fahrgastverband Pro Bahn, Detlef Neuß aus Mönchengladbach, dem WDR. Weil jahrelang zu wenig ins Schienennetz investiert worden sei, gebe es jetzt "eine Unzahl an Baustellen".

Detlef Neuß von der Pro Bahn

Detlef Neuß, Bundesvorsitzender Pro Bahn

"Und dort, wo wir keine Baustellen haben, besteht ständig die Gefahr, dass es plötzlich zu Problemen kommen kann - zum Beispiel durch Schäden an Weichen, Kabeln und Signalen", so Neuß.

"Es ist unangenehm für die Fahrgäste", sagt er. "Aber wir sind an dem Punkt angekommen, an dem uns gar nichts mehr übrig bleibt, als das hinzunehmen."

Staatskanzlei: Schienennetz in NRW besonders schlecht

Die NRW-Staatskanzlei bestätigt das Problem: Die Schieneninfrastruktur in Nordrhein-Westfalen sei im Ländervergleich in einem besonders schlechten Zustand, teilte sie am Dienstag mit. "Deshalb muss sie schnell und umfassend saniert und ausgebaut werden."

Hendrik Wüst, Richard Lutz (R) und Oliver Krischer (L)

NRW-Verkehrsminister Krischer (von links), Ministerpräsident Wüst und Bahnchef Lutz am Dienstag

Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), Landesverkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) und Bahnchef Richard Lutz unterzeichneten am Dienstag in Düsseldorf eine Vereinbarung: Land und Bahn wollen beim Ausbau und bei der Verbesserung des Schienennetzes künftig stärker zusammenarbeiten.

Ab Februar: Bauarbeiten auf Strecke Köln-Wuppertal-Hagen

Als Nächstes soll ab Februar die stark befahrene Strecke von Köln über Wuppertal nach Hagen gut fünf Monate lang saniert werden - Fernzüge werden in dieser Zeit umgeleitet, für Pendler im Regionalverkehr fahren Ersatzbusse. 

In den nächsten Jahren sind große Bauprojekte unter anderem auf den Strecken Hagen-Unna-Hamm, Köln-Bonn-Koblenz sowie zwischen Aachen und Köln geplant.

Unsere Quellen:

  • Gespräch mit WDR-Reporter Niklas Hoth
  • WDR-Gespräch mit dem Bundesvorsitzende vom Fahrgastverband Pro Bahn, Detlef Neuß
  • Mitteilung der NRW-Staatskanzlei
  • Zuginfo.nrw
  • Nachrichtenagentur dpa

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