Der Rhythmus muss stimmen. Etwa 100-mal pro Minute, kräftig und ohne Pause, lautete die Devise auf dem Paderborner Schützenplatz. Umgeben von viel Trubel drückte die achtjährige Linja Franke mit aller Kraft auf eine bereitgestellte Übungspuppe. Das dumpfe Knacken unter ihren Händen signalisierte: Die Tiefe stimmt, das Blut würde im Ernstfall weiter zum Gehirn gepumpt.
Linja war gemeinsam mit ihrer Familie zum Aktionstag gekommen und hatte sich mit anderen Kindern spontan getraut, es einfach auszuprobieren. „Ich hatte erst ein bisschen Angst“, sagte die Paderbornerin stolz nach ihren ersten erfolgreichen Versuchen, „aber wenn man damit ein Leben retten kann, dann fühlt sich das toll an.“
"Nichts tun ist der einzige Fehler"
In moderierten Übungen wurde Kindern und Erwachsenen die Herzdruckmassage erklärt
Genau diese Angst vor Fehlern zu nehmen, war das Hauptziel des "Herzensretter-Tages", den der DRK-Landesverband Westfalen-Lippe gemeinsam mit lokalen Partnern wie der Bürgerstiftung und dem Paderborner-Bürger-Schützenverein auf die Beine gestellt hatte. Dutzende Freiwillige waren auf dem Gelände im Einsatz, um die Besucherinnen und Besucher schrittweise an die Wiederbelebung heranzuführen.
Begleitet wurden die Helfer und Teilnehmenden dabei von Nilgün Özel, der Vizepräsidentin des DRK-Landesverbands Westfalen-Lippe. Sie weiß genau, wie wichtig es ist, die Scheu in der Bevölkerung abzubauen: „Man kann nichts falsch machen. Das Schlimmste ist, nichts zu tun“, betonte Özel.
Laien trauen sich noch zu selten
Nilgün Özel ist Vizepräsidentin des DRK-Landesverband Westfalen-Lippe e.V.
Die Statistik in Deutschland ist nämlich alarmierend: Rund 70 Prozent aller Herz-Kreislauf-Stillstände passieren im häuslichen Umfeld – dort, wo Familie, Freunde oder Nachbarn die ersten Zeugen sind. Obwohl eine sofortige Herzdruckmassage die Überlebenschancen verdreifachen kann, greifen in Deutschland im Schnitt nur bei gut der Hälfte der Fälle Laien ein. „So könnten wir jedes Jahr tausende Menschen retten“, erklärte Özel den Kern der Initiative. „Mit dem Herzensretter-Tag möchten wir die Hemmschwelle senken.“
Dass das Thema auch in der Politik schwer wiegt, zeigte NRW-Schulministerin Dorothee Feller. Sie unterstützte die Aktion vor Ort. Unter Anleitung von DRK-Bundesarzt Prof. Dr. Bernd W. Böttiger lernten die Gäste in moderierten Live-Übungen die lebenswichtigen Handgriffe.
Der altbekannte Soundtrack dazu: der Disco-Klassiker „Stayin' Alive“ von den Bee Gees. Dessen Takt entspricht exakt den geforderten 100 bis 120 Kompressionen pro Minute. Auf dem Schützenplatz ertönte aber der eigens komponierte Herzmassage-Song des DRK.
Ein Aktionstag zwischen Lebensrettern und Oldtimern
Auch alte DRK-Fahrzeuge standen zur Schau.
Neben den Reanimations-Stationen hatte sich der Schützenplatz an diesem Tag in eine regelrechte DRK-Erlebniswelt für die ganze Familie verwandelt. Ein besonderer Magnet für Groß und Klein waren die dutzenden historischen DRK-Einsatzfahrzeuge, die auf dem Gelände geparkt und zur Schau gestellt waren. Die liebevoll gepflegten Oldtimer zeigten eindrucksvoll die Geschichte des Rettungswesens. Wer nach dem Reanimationstraining und dem Oldtimer-Rundgang direkt praktisch helfen wollte, konnte das Mobil des DRK-Blutspendedienstes vor Ort für eine Blutspende.
Für Familie Franke hat sich der Ausflug zum Schützenplatz in jeder Hinsicht gelohnt. Sie nehmen nicht nur das Wissen um die richtige Erste Hilfe mit nach Hause, sondern vor allem das Gefühl, dass am Ende jeder – egal ob Groß oder Klein – zum Lebensretter werden kann.
Wie Paderborn den Takt vorgibt
WDR. 00:33 Min.. Verfügbar bis 17.05.2037.
Unsere Quellen:
- Interview mit Linja Franke, 8 Jahre aus Paderborn
- Interview mit Nilgün Özel, Vizepräsidentin DRK Westfalen-Lippe e.V.
- Beobachtungen des WDR-Reports vor Ort
Sendung: WDR.de, "Herzretter Paderborn", 16.05.2026, 17:33 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit am Samstag, 16.05.2026, 19:30 Uhr
