Während seiner eigenen Schulzeit hat Jürgen Weiland Fernseher von Bekannten repariert, um sein Taschengeld aufzubessern. Als Lehrer in Lügde will er heute junge Menschen für Mint-Berufe begeistern, berichtet Weiland im WDR-Interview. Und dabei hat er ein Stadtfest aufgebaut, das zur örtlichen Tradition geworden ist.
Wie hat das angefangen mit "Mint in Lügde"?
Wir haben 2011 mit der Veranstaltung angefangen. Damals kam eine Stiftung auf uns zu, die haben damals schon gesehen, dass wir mehr junge Menschen in Mint-Berufen brauchen. Dann haben wir Schulen und Kitas und Ausbildungsbetriebe an einen Tisch gesetzt und geschaut, was wir auf die Beine stellen können.
Daraus ist ein kleines Mint-Festival entstanden.
Ja genau. Wir legen jedes Jahr ein Thema fest. Dazu entwickeln die Kinder und Jugendlichen in ihren Einrichtungen Projekte, die sie bei unserer Veranstaltung im Mai vorführen und anbieten können. Mitmachaktionen, Basteln oder auch kleine Experimente. Mitten in Lügde im Emmerauen-Park – da ist immer tolle Stimmung.
Kitas, Schulen und Ausbildungsbetriebe - das ist ja eine ganz schöne Spannweite.
Wir wollten das als eine Veranstaltung aufsetzen, an der sich Kinder von der Kita beteiligen können und dann in ihrer Bildungslaufbahn immer wieder da reingeholt werden. Dann kennen die Schülerinnen und Schüler das als Jugendliche bereits von früher und haben hoffentlich Lust darauf, nochmal mitzumachen. Wir wollen klare Themen aus dem Alltag behandeln. Das ist greifbar für die Schülerinnen und Schüler.
Damit das auch spannend bleibt, setzen wir jedes Jahr einen neuen Schwerpunkt und gehen dabei alphabetisch vor. Dieses Jahr beschäftigen wir uns mit "Licht und Schatten". Manchmal wird das aber auch schwierig, wie beim Buchstaben I für Informatik.
Wieso?
Ich wollte nicht, dass da alle nur am PC sitzen. Deswegen haben wir versucht, Handlungen aus dem Alltag zu nehmen, die ähnlich funktionieren wie ein PC-Programm. Zum Beispiel Schuhe binden.
Wenn man sich die einzelnen Schritte bei dieser einfachen Handlung anschaut, dann ist das plötzlich ganz ähnlich wie ein Algorithmus. Quasi Informatik ohne Strom. Das ist etwas, das die Kinder entdecken können.
Mittlerweile machen auch Schulen aus Nachbarorten mit, sogar aus Niedersachsen. Hätten Sie damals gedacht, dass das so weite Kreise ziehen würde?
Ich habe es gehofft. Uns ging es darum, jungen Menschen in der Region langfristig die MINT-Berufe schmackhaft zu machen. Ob in einer Ausbildung oder durch ein Studium im Mint-Bereich. Wir brauchen diese Fachkräfte einfach. Sonst haben wir hinterher keine Handwerker mehr, aber tausende Steuerberater. Davon kann keine Wirtschaft leben. Heutzutage verdient ein Handwerksmeister oft mehr als irgendein Bürojob.
Und auch für die Jugendlichen muss klar sein: Das Studium ist nicht der einzige Weg. Auch im Handwerk kann man gutes Geld verdienen und vor allem spannende Berufe lernen. Das Wichtigste ist ja, dass man einen Job hat, der einem auch Spaß macht. Am besten ein Leben lang.
Gibt es denn konkrete Erfolgsgeschichten aus dem Projekt?
Klar. Bei mir melden sich immer mal wieder Bekannte, die im Handwerk arbeiten und händeringend nach jungen Leuten suchen, die sich für die Berufe interessieren. Da kann ich oft Schülerinnen oder Schüler für ein Praktikum oder ähnliches vermitteln, die in den Projekten Talent und Interesse gezeigt haben.
Und bei "Mint in Lügde" kommen oft auch Ehemalige vorbei, die heutzutage ganz selbstverständlich in solchen Berufen arbeiten, zum Beispiel bei Phoenix Contact. Die hole ich mir manchmal auch in den Unterricht, damit sie ein bisschen was aus dem Alltag erzählen können.
Was bedeutet die Veranstaltung für die Menschen in der Region?
Das ist bei vielen zu einer festen Größe im Kalender geworden. Man kann sich darauf verlassen, dass wir Ende Mai wieder unsere Zelte im Emmerauen-Park aufschlagen und dass man dort auch ganz viele Ehemalige und alte Freunde treffen kann. Ein Familienfest eigentlich. Lügde ist ein kleiner Ort, hier kennt man sich. Solche Veranstaltungen tragen zum Gemeinschaftsgefühl bei.
Unsere Quelle:
- Interview mit Organisator und Sekundarschullehrer Jürgen Weiland
Sendung: WDR.de, "Wir brauchen Handwerker, nicht nur Steuerberater", 27.05.2026, 06:02 Uhr
