Marco Zaremba | Kurzvideo

01:06 Min. Verfügbar bis 18.11.2027

40 Tonnen ohne Parkplatz: Lkw-Fahrer verzweifeln an Raststätte in OWL

Stand:

Wohin mit 40 Tonnen Ladung? Das fragen sich immer mehr Lkw-Fahrer in NRW. Besonders angespannt ist die Parkplatzsituation in Ostwestfalen-Lippe.

Von Marco Zaremba

Es ist kurz nach acht, die Sonne ist gerade über der A2 aufgegangen, und eigentlich wirkt die Raststätte Lipperland Nord bei Bad-Salzuflen an diesem Dienstagmorgen ruhig und aufgeräumt. Wer aber genauer hinschaut, sieht sofort: Die Nacht war hier alles andere als geordnet.

Viele Lastwagen stehen noch dort, wo sie eigentlich nicht hingehören: Quer in der Fahrgasse, halb in der Einfahrt oder auf Flächen, die eigentlich für andere reserviert sind. Ein besonders drastisches Beispiel: Ein Sattelzug steht schräg über gleich mehreren Parkplätze für Menschen mit Behinderung.

40-Tonner Kreuz-und-Quer sind kein Einzelfall

Die Raststätte Lipperland Nord ist laut einer aktuellen Untersuchung des ADAC der negativ-Spitzenreiter in NRW, wenn es um Lkw-Parkverstöße geht. Hier wurden besonders viele Parkverstöße festgestellt. 21 Raststätten hat der Automobilclub in NRW untersucht.

Dach mit Beschriftung an der Tankstelle Lipperland Nord

Nicht die einzige Problem-Raststätte in NRW: Lipperland Nord an der A2

Das Ergebnis: Hunderte Parkplätze fehlen und auf fast zwei von drei Anlagen wurde hochriskant geparkt. Das heißt in Ein- und Ausfahrten oder auf dem Standstreifen.

"Ab 16 Uhr wird's besonders schlimm, da fangen alle schon an, in zweiter Reihe oder auf den Zubringern zu parken." Claudia Ströter, LKW-Fahrerin

Die Tankstellenangestellte Isabella M. beschreibt das Problem aus ihrer Sicht: "Wenn hier alles vollgeparkt ist, finden die Gäste teilweise nicht mal mehr die Tankstelle." Gerade im Dunklen sei der Rastplatz an der A2 dann sehr unübersichtlich und "eng wie ein Labyrinth". Frust, den Autofahrerinnen und Fahrer dann durch Hupen und riskante Fahrmanöver abreagieren.

Frust trifft die Falschen

LKW-Fahrer Detlef Jungmann sitzt in seinem Truck

Lkw-Fahrer Detlef Jungmann

Der Frust trifft in dem Moment aber die Falschen, meint auch der ADAC: Roman Suthold bestätigt, dass "Lkw-Fahrer nicht aus mangelnder Rücksicht" so parken, "sondern aus Not". Die engen Zeitpläne und auch die strikt vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten führen immer wieder zu Druck:

"Überziehen ist immer schwierig, immer teuer, dann sagen sie dir hinterher, du musst eher parken. Aber wo?" Detlef Jungmann

Viele Fahrer erzählen von langen Suchzeiten. Andere berichten, dass sie eigentlich keine Verstöße begehen wollen – aber schlicht keine Alternative haben.

So war es auch im Fall des Lkw-Fahrers, der auf den ausgewiesenen Parkplätzen für Menschen mit Behinderung geparkt hat: Wegen eines technischen Problems an seiner Zugmaschine musste er sie am Montagabend dringend abstellen. Frei waren aber nur noch die Plätze direkt vorm Rasthaus.

Mehr Parkplätze: Einfache Lösung?

Zwischen 2018 und 2023 wurden bundesweit bereits 4.500 neue Lkw-Stellplätze gebaut. Zu wenig, sagt der ADAC. Der Bedarf sei weiter enorm, denn: Gleichzeitig steigt das Güteraufkommen auf den Autobahnen.

Der Platzmangel verschärft sich also trotz Ausbau. Deshalb werden kurzfristig digitale Lösungen wie Parkleitsysteme und Apps gefordert - und mittlefristig auch weiter mehr Platz für die Lkw.

Unsere Quellen:

  • WDR Reporter vor Ort
  • ADAC

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