Zu wenig Lkw-Plätze auf NRW-Autobahnen

Aktuelle Stunde 18.11.2025 35:38 Min. UT Verfügbar bis 18.11.2027 WDR Von Anne Bielefeld

ADAC schlägt Alarm: Viel zu wenig Lkw-Parkplätze an Autobahnen

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Am Samstagabend kam es auf der A61 bei Swisttal im Rhein-Sieg-Kreis zu einem schweren Verkehrsunfall. Ein Kleinwagen fuhr an einer Rastplatzzufahrt in einen Lkw, der verkehrswidrig geparkt war. Erst vor Kurzem zeigte ein Test des ADAC: In NRW fehlen Tausende Lkw-Parkplätze an Autobahnen.

Von Johanna Esch

Bei dem Unfall auf der A61 kam am Samstagabend ein 53-jähriger Mann ums Leben. Seine 49 Jahre alte Ehefrau wurde lebensgefährlich verletzt. Das Paar war mit einem Kleinwagen unterwegs und fuhr auf die Zufahrt zum Rastplatz "Am blauen Stein" bei Swisttal.

Dort prallten sie gegen einen geparkten Lkw, der nach Einschätzung der Polizei vor Ort verkehrswidrig abgestellt wurde. Der Kleinwagen wurde völlig zerstört und die Unfallopfer wurden darin eingeklemmt. Dem Lkw-Fahrer drohen jetzt nach Angaben der Autobahnpolizei Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung. 

ADAC warnt vor Gefahren durch falsch geparkte Lkw

Erst vor Kurzem hatte ein Test des ADAC ergeben, dass in NRW tausende Lkw-Parkplätze an Autobahnen fehlen. Laut dem ADAC stellen viele Fahrer ihren Lkw aus der Not heraus illegal ab - teils an gefährlichen Stellen.

Für den Test hat sich der ADAC 21 Rastplätze in NRW angeschaut - an sechs verschiedenen Autobahnen. Und am Testtag wurden dort am späten Abend insgesamt rund 500 Parkverstöße von Lkw festgestellt. Die meisten davon auf dem Rastplatz "Lipperland Nord" an der A2 bei Herford.

Laut dem zuständigen ADAC-Experten für NRW ist es oft pure Verzweiflung, die Lkw-Fahrer dazu bringt, ihr Fahrzeug da abzustellen, wo es für andere Verkehrsteilnehmer gefährlich wird. Gerade in den Ein- und Ausfahrten der Rastanlagen gebe es immer wieder schreckliche Auffahr-Unfälle. Der ADAC fordert deshalb von der Politik einen schnellen Ausbau der Stellplätze für Lkw entlang der Autobahnen.

Deutschlandweit fehlen laut Daten der Bundesanstalt für Straßenwesen rund 20.000 Lkw-Stellplätze. Der Bundesverband Güterverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) schätzt die Zahlen sogar auf 40.000 Parkplätze.

ADAC fordert schnellen Ausbau der Stellplätze

Michael Schultz ist Lkw-Fahrer: "Es ist wirklich eine Katastrophe. Da muss schnellstmöglich was passieren." Wer einen guten Parkplatz haben wolle, müsse schon nachmittags zum Rasthof fahren. Schultz findet: "Man tankt über 1.000 Euro und man kriegt noch nicht mal mehr einen Kaffee. So ist es heute. Traurig, aber wahr."

Der ADAC fordert gegen die Lkw-Parknot von der Politik einen schnellen Ausbau der Stellplätze für Lkw entlang der Autobahnen. Geklappt hat das schon an der A1 Lichtendorf-Süd Richtung Münster zwischen Westhofener-Kreuz und Kamener Kreuz. Dort wurde etwas unterhalb eines Rasthofs ein großer Lkw-Stellplatz mit 170 Parkplätzen neu gebaut.

Lkw-Parknot auch Streit zwischen Bund und Kommunen

Allerdings klappt der Neubau von Lkw-Parkplätzen nicht immer. Das weiß auch Frank Huster. Er ist Geschäftsführer vom Bundesverband Spedition und Logistik. "Das Problem liegt darin, dass es zwar eine Verpflichtung des Bundes ist. Nur die Immobilien und die Plätze, die zur Verfügung gestellt werden, sind meistens in kommunaler Zuständigkeit. Und Kommunen weigern sich oft, dafür Land zur Verfügung zu stellen."

Menschen wollen keine Lkw in ihren Dörfern

Lastwagen stehen auf einer Rastanlage an der Autobahn

Parkende Lkw auf einer Rastanlage

Dass das Problem vielfältig ist, zeigt ein Beispiel an der A61. Am Kreuz Meckenheim stehen Lkw-Fahrer, die nicht mehr rechtzeitig einen Parkplatz gefunden haben, entlang einer Industriestraße. Anwohner beklagen Müll und Lärm. "Es gibt immer wieder Beschwerden von Anwohnern", sagt Achim Juchem, Bürgermeister der Gemeinde Grafschaft. Auf deren Straßen weichen besonders an Wochenenden viele Lkw-Fahrer aus. Inzwischen stehen immerhin Mülleimer und Toiletten bereit.

"Wir würden gerne einen zusätzlichen Parkplatz bauen, aber das ist bislang an Beschwerden aus der Bevölkerung gescheitert", sagt Juchem. Man befürchte, dass dadurch noch mehr Lkw durch die Dörfer fahren würden. Eine Sorge, die der Bürgermeister verstehen kann. Die Folge: Er musste das Projekt vorerst auf Eis legen.

Firmen-Parkplätze als Teil der Lösung

Lkw-Fahrer Wolfgang Stöber erinnert sich, dass es früher üblicher war, im Gewerbegebiet neben der Autobahn zu parken: "Diese Parkplätze sind alle mehr oder weniger verschwunden oder weggemacht worden. Sie sind teilweise noch da, aber mit Steinen blockiert, weil die Lkw-Fahrer nicht gewünscht sind."

Der ADAC schlägt vor, Firmen-Parkplätze in der Nähe der Autobahnen nachts an Lkw-Fahrer zu vermieten. Allerdings müssten da dann teils noch sanitäre Anlagen gebaut werden - und Autobahn-Raststätten sind für Lkw-Fahrer kostenlos.

Durch smartes Parken 50 Prozent mehr Stellplätze

Eine Chance sieht der ADAC in einer Art Kolonnen-Parken. Lkw-Fahrer geben da an einem Terminal ein, wie lange sie bleiben wollen. Gleichzeitig wird unter anderem automatisch vermessen, wie groß der Lkw ist. Beim dann zugewiesenen Parkplatz könnten Lkw hintereinander sehr dicht aufeinander stehen. Und dadurch könnten laut ADAC 50 Prozent mehr Lkw auf der gleichen Fläche parken.

Auch digitale Buchungsplattformen könnten helfen, die Parknot zu lindern. So etwa die App vom Kölner Startup Aparkado. Da können Lkw-Fahrer checken, ob der nächste Rastplatz frei ist - und auch, ob es etwa Duschen und WC gibt. Die App kann dabei helfen, bestehende Plätze effektiv auszunutzen.

Tausende Stellplätze fehlen

Vor drei Jahren hatte der ADAC schon einmal die Parksituation an den Autobahnen untersucht - und war zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen wie jetzt. Dabei hat es von 2021 bis 2024 ein Förderprogramm des Bundes gegeben, das den Neu- und Umbau von Lkw-Parkplätzen mit 110 Millionen Euro unterstützte. Das Projekt wird derzeit ausgewertet.

Insgesamt sind die Abstellmöglichkeiten von Lkw auf Autobahnen im Vergleich zu 2008 um 53 Prozent vergrößert worden, allerdings ist in demselben Zeitraum die Zahl der nachts abgestellten Lkw ebenfalls deutlich gestiegen - nämlich um 50 Prozent. 2023 gab es rund 82.500 Lkw-Abstellmöglichkeiten bei rund 102.000 Lkw auf der Straße.

Auf Bundesebene sind für den Neu- und Umbau von Lkw-Parkplätzen jährlich 100 Millionen Euro vorgesehen. Bis Ende 2030 sollen rund 170 Rastanlagen-Projekte realisiert werden.

Unsere Quellen:

  • ADAC-Bericht über Falschparken von Lkw
  • Autobahn GmbH
  • Lkw-Fahrer bei WDR 2

Über dieses Thema berichtet der WDR am 18.11.2026 auch im Fernsehen: WDR aktuell, 12.45 Uhr.

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