Niedrigwasser bringt "Edersee-Atlantis" zum Vorschein

00:44 Min. Verfügbar bis 27.09.2027

Niedrigwasser bringt "Edersee-Atlantis" zum Vorschein

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Weil im Edersee der Wasserstand so niedrig ist, werden plötzlich lang versteckte Schätze sichtbar.

Von Simon Rahe

Wenn man am Edersee die Mauern sieht, fehlt in Höxter das Wasser.

73 Zentimeter betrug der Wasserstand der Weser im Kreis Höxter am Freitag. Die Motorschifffahrt ist quasi vollständig untersagt, gepaddelt werden darf weiterhin. Ein Grund für das Niedrigwasser der Weser ist der niedrige Wasserstand im Edersee.

Edersee wird nie ganz leer

Der Edersee oder korrekt die Edertalsperre, gehört zu den größten Talsperren in Deutschland. Statt der üblichen sechs Kubikmeter pro Sekunde dürfen aktuell nur drei Kubikmeter Wasser die Edertalsperre verlassen.

Der Edersee ist groß: In ein olympisches Schwimmbecken mit einer Länge von 50 Metern passen etwa 2.500 Kubikmeter Wasser. Wenn die Edertalsperre voll ist, passen hier 200 Millionen Kubikmeter hinein. Momentan ist deutlich weniger drin. Ganz leer wird die Sperre allerdings nie. 20 Millionen Kubikmeter sind die sogenannte eiserne Grenze - ab da fließt nur raus, was vorher reingeflossen ist.

Der Regen fiel nicht da, wo er gebraucht wurde

"Es hat in Teilen viel geregnet, aber für den Edersee nicht an den richtigen Stellen", sagt Jens Köhne, Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Weser. "Das Wasser ist dort heruntergelaufen, wo es direkt in der Natur versickert oder wo es so ins Flusssystem kommt, sodass es am Ende nicht in den Edersee läuft."

Zwei Kanus schwimmen auf dem Edersee.

Regen soll in den kommenden Tagen Entspannung bringen.

Dass die eiserne Grenze erreicht wird, hält Köhne dennoch für unwahrscheinlich. Der vorhergesagte Regen soll die Lage entspannen und auch der prognostizierte Wasserstand für die Weser in Höxter liegt für den Sonntag wieder bei 90 Zentimetern.

Versunkene Ruinen kommen wieder zum Vorschein

Die Trockenheit offenbart die versteckten Schätze des Edersees. Denn bei starkem Niedrigwasser kommt das sogenannte "Edersee-Atlantis" zum Vorschein.

Die Edertalsperre wurde nicht auf leerem Feld erbaut. Anfang des 20. Jahrhunderts beschloss man, dass man diese Sperre braucht, um den Wasserstand in Weser und Mittellandkanal zu sichern. Im Weg waren einige Dörfer. Der Staat Preußen musste sich vom Fürstentum Waldeck die Enteignungsrechte kaufen. Etwa 900 Menschen mussten ihre Heimat verlassen.

Niedrigwasser legt altes Dorf Berich frei

Die Dörfer Asel und Bringhausen wurden vor dem Bau der Edertalsperre abgetragen und oberhalb des entstehenden Stausees neu errichtet. Das ebenfalls betroffene Berich entstand rund 21 Kilometer entfernt auf dem Gebiet der Stadt Bad Arolsen neu. Heute sieht man wieder Teile des alten Dorfs Berich.

Anwohnerin Carola Heinemann lächelt in die Kamera.

Anwohnerin Carola Heinemann schaute sich die Schätze vor Ort an.

"Es ist irgendwie faszinierend und auch erschreckend, wie viel Wasser weg ist", sagt Carola Heinemann. Sie kommt aus der Nähe und geht schaut sich das Niedrigwasser bei einem Spaziergang an. Solange das Wasser noch fehlt, kann man die alten Ruinen bewundern und spazieren gehen, wo sonst nur Tauchen möglich wäre. Trotzdem freuen sich die Schiffer in Höxter bestimmt, wenn der Edersee wieder voll ist und die Dörfer wieder verborgen.

Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Jens Köhne vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Weser
  • Gespräch mit Anwohnerin Carola Heinemann
  • Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
  • Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort

Über das Thema haben wir am 26.09.2025 auch im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit OWL, 19:30 Uhr.

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