Wertvolle Biotope: Die letzten natürliche Wildblumen-Wiesen in NRW
WDR. 06:38 Min.. Verfügbar bis 18.06.2028.
Wertvolle Biotope : Hier gibt es in NRW noch natürliche Wildblumen-Wiesen
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Naturbelassene Wiesen sind wichtige und wertvolle Biotope, die immer seltener werden. In Nordrhein-Westfalen gibt es nur noch wenige solcher bunten, artenreichen Wiesen. Der Biologe Georg Verbücheln kennt sie alle und hat jetzt einen Führer zu den schönsten Wild-Wiesen geschrieben.
Der Zottige Klappertopf ist schon fast verblüht, seine gelben Blütenblätter leuchten nur noch hier und da zwischen kniehohen Gräsern. Aber dafür stehen die lilafarbenen Wiesenskabiosen in voller Blüte. Georg Verbücheln steht gebückt am Rand einer großen Wiese bein Dormagen-Zons und zeigt begeistert auf die vielen Wildblumen. "Das hier ist ein einzigartiger Ort in Nordrhein-Westfalen", sagt der promovierte Botaniker. "Hier finden sie in dieser einen Wiese rund 50 Arten von Wildblumen und Kräutern, einige davon gibt es nur hier."
Die Wiesenskabiose und andere Blumen blühen auf der natürlichen Wiese.
Natürliche, artenreiche Wiesen gehören zu den wichtigsten Biotopen überhaupt, erklärt der Experte, der sich sein ganzes Berufsleben mit der heimischen Pflanzenwelt beschäftigt hat: "Hier gibt es nicht nur Biodiversität bei den Pflanzen, sondern auch bei den Insekten, denn manche Insekten brauchen zum Beispiel eine besondere Wildblume, auf der sie leben und von der sie fressen. Und entsprechend bieten wilde Blumenwiesen vielen Insekten, aber auch Vögeln und Kleintieren einen Lebensraum."
Voraussetzung für artenreiche Wiesen: magerer Boden
Genauso argumentiert auch Thomas Braun von der Biologischen Station im Rhein Kreis Neuss, wenn er Politikern, aber auch Schulklassen erklärt, warum wilde Wiesen wie diese im Naturschutzgebiet Grind direkt am Rhein unbedingt schützenswert sind. "Es handelt sich um einen so genannten Stromtal-Halbtrockenrasen", sagt Braun, und davon gibt es in NRW vielleicht 20 Hektar. Die Pflanzengemeinschaft, die hier lebe, brauche unbedingt einen mageren Boden, der nie gedüngt wurde und wird. Denn nur auf solchen mageren Böden können sich seltene, schwächere Wildpflanzen entfalten und werden nicht von hochgezüchteten Futtergräsern erdrückt.
Der Zottige Klappertopf auf einer naturbelassenen Wiese.
Damit das so bleibt, stehen die wilden Wiesen bei Zons unter Naturschutz und werden nicht intensiv genutzt, zur Gewinnung von Heu und als Weideland. "Aber wir nutzen diese Flächen hier auch als "Samenbank", indem wir Teile der Wiese nach der Blüte mähen und die Pflanzen dann auf anderen Flächen ausbreiten, damit sich Samen dort verteilen", erzählt der Biologe Thomas Braun. So haben man schon manche seltene Wildpflanze wieder an mehreren Stellen im Rhein-Kreis Neuss ansiedeln können.
Reiseführer zu seltenen Blumenwiesen
Um Interessierten die Schönheit und Bedeutung von naturnahen Blumenwiesen zu vermitteln, hat Experte Georg Verbücheln einen Wanderführer zu den schönsten Wiesengebieten in NRW verfasst. Darin hat er nicht nur ausführliche Auflistungen und Beschreibungen der Pflanzen in den jeweiligen Wiesen aufgenommen, sondern auch Karten, Fotos sowie Einkehr- und Ausflugstipps.
Georg Verbücheln und Thomas Braun im Gespräch.
Die meisten dieser letzten Naturwiesen in NRW befinden sich in eher entlegenen Gebieten in der Eifel und im Sauerland. Aber zwei eben doch im Ballungsraum nicht weit weg von Düsseldorf. "Das hier ist doch ein Erlebnis für alle Sinne", sagt der Biologe strahlend und schaut auf die Blumenwiese bei Zons am Rhein: "Ein Schatzkästlein der Natur".
Unsere Quellen:
- Interview mit dem Biologen Dr. Georg Verbücheln
- Interview mit Thomas Braun, Biologische Station Rhein Kreis Neuss
- Beobachtungen des Reporters vor Ort
- Wanderführer von Georg Verbücheln: Blumen Wiesen Erleben
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Düsseldorf, 17.06.2026, 19.30 Uhr
