Idylle mit Natur, Kunst und Architektur

WDR 04:01 Min. Verfügbar bis 11.03.2037

Museum Insel Hombroich Idylle mit Natur, Kunst und Architektur

Stand:

Das idyllisch gelegene Museum Insel Hombroich bei Neuss zählt heute zu den herausragendsten Sehenswürdigkeiten im Düsseldorfer Umland. Gezeigt wird dort die bedeutende Kunstsammlung des Museumsstifters Karl Heinrich Müller.

Von
Logo des Westdeutschen Rundfunk
Helge Drafz

Hombroich gilt heute als ein einzigartiger Ort in Deutschland, wenn nicht sogar in Europa. Es ist eine naturnah gestaltete, aber wildwüchsig anmutende Landschaft, in der Natur, Architektur und Kunst gleichermaßen zur Wirkung kommen. Genau das war der Traum, den sich der Düsseldorfer Kunstsammler Karl Heinrich Müller in den 80er Jahren erfüllte.

Immobiliengeld fließt in kleines Herrenhaus

Mit seinem durch weltweiten Immobilienhandel erworbenen Vermögen kaufte Müller einen alten, verwilderten historischen Park mit einem kleinen Herrenhaus bei Neuss. Die angrenzenden Äcker und Wiesen am Ufer der Erft erwarb er gleich mit. Dort entstand innerhalb mehrererJahre das Museum Insel Hombroich.

Wildnis und Wasser: Ein Nebenarm des Flüsschens Erft prägt große Teile der Landschaft auf der Museumsinsel Hombroich. Zu sehen ist ein Blick auf den Fluss.

Wildnis und Wasser: Ein Nebenarm des Flüsschens Erft prägt große Teile der Landschaft auf der Museumsinsel Hombroich.

Müllers Idee war, Natur und Kunst parallel zu präsentieren. Beides als Ausdruck und Ergebnis von Schöpfung. Dafür konnte er seine Düsseldorfer Künstlerfreunde, die Akademieprofessoren Erwin Heerich und Gotthard Graubner und den Beuys-Schüler, Aktionskünstler und Bildhauer Anatol begeistern.

Vielleicht ist die Insel nur zu erleben, nicht zu beschreiben. Karl Heinrich Müller, Gründer des Museums Insel Hombroich (1936-2007)

Alle drei verlegten ihr Atelier in Gebäude auf dem künftige Museumsgelände. Der Bildhauer Erwin Heerich entwarf die streng geometrisch gestalteten Ausstellungsgebäude, der Maler Gotthard Graubner schuf nicht nur die großformatigen abstrakten Bilder, die dort heute zu sehen sind, sondern beriet den Stifter Müller beim Aufbau seiner Kunstsammlung.

Und Anatol arbeitete in seinem Freiluft-Atelier vor seinem Holzhaus dort und war bis zu seinem Tod 2019 fast täglich für Museumsbesucher ansprechbar.

Museumsgründer mittlerweile alle verstorben

Inzwischen lebt keiner mehr vom Gründungsteam der Museumsinsel. Das Museum Insel Hombroich wird von der Stiftung Insel Hombroich verwaltet, in die Karl Heinrich Müller 1996 das Gelände, seinen Kunstbesitz und große Teile seines übrigen Vermögens einbrachte.

Antike asiatische Skulpturen und Bilder des Malers Gotthard Graubner.

Antike asiatische Skulpturen und Bilder des Malers Gotthard Graubner in einem Ausstellungsraum.

Sitz der Stiftung ist ein benachbartes ehemaliges Militärgelände, eine frühere NATO-Raketenstation, die Müller in den 90er Jahren ebenfalls erwarb, um sie in einen Ort der Kunst und der kreativen und intellektuellen Auseinandersetzung umzuwandeln.

Roland Nachtigäller leitet seit 2022 die Stiftung Insel Hombroich. Hier ist er im Porträt zu sehen.

Roland Nachtigäller leitet seit 2022 die Stiftung Insel Hombroich

Roland Nachtigäller, seit 2022 Geschäftsführer der Stiftung, ist stolz auf die internationale Ausstrahlung der Museumsinsel. "Wir landen bei Rankings internationaler Hochglanzmagazine immer wieder mal auf der Liste der schönsten Parks Europas oder sogar der Welt."

Große Sammlung an Kunst und Design

Das Museum ist so attraktiv, weil es wirklich viel zu sehen gibt: eine große Sammlung von Kunst und Design der europäischen Moderne des 20. Jahrhunderts, Werkgruppen von Müllers Künstlerfreunden Erwin Heerich, Gotthard Graubner und Anatol, aber auch antike Kunst aus China, Afrika und Lateinamerika, sowie archäologische und ethnologische Sammlungen.

Wo finden Sie sonst einen vergleichbaren Ort, wo Sie ohne Belehrung und Wegweiser und unbeobachtet herumstreifen können, als würden Sie ihrem eigenen Pfad folgen? Roland Nachtigäller, Geschäftsführer Stiftung Insel Hombroich

Sehenswert sind aber auch die von Erwin Heerich gestalteten Gebäude, die wie große Skulpturen in der Landschaft stehen. Und zwischen den Gebäuden immer wieder Natur: Wildblumenwiesen, Wasserläufe mit Schilf und Wasserpflanzen, kleine Wäldchen und ein Landschaftspark im englischen Stil mit alten Laubbäumen.

Skulpturen des Bildhauers und Aktionskünstlers Anatol (1931-2019) stehen auf den Wiesen rund um sein ehemaliges Atelier auf der Insel Hombroich.

Skulpturen des Bildhauers und Aktionskünstlers Anatol rund um sein ehemaliges Atelier auf der Insel Hombroich

Gerade weil das alles ein wenig wild aussieht, fasziniert es die Besucher. Der Gartengestalter Bernhard Korte, der die Gesamtanlage plante, schrieb: "Die Insel Hombroich wird gepflegt, als ob sie nicht gepflegt wird."

Freier Eintritt zum Jubiläumswochenende

Das Museum ist das ganze Jahr über täglich geöffnet, im Sommer von 10 bis 19 Uhr, im Winter von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet 25 Euro, ermäßigt 15 Euro. Im Preis enthalten ist der kostenfreie Besuch der Cafeteria in der Mitte des Geländes, wo es kalte und warme Getränke und ein kleines Café-Buffet gibt.

Am Jubiläumswochenende 20./21. Juni 2026 ist anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Insel Hombroich und der Wiedereröffnung des Zwölf-Räume-Hauses der Eintritt frei. Zum Festakt am Sonntag, den 21. Juni, werden unter anderem NRW-Kulturministerin Ina Brandes, Vertreter aus Politik und Verwaltung sowie zahlreiche Gäste aus dem Kulturbereich erwartet.

Mit der Fertigstellung des Zwölf-Räume-Hauses endet ein umfangreiches Sanierungsprogramm, das 2021 begonnen hatte. Für die Modernisierung wurden rund 21 Millionen Euro investiert. Finanziert wurde das Projekt durch die Stiftung Insel Hombroich, Fördermittel vom Land Nordrhein-Westfalen sowie Beiträge der Stadt Neuss und privater Unterstützer.

Unsere Quellen:

  • Roland Nachtigäller, Geschäftsführer Stiftung Insel Hombroich
  • Eindrücke des Reporters vor Ort

Sendung:WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Düsseldorf, 19.06.2026, 19:30 Uhr

Weitere Beiträge aus dem Rhein-Kreis Neuss

1 / 2