Ehrenamtliche Praxis behandelt Patienten in Not
WDR. 03:18 Min.. Verfügbar bis 15.05.2028.
Plötzlich steht der Praxisalltag still. Die Sorge um Menschen ohne Versicherung ruht kurz. Denn Patientin Mariama steht in der Tür. Mit ihren Zwillingen: Rahim und Rahaman. Gerade zwei Monate alt. "Besser kann's doch nicht gehen!", sagt die Gynäkologin Dr. Delia Streuter mit einem der Babys auf dem Arm.
Über Monate hatte sie Mariama betreut. Jetzt hat Mariama gesunde Kinder und ihr Aufenthaltsstatus klärt sich zurzeit. Sie braucht die Hilfe von den Maltesern bald nicht mehr.
Mehr als 350 Schwangere ohne Krankenversicherung 2025
Dr. Delia Streuter untersucht ehrenamtlich Schwangere ohne Krankenversicherung.
Streuter und ein Team aus Ehrenamtlichen betreuen montags bei der Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung in Duisburg Schwangere. Im letzten Jahr suchten 357 Frauen hier Hilfe.
Delia Streuter hatte lange eine Praxis in Essen. Seit zwei Jahren ist sie im Ruhestand, möchte aber trotzdem helfen.
"Wenn man weiß, dass es Menschen gibt, die nicht einfach so zum Arzt gehen können - wenn ich diesen Bedarf sehe, dann möchte ich da auch was tun!" Dr. Delia Streuter, Gynäkologin
Viele Gründe für fehlende Krankenversicherung
Dr. Anne Rauhut
Aus dem ganzen Ruhrgebiet kommen werdende Mütter ohne legalen Aufenthaltsstatus, sagt Dr. Anne Rauhut. Sie hat die Ambulanz aufgebaut. Es könne aber ganz unterschiedliche Gründe haben, warum Menschen keine Krankenversicherung haben.
"Zunehmend kommen auch deutsche Patienten, die nicht mehr im System sind. Etwa Menschen, die aus der Selbständigkeit in die Arbeitslosigkeit kommen und sich die Versicherung nicht mehr leisten können." Dr. Anne Rauhut, Ärztin in der Malteser Praxis
Welches Krankenhaus hilft?
Delia Streuter behandelt eine Patientin, die früher bereits ein Kind verlor und an der Gebärmutter operiert wurde. Sie wird einen Kaiserschnitt brauchen. Dafür muss Streuter eine Klinik finden, "die bereit ist, sich die Patientin auch vorher anzugucken und diese Frage, wer das nachher bezahlt und wie die Kostenträger sind, erstmal hintenanstellt". Das bedeutet viele Telefonate - nach der Sprechstunde.
Städte wünschen sich den Ausbau der "Clearingstellen"
Die Malteser arbeiten auch mit einer "Clearingstelle" zusammen. Sie hilft, Patientinnen zu prüfen, ob sie nicht doch versichert sind. Auf WDR-Anfrage betonen auch die Städte Duisburg, Essen und Dortmund die Wichtigkeit dieser Clearingstellen - und dass sie sich einen Ausbau dieser Stellen wünschen. Und: Der Bund sollte sicherstellen, dass alle Menschen medizinische Hilfe bekommen zum Beispiel über einen Fonds.
Auch die Malteser sagen: Sie helfen sehr gerne. Aber: "Das Hauptziel ist natürlich das Recht auf eine Gesundheitsversorgung", so Anne Rauhut. Und Delia Streuter ergänzt: "Es wäre schon toll, wenn es uns nicht mehr geben müsste."
Unsere Quellen:
- Interviews in der Malteser-Ambulanz für Menschen ohne Krankenversicherung in Duisburg
- Anfrage Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen
- Anfragen an die Städte Duisburg, Essen und Dortmund
Sendung: WDR.de, Ehrenamtliche Praxis behandelt Patienten in Not, 19.05.2026, 05:30 Uhr
