Viele Hitze-Patienten in der Notaufnahme
WDR. 01:31 Min.. Verfügbar bis 11.03.2028. Von Lorek, Kirsten.
Es war ein turbulentes Wochenende für Lars Herda. Er ist Chefarzt und Leiter von gleich zwei Notaufnahmen in Münster.
Lars Herda ist Chefarzt und leitet zwei Notaufnahmen in Münster.
Für ihn überraschend: 15 Prozent aller am Wochenende behandelten Patienten waren wegen der hohen Temperaturen hier - jetzt schon, obwohl die richtig große Hitze ja erst noch kommen soll: "Viele Menschen hatten einen Sonnenstich, die kamen mit Übelkeit und Kopfschmerzen zu uns. Einige hatten sogar einen Hitzschlag, das ist dann schon ein echter Notfall."
Ein Hitzschlag kann lebensbedrohlich sein
Bei einem Hitzschlag kommt der Körper nicht mehr mit der Wärmeregulierung klar und überhitzt. Das kann lebensbedrohlich werden. Zum Glück war das aber noch die Ausnahme.
Viele Patienten hatten zu viel Alkohol getrunken und deshalb bei der Hitze Probleme mit ihrem Kreislauf bekommen. Einige hatten sich auch Verbrennungen zugezogen - am Grill.
Viele Patienten trinken zu wenig
In der Krankenhaus-Zufahrt steht ein Rettungswagen des Deutschen Roten Kreuzes. Die DRK-Besatzung ist gerade dabei, ihn gründlich zu desinfizieren. Das muss nach jeder Krankenfahrt gemacht werden.
Während der heißen Tage haben die Notfallsanitäterinnen und -sanitäter oft mit Patienten zu tun, die unter der Hitze leiden. "Das liegt daran, dass man bei Hitze sehr viel Flüssigkeitsverlust hat. Man schwitzt ja stark", erzählt Notfallsanitäterin Isabell Knoblich.
"Viele von ihnen sind regelrecht ausgetrocknet." Isabell Knoblich, Notfallsanitäterin
Die Notfallsanitäter fahren gerade besonders häufig zu Hitze-Patienten.
Was der Körper durchs Schwitzen verliert, muss wieder aufgefüllt werden.
Hitze ist auch in Pflege-Einrichtungen Thema
Vor allem ältere Menschen vergessen offenbar, an heißen Tagen mehr zu trinken. Das ist auch im Haus Benteler, einer Tagespflege-Einrichtung in Münster, ein Dauerthema.
Bei Hitze sollten alle Menschen ein Glas Wasser mehr trinken.
Die Mitarbeitenden hier sind dauernd damit beschäftigt, ihren Gästen Wasser anzubieten, doch das ist nicht immer einfach: "Menschen haben lebenslange Gewohnheiten. Dazu zählt auch die Menge, die sie trinken. Und von diesen Gewohnheiten rücken sie nicht einfach ab, sie trinken dann oft eben nicht mehr", erzählt Leiterin Patricia Schanzer-Pohl.
Mehr in den Hitzeschutz investieren
Verdi und Diakonie fordern besseren Hitzeschutz für Altenheime.
Wie viele andere Altenpflege-Einrichtungen hat auch das Haus Benteler in Münster keine Klimaananlage. Das ist ein Problem und in der stationären Altenpflege ein noch drängenderes: Organisationen wie die Diakonie oder die Gewerkschaft Verdi fordern daher von der Landesregierung zum wiederholten Mal, dass mehr in den Hitzeschutz investiert wird.
Vielen Einrichtungen fehlen die finanziellen Möglichkeiten, ihre Gebäude an die Folgen des Klimawandels anzupassen.
Tagespflege ganz schließen?
Patricia Schanzer-Pohl und ihre Kolleginnen haben am Morgen jedenfalls gut gelüftet und dann überall die Fenster geschlossen, um die Hitze auszusperren.
Als es neulich so richtig heiß war, haben sie sogar darüber nachgedacht, die Tagespflege kurzfristig ganz zu schließen. Sie haben es dann aber doch nicht übers Herz gebracht - manche der alten Leute wären dann tagsüber allein.
Hitze raubt so manchem den Schlaf
Jetzt sitzen sie im Garten, an der einzigen Stelle, die etwas Schatten spendet. Sie plaudern miteinander, die Füße ruhen ausgestreckt auf Schemeln: "Mir macht die Hitze nichts aus," erzählt Gisela Ostendorf: "Ich trinke viel und halte mich nach Möglichkeit im Schatten auf."
Ganz anders sieht das ihre Nachbarin Maria Bröker: "Ich komme überhaupt nicht mit der Hitze klar," sagt sie: "Ich kann nicht schlafen, ich bin morgens wie gerädert. Entweder man steht unter der Dusche oder man ist vom Schweiß nass."
Aber - und da sind die Damen und die übrigen Gäste von Haus Benteler ganz vorbildlich - jede hat ein Glas Wasser in der Hand und trinkt daraus. Die einen mehr, die anderen weniger. Und so muss von ihnen jedenfalls niemand in die Notaufnahme eines Krankenhauses.
Unsere Quellen:
- Raphaelsklinik/Clemenshospital
- Haus Benteler
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 22.06.2026, 19.30 Uhr.
