Heute geht es mit den hohen Temperaturen weiter. In NRW werden bis zu 38 Grad erwartet, morgen bis zu 39 Grad. Städte können sich besonders aufheizen. Hier sind Tipps, wie es euch mit der Hitze etwas besser gehen könnte - und warum Hitze den Körper so fordert.
Viel Flüssigkeitsverlust bei Hitze
Um möglichst viel Wärme abzugeben, weiten sich die Blutgefäße. Dadurch sinkt auch der Blutdruck. Gleichzeitig wird Wasser über die Schweißdrüsen aus dem Körper gepumpt - bis zu einem halben Liter pro Stunde geben wir über die Haut ab.
Durch den verdunstenden Schweiß auf der Haut kühlt der Körper ab. Das kostet Energie und ist für den Kreislauf ziemlich anstrengend. Weil der Körper durch das Schwitzen Flüssigkeit und wichtige Elektrolyte wie Natrium verliert, stellt sich ein Durstgefühl ein.
Trinken bevor der Durst kommt - am besten ein Glas stündlich
Das Durstgefühl setzt aber erst ein, wenn man bereits zu viel Flüssigkeit verloren hat. Soweit lässt man es besser nicht kommen. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit empfiehlt, bei Hitze über den Tag verteilt zwei bis drei Liter Flüssigkeit zu trinken - vorzugsweise Wasser und gekühlte Tees ohne Zuckerzusatz. Ein Glas stündlich sollte jede und jeden ohne Durst durch den Tag bringen.
Wichtig ist, dass die Getränke nicht zu kalt sind, dass man Alkohol meidet und den Koffein- und Zuckerkonsum einschränkt. Zuckerhaltige Getränke entziehen dem Körper Flüssigkeit, alkohol- oder koffeinhaltige Getränke belasten den Kreislauf zusätzlich zur Hitze.
Um eine Elektrolytstörung zu vermeiden, die zu Müdigkeit, im Extremfall auch Verwirrtheit führen kann, rät das Bundesinstitut zu normal gesalzenen Speisen und ausreichend Wasser - dies sei für den Ausgleich des Natriumverlusts und damit die Regulation des Wasserhaushalts essenziell.
Besondere Belastung bei hoher Luftfeuchtigkeit
Besonders anstrengend wird es für den Körper, wenn die gefühlte Temperatur zu hoch wird. Die gefühlte Temperatur hängt vor allem von der Luftfeuchtigkeit ab. Wenn etwa 60 Prozent Luftfeuchtigkeit und 40 Grad Umgebungstemperatur erreicht sind, nimmt die Leistungsfähigkeit rapide ab. Das kann zu Schwindel, Kopfschmerzen und Konzentrationsproblemen führen.
Hitze trifft nicht alle gleich
Besonders von den körperlichen Symptomen betroffen sind ältere Menschen und Personen mit chronischen Vorerkrankungen. Hält die Hitze über mehrere Tage an, können auch Jüngere an ihre Grenzen kommen. Wie wir mit Hitze umgehen, ist für Soziologin Elena Beregow auch eine Frage des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Sie forscht an der Universität Duisburg-Essen zum Schwitzen aus soziologischer Sicht.
Also vielleicht müssen wir lernen, den Schweiß auch mehr zu lieben. Elena Beregow, Soziologin an der Universität Duisburg-Essen
Gerade erleben wir Schweiß oft noch als etwas Negatives, als Verlust von Kontrolle. Beim Sport zum Beispiel sei das Schwitzen aber oft auch ein Leistungsnachweis, etwas Positives. Für Beregow ist klar: Das Schwitzen wird stärker ins Zentrum unseres Alltags rücken - auch wegen der Klimakrise, durch die es immer mehr Hitzetage gibt.
"Teilweise wird da auch das Nicht-Mehr-Schwitzen-Können zum Problem", sagt sie. Denn gerade, wenn Hitze in Verbindung mit hoher Luftfeuchtigkeit auftritt, könne Schweiß nicht mehr verdunsten und die Kühlfunktion des Körpers breche damit zusammen. "Das schafft natürlich neue Verletzlichkeiten für bestimmte Gruppen, also besonders ältere und alleinstehende Menschen. Menschen, die draußen auf Baustellen arbeiten oder für Lieferdienste." Da müssten Arbeitgeber und Politik handeln und zum Beispiel Kühlräume und -westen für Menschen, die draußen arbeiten, bereitstellen.
Gesundheitsbelastung durch steigende Ozonwerte
Mit den Temperaturen steigen auch die Ozonwerte und es gilt umso mehr, es ruhig angehen zu lassen. Anstrengendere Aktivitäten im Freien sollten auf den Vormittag oder den späten Abend verlegt werden. Menschen, die empfindlich auf Ozon reagieren, rät das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima von Anstrengungen im Freien ab.
Eine hohe Lufttemperatur mit intensiver Sonneneinstrahlung begünstigt die Bildung von Ozon in Bodennähe, erklärt das Umweltbundesamt. Je nach Aufenthaltsdauer in der ozonbelasteten Luft könne dieses Reizgas den Menschen belasten. Mögliche Atemwegsbeschwerden und Kopfschmerzen treten demnach in der Regel nur vorübergehend auf, aber bei einer höheren körperlichen Anstrengung in ozonbelasteter Luft sei es eben auch möglich, dass "Ozon tief in das Lungengewebe vordringen, dort das Gewebe schädigen und Entzündungen hervorrufen" kann, warnt die Behörde.
Eisdiele oder Freibad statt Sport im Freien
Alles in allem ist es an besonders heißen Tagen also keine schlechte Idee, sein Sportprogramm oder auch die harte Gartenarbeit zu verschieben und sich ein schattiges Plätzchen zu suchen. Eisdielen und Freibäder stellen sich gerade schon auf viele Kunden ein, aber man kann es sich natürlich auch in seinen eigenen, gut gekühlten vier Wänden gut gehen lassen - wahlweise mit einem kühlen Tuch im Nacken oder einem Minztee in der Hand, mit runtergelassenen Jalousien oder vor dem Ventilator sitzend.
Und wenn wie zurzeit Schlaflosigkeit in einer tropischen Nacht droht, dann lässt sich auch dagegen etwas unternehmen. Zum Zudecken reicht ein Leinentuch und eine Wärmflasche lässt sich auch mit kaltem Wasser füllen. Mit kühlen Tüchern auf Stirn, Unterschenkeln oder Unterarmen kann man dem Körper zudem Wärme entziehen. Und wer es ganz kühl mag, kann sein möglichst aus Naturfasern gefertigtes Schlaf-Outfit oder sein Bettlaken vor dem Schlafen ins Eisfach legen - in einer Kunststofftüte versteht sich. So geht es nach einem heißen Tag gut gekühlt ins Bett.
Unsere Quellen:
- Quarks
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit
- Umweltbundesamt
- KLUG - Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V.
- Nachrichtenagentur dpa
- Elena Beregow, Soziologin an der Universität Duisburg-Essen