Bei der NASA-Mission Artemis 2 sind erstmals nach fast 55 Jahren wieder Menschen zum Mond geflogen. Die vier Astronauten an Bord der Orion-Raumkapsel haben den Mond inzwischen umrundet und befinden sich auf dem Rückweg zur Erde. Das begeistert gerade viele Menschen in NRW, die die Mission gespannt mitverfolgen.
Thilo Elsner, Leiter der Sternwarte Bochum
Das ist beispielsweise in einem YouTube-Livestream möglich - und dieser läuft zurzeit "wie geschnitten Brot", sagt Thilo Elsner, Leiter der Sternwarte in Bochum. Auch auf der Sternwarte gebe es schon seit Längerem einen verstärkten Besucherstrom.
"Diese Welle läuft seit Anfang des Jahres und dann gab es vor Ostern so ein bisschen den Hype." Thilo Elsner, Leiter der Sternwarte in Bochum
Kontrollraum der Sternwarte in Bochum
Elsner berichtet, dass auch viele anrufen und fragen, wann sie denn vorbei kommen könnten. Denn die Sternwarte empfängt im Kontrollraum Ton-Signale von der Artemis-Mission. In diesen Ton-Signalen stecken verschlüsselte Daten, die jedoch in Bochum nicht ausgelesen werden können - dazu werden sie an die NASA weitergeleitet.
Doch die Uhrzeit, zu der die Signale empfangen werden, ist nicht besucherfreundlich, denn die Signale seien für Bochum nur etwa zwischen 01.30 Uhr bis morgens um 07.30 Uhr empfangsbereit. Da könne man keine Veranstaltungen für Besucher durchführen, sagt Elsner.
Artemis-Mission: Einmal zum Mond und zurück
Nach der ersten Annäherung an den Mond seit mehr als 50 Jahren ist die Crew der Artemis 2 wieder auf der Erde gelandet. Impressionen einer außergewöhnlichen Dienstreise.
Rund 400 Luft- und Raumfahrtunternehmen in NRW
Die Begeisterung ist groß. Doch vielen ist wahrscheinlich gar nicht klar, welchen Anteil NRW an der Mondmission hat. Innerhalb Deutschlands ist Nordrhein-Westfalen ein bedeutender Standort für Luft- und Raumfahrt. Insgesamt prägen hier rund 400 Unternehmen die Branche, schreibt der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie.
Dazu zählen unter anderem das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Europäische Astronautenzentrum EAC, das Weltraumkommando der Bundeswehr und zahlreiche Raumfahrt-Zulieferungsunternehmen.
Im DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin in Köln wurden Strahlungsmessgeräte (Dosimeter) entwickelt – eine moderne Messtechnik, mit der die Strahlung zwischen Erde und Mond erfasst werden soll. Diese sind entscheidend, um den Gesundheitsschutz der Astronauten bei künftigen Mondmissionen zu gewährleisten. Außerdem sind die Daten wichtig, um die Auswirkungen galaktischer kosmischer Strahlung auf den Menschen zu verstehen und Schutzmaßnahmen für Langzeitmissionen und eine permanente Mondbasis zu entwickeln.
LUNA Halle
Darüber hinaus wurde im September 2024 in Köln die LUNA-Halle eröffnet - die weltweit einzige simulierte Mondoberfläche, auf der Astronauten unter realistischen Bedingungen trainieren können. Die Anlage ist ein gemeinsames Projekt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Europäischen Weltraumorganisation ESA.
Auch das DLR in Bonn ist an der Artemis-2-Mondmission beteiligt. Die Deutsche Raumfahrtagentur schickt einen kleinen Satelliten zum Mond. Dort sollen elektrische Bauteile getestet werden, die bei künftigen Fahrzeugen auf der Mondoberfläche eingesetzt werden könnten.
Das Weltraumkommando der Bundeswehr ist in Uedem nahe der niederländischen Grenze stationiert. Durch dieses Weltraumkommando soll Deutschlands Handlungsfähigkeit im Weltraum deutlich gestärkt werden.
Auch viele Raumfahrt-Zulieferungsunternehmen in NRW
Raumfahrt-Zulieferungsunternehmen gibt es viele in NRW - eines davon ist beispielsweise Thyssenkrupp. Hier wird ein Hightech-Elektroband produziert, das Bestandteil des Motors in einem neuen Gesteinsbohrer ist, der auf dem Mond eingesetzt werden und dort Forschungsarbeiten unterstützen soll.
Thyssenkrupp Aerospace in Essen ist außerdem an der Entwicklung der Schwerlastrakete Ariane 6 beteiligt. Eine solche Trägerrakete ermöglicht es, schwere Nutzlasten in die Erdumlaufbahn zu bringen, wie beispielsweise Satelliten. Thyssenkrupp Aerospace hat hier unter anderem die Aluminium-Platten für ein Schubgerüst am oberen Ende der Rakete geliefert.
Produktion von Satelliten
Das Rheinmetall-Werk in Neuss
Auch Satelliten werden von Unternehmen in NRW produziert. Der Rüstungshersteller Rheinmetall baut derzeit in Neuss eine Satellitenproduktion auf. Die dort hergestellten SAR-Satelliten bieten gegenüber herkömmlichen Satelliten den Vorteil, dass sie unabhängig von Wetterbedingungen oder Tageszeit hochauflösende Bilder erzeugen können.
Die Firma Vertex in Duisburg arbeitet gerade an fünf riesigen Satellitenantennen, die später in unterschiedlichen Ländern auf der Welt aufgebaut werden. Damit tragen auch sie ihren Teil dazu bei, wenn die NASA im Jahr 2027 wieder Astronauten zum Mond schickt. Denn nur durch diese Satellitenantennen ist die Kommunikation trotz Erdkrümmung- und Erdrotation jederzeit möglich. Außerdem baut Vertex auch Teleskope, die Aufnahmen aus dem Weltall in Millionen Lichtjahren Entfernung liefern.
"Ohne Deutschland fliegen die Amerikaner nicht zum Mond"
Doch nicht nur NRW, sondern ganz Deutschland spielt eine entscheidende Rolle bei der Mondmission. Die Antriebs- und Versorgungseinheit der Crewkapsel, das sogenannte European Service Module (ESM), wurde in Bremen entwickelt und montiert. Diese Kapsel wird in Europa gefertigt und Deutschland hat hier einen Anteil von über 50 Prozent, sagt Walter Petzer von der Deutschen Raumfahrtagentur in der Aktuellen Stunde im WDR-Fernsehen.
"Und deswegen kann man sagen, ohne Deutschland fliegen die Amerikaner nicht zum Mond." Walter Petzer von der Deutschen Raumfahrtagentur
Hier sitzt das Haupttriebwerk für den Anflug zum Mond. Vier Solarpaneele liefern den Strom für das Raumschiff. Die ESM-Klimasysteme regulieren die Temperatur für Crew und Fracht. Außerdem lagern im ESM der Treibstoff sowie die Sauerstoff- und Wasservorräte für die Besatzung.
Unsere Quellen:
- Interview mit Thilo Elsner, Leiter der Sternwarte in Bochum
- Interview mit Walter Petzer von der Deutschen Raumfahrtagentur
- Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie
- Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
- Thyssenkrupp
- Rheinmetall
Sendung: WDR.de, "Wie viel NRW steckt in der Mondmission?", 09.04.2026, 20:42 Uhr
