Drogenpolitik Köln: Kritik, Personalnot, Crack

WDR 04:21 Min. Verfügbar bis 19.06.2028

Kölner Drogenszene Personalnot in der Suchthilfe

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Crack und Personalnot belasten Kölns Drogenszene. Räume schließen, neue Zentren sind umstritten. Wie beherrschbar ist die Lage?

An der KVB Haltestelle Hansaring in der Kölner Innenstadt sitzen zwei Männer auf dem Boden und rauchen Crack. Unmittelbar daneben steigt eine Frau mit ihrem Kinderwagen in den Aufzug, der Richtung Bahngleise fährt. Hier steht auch Nicole, die seit 30 Jahren in der Drogenszene unterwegs ist. Sie sagt, dass die Szene mittlerweile auch hier am Hansaring angekommen sei. Die Polizeipräsenz am Neumarkt verdränge die Betroffenen immer weiter.  

Kölns Sozialdezernent warnt: "Vertreibung alleine löst das Problem nicht"

Der Kölner Sozialdezernent Harald Rau spricht in dem Zusammenhang nicht von Verdrängung, sondern drückt es schärfer aus. Das sei eine Vertreibung, weg vom Neumarkt mitten in der City hin zu anderen Orten.

Das haben er und andere Experten auch vorhergesagt. Er setze auf die in der Stadt geplanten Suchthilfezentren und zusätzlich auf Wohnraum für odachlose und abhängige Menschen.

Drogenkonsumraum in Köln-Kalk läuft schleppend an

Im neu geschaffenenen Drogenkonsumraum in Kalk im rechtsrheinischen Köln ist die Nachfrage eher schwach. Seit der Eröffnung Ende Mai kamen in der ersten Woche 24, in der zweiten 25 und in der vergangenen dritten Woche 41 Besucherinnen und Besucher, um dort zu konsumieren. Dabei wäre dort Platz für viel mehr Menschen.

Das überrascht den Kölner Sozialdezernent Harald Rau nicht. Dass Menschen aus dem Linksrheinischen die Fahrt auf die andere Rheinseite meiden, sei keine Überraschung. Der neue Raum in Kalk benötige eine gewisse Anlaufzeit.

Pflegenotstand in Köln trifft auch die Drogenhilfe

Und das, obwohl sich die Situation linksrheinisch zugespitzt hat, seitdem der Drogenkonsumraum dort nicht nur am Sonntag, sondern nun auch samstags geschlossen ist. Der Personalmangel sei schuld, sagt Rau, das sei dem Pflegenotstand geschuldet. Am Neumarkt hatten mehrere Mitarbeiter gekündigt, deshalb ist der Raum am Wochenende erst mal geschlossen.

"Wir sind gerade mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln dabei, neues Personal für den Drogenkonsumraum zu finden." Harald Rau, Kölner Sozialdezernent

Dass der Drogenkonsumraum am Neumarkt am Wochenende geschlossen sei, sei ein vorübergehender Zustand, fügt er hinzu.

Zu wenig Personal: Risiko für Suchthilfezentrum im Pantaleonsviertel

In Köln soll im Pantaleonsviertel, in unmittelbarer Nähe zum Neumarkt, ein großes Suchthilfezentrum entstehen. Eine Interessengemeinschaft steht der Planung kritisch gegenüber. Sollte es dort dann auch Personalnotstand geben, wäre das ein GAU, sagt der Sprecher der Interessengemeinschaft Pantaleonsviertel, Andreas Zittlau.

Bahnstation Kölner Neumarkt

Der Kölner Neumarkt ist seit Jahren Hotspot der Drogenszene.

"Es ist ohnehin ein großes Experiment, wo nichts schiefgehen darf. Wenn dann Fachpersonal fehlt und der 24/7 Betrieb nicht aufrechterhalten werden kann, sind die Suchtkranken vor dem Zentrum, sind im Wohnviertel unterwegs. Das wäre der GAU und wir sehen, wie schnell das passieren kann", sagt er.

CDU: Drogenpolitische Bilanz in Köln ist verheerend

Auch die CDU kritisiert die Kölner Drogenpolitik. Der gesundheitspolitische Sprecher der Kölner CDU-Fraktion, Yohannes Alexander, spricht von einer verheerenden Bilanz. So sei die Politik über die eingeschränkten Öffnungszeiten am Neumarkt erst im Nachhinein informiert worden. Grundsätzlich schwäche das das Vertrauen der Bürger auch im Hinblick auf das Projekt Suchthilfezentrum Pantaleonsviertel.

"Dass wir das Drogenproblem ausgerottet kriegen, fürchte ich, wird uns nicht gelingen." Harald Rau

Kölner Drogensituation überhaupt noch beherrschbar?

Angesprochen auf die vielen Probleme in der Drogenszene ist Sozialdezernent Rau ein Punkt sehr wichtig. Die Drogenkriminalität nehme immer mehr zu und sei schwer beherrschbar. Deswegen blickt Rau auch nach Berlin. Es müsse Gesetze geben, die Crack aus der Illegalität holten, um die Substanzen dann geordnet von offiziellen Stellen abgeben zu können. "Dass wir das Drogenproblem ausgerottet kriegen, fürchte ich, wird uns nicht gelingen."

"Das Problem auszurotten wird uns wohl nicht gelingen"

WDR 19.06.2026 00:48 Min. Verfügbar bis 19.06.2028 WDR Online

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Unsere Quelle:

  • Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
  • Kölner Sozialdezernent Harald Rau
  • Andreas Zittlau, Sprecher der Interessengemeinschaft Pantaleonsviertel
  • Yohannes Alexander, CDU-Fraktion

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Köln, 19.06.2026, 19.30 Uhr

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