Kölner Drogenszene zieht ins Belgische Viertel
WDR. 02:31 Min.. Verfügbar bis 19.05.2028.
Im Belgischen Viertel in der Kölner Innenstadt wächst die Verzweiflung. Anwohnerinnen, Anwohner und Gewerbetreibende aus der Limburger Straße machen auf die zunehmenden Probleme aufmerksam.
Konkret geht es um die immer größer werdende, offene Drogenszene in ihrem Viertel. Sie klagen über aggressives Verhalten, offenen Crack-Konsum und über die Vermüllung. Das Unsicherheitsgefühl werde immer größer, sagt Kerstin Seybold. Sie hat einen Friseursalon auf der Limburger Straße.
"Es ist bei uns ganz klar Angst. Meine Mitarbeiterin steigt morgens bereits einige U-Bahn-Stationen früher aus, damit sie nicht am Friesenplatz im Belgischen Viertel aussteigen muss", berichtet sie.
"Grundsätzlich haben wir Angst, dass Junkies zu uns in den Laden kommen und uns bedrohen.“ Kerstin Seybold, Betreiberin eines Friseursalons
Salon-Besitzerin Kerstin Seybold sagt, Mitarbeiter und Kunden hätten vermehrt Angst im Viertel
Nach Angaben der Anwohner und Gewerbetreibenden hätten sich Dealer und Konsumenten in den vergangenen Monaten verstärkt im Belgischen Viertel aufgehalten, auch in unmittelbarer Nähe von Cafés, Geschäften und Wohnhäusern. Immer wieder würden Kunden, Passanten und auch Kinder bedrängt oder eingeschüchtert.
"Immer wieder wird unser Laden belagert. Wir rufen dann die Polizei, damit unsere Kunden den Laden sicher verlassen können. Wenn wir den Drogenabhängigen sagen, sie sollen weitergehen, werden sie aggressiv", erzählt Kerstin Seybold.
Szene verlagert sich aus bekannten Brennpunkten
Hintergrund der Entwicklung ist nach Einschätzung der Anwohner im Belgischen Viertel eine Verdrängungsmaßnahme. Von bekannten Treffpunkten wie dem Neumarkt oder dem Ebertplatz hin in angrenzende Wohnviertel wie dem Belgischen Viertel. Bernd Steiner hat einen Blumenladen in der Limburger Straße. Er sei morgens erstmal damit beschäftigt, die Spuren der Drogenszene aus der Nacht zu beseitigen.
"Mein Morgen beginnt damit, dass ich erstmal, die Menschen wecke, die in unserem Hausflur geschlafen haben. Im Anschluss schrubbe ich den Boden, räume den Müll weg. Das dauert eine weitere halbe Stunde", berichtet Bernd Steiner.
Bernd Steiner belastet die mit der Drogenszene einhergehende Verschmutzung.
Belgisches Viertel: Anwohner fordern Lösungen statt Verdrängung
Die Betroffenen betonen nach eigenen Angaben, dass sie nicht pauschal gegen Obdachlose oder suchtkranke Menschen protestieren wollen. Vielmehr gehe es darum, endlich tragfähige Lösungen für alle Beteiligten zu finden. Sie fordern die Stadt Köln auf, für Räumlichkeiten zu sorgen, in denen die Suchtkranken kontrolliert Drogen nehmen können.
Friesenplatz in Köln: Ordnungsamt verstärkt Präsenz
Die Kölner Stadtverwaltung teilt auf Anfrage mit, dass sie in den vergangenen Wochen eine gewachsene Szene von suchtkranken Personen rund um den Friesenplatz registriert hat. Dieser liegt unmittelbar an der Limburger Straße der betroffenen Anwohner und Gewerbetreibenden. Aufgrund der massiven Beschwerdelage wird die Präsenz des Ordnungsamtes am Friesenplatz und in dessen Umgebung deutlich verstärkt, verspricht die Stadt in ihrer Stellungnahme an den WDR.
Unsere Quellen:
- Anwohner Limburger Straße
- Stadt Köln
- Reporter vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Köln, 19.05.2026, 18.09 Uhr
Erstveröffentlichung des Artikels am 19.05.2026
