Siegburg-Attentäter: Polizei hatte Hinweise | Aktuelle Stunde
Aktuelle Stunde . 25.05.2026. 43:32 Min.. UT. Verfügbar bis 25.05.2028. WDR. Von Diana Ahrabian.
Die Tat hatte sich Anfang April in einem ICE ereignet. Ein 20-jähriger Deutscher hatte in dem Zug nach Frankfurt/Main mehrere Sprengkörper gezündet. Dabei wurden zwölf Menschen leicht verletzt. Der Mann wurde am Bahnhof Siegburg festgenommen und sitzt nun in Untersuchungshaft.
Jetzt wurde bekannt, dass die Polizei in NRW den mutmaßlichen Attentäter bereits vor der Tat auf dem Schirm hatte. Er wurde 2024 erstmals als mögliche Risikoperson im landeseigenen Programm "Periskop" überprüft. Das Programm soll durch die Vernetzung von Polizei, Schulen, Gesundheitsämtern und psychiatrischen Einrichtungen potentielle Gewalttäter in NRW frühzeitig erkennen.
2025 wurde der Mann erneut überprüft. Ein Ergebnis gab es bis zu dem Vorfall im Zug Anfang April 2026 aber nicht. Das geht aus einem noch unveröffentlichten Papier des Innenministeriums für den Landtag hervor.
Was das Programm "Periskop" bringen soll und welche Kritik es daran gibt, liest du hier:
Innenminister Reul über den Attentäter
Laut dem Schreiben hatte der 20-Jährige am 2. April "nach vorheriger Versendung eines selbst verfassten Manifests an diverse Empfänger zwei Sprengkörper in den Wagen 23 des ICE geworfen". Ein Fahrgast habe den Mann mit Hilfe eines Bahn-Mitarbeiters daraufhin in der Toilette eingeschlossen.
Der Beschuldigte habe unter anderem "ein Messer mit sich geführt, welches er im Anschluss an den Einsatz der Sprengkörper gegen Personen in dem Zug in Tötungsabsicht habe einsetzen wollen", so Innenminister Herbert Reul (CDU) in dem Papier.
Einstufung als Gefährder erfolgte nicht
Reul listet dort mehrere Fälle auf, wegen der der Verdächtige bereits polizeibekannt gewesen sei: Diebstahl, Schwarzfahren, Bedrohung, Vortäuschen von Straftaten, Betrug und Störung des öffentlichen Friedens durch Androhen von Straftaten.
Der Tatverdächtige sei in der Vergangenheit auch "Gegenstand eines polizeilichen Prüffalls im Phänomenbereich der Politisch motivierten Kriminalität-Rechts" gewesen, so Reul. Es hätten sich beim ersten Mal aber "keine belastbaren Hinweise" ergeben:
"Eine Einstufung als Gefährder oder die Vergabe eines sonstigen besonderen polizeilichen Status erfolgte nicht." Herbert Reul (CDU), NRW-Innenminister
Auch das "Periskop"-Programm erbrachte demnach zunächst kein Ergebnis. "Nach einer weiteren Tat im Jahr 2025 wurde das Prüfverfahren erneut aufgenommen", so Reul. Das mutmaßliche Attentat im ICE ließ sich offenbar trotzdem nicht verhindern.
Innenminister Reul: "Programm hat funktioniert"
"Da kann die Polizei nichts machen": Innennminister Reul
Ein Versagen des Programms sieht Reul aber nicht: "Periskop" habe ja funktioniert, erklärte er am Montag auf WDR-Anfrage. "Wir haben gemerkt, dieser Typ könnte ein Problem sein." Man habe sich deshalb den Fall mehrmals "angeguckt", sei aber jedes Mal in der Bewertung zu dem Ergebnis gekommen, "es reicht nicht aus, der Mann ist keine Gefahr".
Diese Entscheidung treffe die Polizei nicht alleine, sondern in Absprache mit anderen Fachleuten - Jugendämtern, Psychiatrien. "Wenn der Fachverstand sagt, da besteht keine Gefahr, dann kann die Polizei nichts machen", sagte Reul.
Er sehe auch keine Möglichkeit, das Programm zu verbessern: Dazu müsse es möglich sein, Daten verschiedener Institutionen miteinander abzugleichen. "Da kommen wir an Grundsatzprobleme, die diese Gesellschaft und der Staat nicht wollen."
Unklarheit über Motiv
Inzwischen wurde der mutmaßliche Attentäter als Risikoperson eingestuft. Allerdings ist unklar, ob die Taten politisch motiviert sind. Bei den Ermittlungen fand man Nazi-Literatur, religiöse Schriften sowie wirre Manifeste aus dem Internet.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagentur dpa
- Interview mit Innenminister Herbert Reul (CDU)
- vorherige WDR-Berichterstattung
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