Der Verdächtige hatte offenbar kurz vor der Tat eine E‑Mail an verschiedene Medienhäuser geschickt. Nur Minuten später ging der Notruf ein. Der Mann wurde am Bahnhof Siegburg festgenommen. Ein Ermittlungsrichter ordnete Untersuchungshaft wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung an. Das Motiv ist noch unklar – die Ermittler prüfen Hinweise auf eine rechte Gesinnung und eine mögliche psychische Erkrankung.
Reisende hatten während der ICE-Fahrt den Notruf gewählt, nachdem ein vermummter Mann gegen 21 Uhr zwei pyrotechnische Gegenstände in dem Zug entzündet hatte. Den Angaben zufolge handelte es sich um einen 20-jährigen Deutschen aus Aachen. Bei seiner Durchsuchung seien eine Maske, zwei Messer und zwei frei verkäufliche Rauchkörper gefunden worden.
Den Beamten gegenüber soll der Mann laut WDR-Informationen geäußert haben, dass er vorgehabt hatte, einen Anschlag zu begehen. Nach dem Zünden der Pyrotechnik schlossen Passagiere ihn auf einer Zugtoilette ein. Zunächst hatte es geheißen, er habe sich dort verschanzt. Der Mann befindet sich nun in polizeilichem Gewahrsam.
Haftbefehl wegen Verdachts auf versuchten Mord
Der Staatsschutz der Polizei Bonn hat die Ermittlungen in enger Abstimmung mit der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf übernommen. Auf Antrag der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf wurde der 20-jährige Beschuldigte am Karfreitag dem Ermittlungsrichter in Aachen vorgeführt.
Dieser hat antragsgemäß einen Haftbefehl wegen des Verdachts des versuchten Mordes, der gefährlichen Körperverletzung und von Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz gegen den Beschuldigten erlassen.
Im vergangenen Dezember war er wegen Betrugs mit Internetbestellungen verurteilt worden, sagt die Aachener Staatsanwaltschaft auf Nachfrage.
Das genaue Motiv ist noch unklar, eine politische Motivation kann von Ermittlern derzeit nicht ausgeschlossen werden. Laut der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf gehört der Mann dem rechten politischen Spektrum an.
Mindestens zwölf Reisende nach ICE-Vorfall bei Siegburg verletzt
Die ICE wurde nach dem Vorfall in Siegburg gestoppt.
Nach dem Vorfall waren die rund 180 Passagiere und das Bahnpersonal aus dem Zug gebracht worden. Mindestens zwölf Reisende seien laut Polizei leicht verletzt worden. Eine Person habe vermutlich ein Knalltrauma erlitten und musste in ein Krankenhaus gebracht werden. Nach kurzer Behandlung habe sie die Klinik wieder verlassen können.
In einer nahegelegenen Turnhalle versorgte die Siegburger Feuerwehr die gestrandeten Reisenden. Notfallseelsorger standen zur Betreuung bereit.
Bahnstrecke bei Siegburg stundenlang gesperrt
Der ICE stand mehrere Stunden auf Gleis sechs am Bahnhof Siegburg, Beamte der Bundespolizei durchsuchten den Zug. Gefährliche Gegenstände seien dabei nicht gefunden worden, so die Polizei.
Wegen des Polizeieinsatzes war die Schnellfahrstrecke Frankfurt - Köln zeitweise gesperrt. Züge im Fernverkehr wurden umgeleitet. Gegen ein Uhr nachts war der Einsatz beendet.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter
- Nachrichtenagenturen dpa, AFP
- Zuginfo.NRW
- Pressemitteilung der Kreispolizeibehörde Rhein-Sieg-Kreis
- Pressemitteilung der Polizei Bonn und Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf
- "Bild"-Zeitung
Sendung: WDR 2, WDR aktuell, 03.04.2026, 17:00 Uhr