Pyro-Attacke in ICE: Großeinsatz und Festnahme | Aktuelle Stunde

WDR 02:53 Min. Verfügbar bis 03.04.2028

Explosion im ICE bei Siegburg: So erlebte ein Zeuge den Angriff

Stand:

Jason Taylor sitzt im Waggon 23 des ICE nach Frankfurt, als zwei Reihen vor ihm etwas explodiert. Auch einen Tag später hat der 25-Jährige die Ereignisse noch nicht verarbeitet.

Jason Taylor ist nach einem langen Arbeitstag auf dem Weg nach Hause. Er sitzt am Donnerstagabend um 20.30 Uhr im ICE Richtung Frankfurt, Wagen 23. Der Zug ist kurz vor Siegburg. Der 25-Jährige aus Hessen trägt Kopfhörer und hört Musik, als es plötzlich mitten im Abteil knallt.

Sofort danach steigt ihm ein bekannter Geruch in die Nase. "So was Böllerartiges, wie an Silvester."

Person steht vor einem ICE am Bahnhof

Saß in Waggon 23: Jason Taylor

Jason dreht sich um und sieht einen maskierten Mann an der Tür stehen, der etwas wirft - so erzählt er es am Tag danach im WDR-Interview. Geistesgegenwärtig zieht er die Beine an und zum Schutz seinen Rucksack über den Kopf. Zwei Sitze vor ihm explodiert wieder etwas.

"Ich hab nur was rollen und zischen gehört. Im ersten Moment dachte ich: das war's." Jason Taylor, Passagier im ICE

Dann Schreie, Menschen rennen den Gang entlang. "Rennt, rennt", ruft einer. Auch kleine Kinder sitzen zu dem Zeitpunkt in dem Abteil, sagt Jason.

Tatverdächtiger überwältigt

Was war passiert? Nach aktuellen Erkenntnissen hat ein Mann am Donnerstagabend (02.04.2026) in dem Zug von Köln Richtung Frankfurt Pyrotechnik gezündet - die Polizei spricht von zwei nicht näher bestimmten pyrotechnischen Gegenständen, die Generalstaatsanwaltschaft von zwei Sprengvorrichtungen.

Zwölf Menschen wurden dabei verletzt. Der Tatverdächtige wurde daraufhin von Fahrgästen in der Zugtoilette festgehalten, sodass die Polizei ihn in Siegburg überwältigen und festnehmen konnte.

Bei seiner Durchsuchung wurden eine Maske und zwei Messer gefunden. Den Beamten gegenüber soll der Mann laut WDR-Informationen geäußert haben, dass er vorgehabt hatte, einen Anschlag zu begehen.

Der ICE wird nach dem Vorfall evakuiert, 183 Reisende sind betroffen. Die Polizei habe auch mit Spengstoffspürhunden den Zug durchsucht, wie eine Pressesprecherin der Bundespolizei dem WDR noch am Tatabend bestätigt.

Fahrgast schließt mutmaßlichen Täter ein: "Wer war das?"

Jason Taylor hört später, dass der Mann, der den mutmaßlichen Täter in der Toilette festgehalten hat, Soldat sein soll. Auch der 25-Jährige erinnert sich an den Mann. Der sei sofort nach der Explosion aufgesprungen und habe gerufen: "Wer war das?" Dann sei er den Gang entlang gerannt.

"Ich hab noch nie jemanden gesehen, der mit so viel Mumm auf einen Täter zurennt - ohne einmal zu zweifeln." Jason Taylor

"Hätte nie gedacht, dass ich mal Teil von so was werde"

Kurz nachdem der ICE anhält, seien Polizisten in den Zug gekommen, erzählt Jason weiter. Die Polizei nimmt Personalien auf, befragt Zeugen, dokumentiert Wunden. "Die Stimmung war sehr angespannt." Viele hätten sich auch gefragt, ab noch andere Täter im Zug seien, ob es weitere Sprengsätze gebe.

Erst nach zweieinhalb Stunden geht es für die Passagiere raus aus dem Zug. Sie sammeln sich in einem Parkhaus und warten dort auf weitere Anweisungen. Den Menschen sei auch Hilfe angeboten worden, erzählt Jason.

Personen mit Gepäck stehen vor einem Bus und Polizeiauto

Umstieg mitten in der Nacht: Busse für Bahnpassagiere

In der Nacht kommen dann Busse, die die gestrandeten Bahnfahrer weiter bringen sollen. Sie haben aber nicht für alle Passagiere Platz. Jason steigt schließlich in den letzten Zug nach Frankfurt. Für die Reise von eigentlich zweieinhalb Stunden braucht er am Ende gut acht.

"Ich hätte nie gedacht, dass ich mal Teil von so was werde." Er habe das auch einen Tag später noch nicht verarbeitet, sagt Jason. "Es war auf jeden Fall ein Schock."

Heute denke er schon darüber nach, dass die Sache auch anders hätte ausgehen können. Er wisse nicht, ob er in der nächsten Zeit noch mit Kopfhörern im Zug sitzen könne.

Motiv ist unklar - jetzt ermittelt der Staatsschutz

Gegen den Tatverdächtigen aus Aachen wurde mittlerweile Haftbefehl erlassen. Der Staatsschutz und die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf haben nach dem Vorfall die Ermittlungen übernommen. Die Ermittler werfen dem 20-Jährigen unter anderem versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung sowie Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz vor.

Laut der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf gebe es Erkenntnisse, dass der Mann politisch "dem rechten Spektrum zuzuordnen" sei. Gleichzeitig gebe es auch Hinweise auf eine psychische Erkrankung bei dem mutmaßlichen Täter.

Unsere Quellen:

  • WDR-Interview mit Jason Taylor
  • Sprecherin der Bundespolizei

Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 03.04.2026, 18.45 Uhr

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