Hitze-Check in deutschen Städten
Aktuelle Stunde . 09.06.2026. 18:12 Min.. UT. Verfügbar bis 09.06.2028. WDR. Von Susanna Zdrzalek.
In Wuppertal sind die Menschen besser vor Sommerhitze geschützt als in vielen anderen NRW-Städten. Denn hier gibt es vergleichsweise viele Bäume. Deren Kronen beschatten Straßen und Plätze und kühlen die Umgebung. Wenn die Deutsche Umwelthilfe (DUH) über Bäume in Städten spricht, dann nutzt sie dafür Begriffe wie Beschirmungsgrad und macht daraus auch eine Statistik.
Knapp ein Drittel der Siedlungsfläche von höheren Bäumen bedeckt
In Wuppertal liegt dieser sogenannte Beschirmungsgrad bei 30,73 Prozent. Zur Berechnung misst die DUH, wie viel der Stadtfläche von Baumkronen überdacht ist, also wie viel Boden durch Bäume beschattet wird. In Wuppertal ist damit knapp ein Drittel der Siedlungsfläche von höheren Bäumen überdeckt.
In Wuppertal gibt es vergleichsweise viele Bäume.
Das ist nicht nur ein guter Wert im bundesweiten Vergleich, sondern liegt auch über dem Richtwert von 30 Prozent, den Fachleute für ein gesundes Stadtklima empfehlen. Im dritten Hitzecheck der Deutschen Umwelthilfe, der am Dienstag vorgestellt wurde, liegt Wuppertal damit im bundesweiten Vergleich im grünen Bereich - und gehört in NRW zu den Positivbeispielen.
Mehr Hitze, aber NRW ist nicht gut aufgestellt
Das Thema Hitzeschutz wird immer wichtiger: Durch den Klimawandel werden wir immer häufiger mit Hitze zu tun haben. Besonders gut dafür aufgestellt sind die Städte in Nordrhein-Westfalen scheinbar nicht - auch das sagt der dritte Hitzecheck der Deutschen Umwelthilfe.
Die DUH verdeutlicht die Hitzebelastung im Ampelformat. Untersucht wurden Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern. In den 77 untersuchten NRW-Städten zeigt die Ampel in der Gesamtwertung sehr viel Orange und Rot - und Grün nur für Wuppertal.
Städte mit mindestens zwei grünen Bewertungen erhalten eine grüne Gesamtbewertung, bei gemischten Ergebnissen erfolgt eine gelbe Bewertung. Eine rote Gesamtbewertung wird vergeben, wenn mindestens zwei der drei Indikatoren rot bewertet werden.
Hitze-Check: Was läuft schlecht in Euskirchen und Co?
Rot zeigt die Ampel für die Städte: Euskirchen, Grevenbroich, Kerpen, Düren, Langenfeld, Bergheim, Dormagen und Eschweiler. Was läuft nicht gut in diesen Städten? In Euskirchen etwa kommt gleich dreifach schlecht weg. Die Stadt hat im Vergleich weniger Bäume, die Schatten spenden, versiegelt seit 2018 am stärksten von allen NRW-Städten immer mehr Fläche und die Hitzebelastung für die Menschen ist hoch.
Hitzecheck: Diese Daten hat die Deutsche Umwelthilfe erhoben
Die Auswertung basiert auf vier Unterkategorien
- Beschirmungsgrad: Er beschreibt, wie viel der Stadtfläche von Baumkronen überdeckt ist - also wie viel Boden durch Bäume beschattet wird. Gezählt wird nur Vegetation, die höher als 2,5 Meter ist.
- Versiegelungstrend: Er zeigt, wie stark zwischen 2018 und 2025 neue Flächen zugebaut wurden - also Straßen, Parkplätze, Gebäude und andere Flächen aus Beton oder Asphalt, auf denen weder Wasser versickern noch Bäume wachsen können.
- Hitzebetroffenheitsindex: Dafür teilt die DUH bewohnte Gebiete in 100 mal 100 Meter große Kästchen ein. Für jedes Kästchen wird geprüft: Wie stark ist der Boden versiegelt? Wie viel Grün gibt es in der Umgebung? Wie heiß wird es dort im Sommer? Und wie dicht wohnen die Menschen? Aus diesen vier Faktoren ergibt sich ein Wert dafür, wie stark die Menschen in einer Stadt von Hitze betroffen sind.
- Baumverlust: Hier schätzt die DUH, wie viele Bäume zwischen 2018 und 2025 verschwunden sind. Grundlage ist der Rückgang der von Baumkronen bedeckten Fläche. Daraus wird hochgerechnet, wie viele Einzelbäume das ungefähr sind. Der Baumverlust fließt nicht direkt in die Ampelbewertung ein.
Fast eine Million Bäume verschwunden
Barbara Metz ist die Bundesgeschäftsführerin der DUH. Sie findet besonders alarmierend, dass laut Hitzecheck zwischen 2018 und 2025 etwa 900.000 Bäume aus den bundesweit untersuchten 195 Städten verschwunden sind: "Diese Tatsache lässt sich nicht schnell wieder umkehren, denn Bäume brauchen Zeit, um zu wachsen". Wenn sich das fortsetze, würden Städte immer unwohnlicher, so Metz: "Bäume sind unsere grünen Lungen."
"Wenn sich dieser Trend fortsetzt, leben wir in wenigen Jahren in menschenfeindlichen Betonwüsten." Barbara Metz, Deutsche Umwelthilfe
Selbst in einer Positivstadt wie Wuppertal würden weiter Flächen zugebaut und versiegelt.
Die Politik soll handeln
Die Hitzebelastung nimmt zu, die Politik tue zu wenig, sagt die Deutsche Umwelthilfe. "Während wir in diesem Jahr bereits im Mai die ersten extremen Hitzetage erlebt haben, schaut die Bundesregierung dieser Entwicklung tatenlos zu. Wir machen den Hitzecheck inzwischen zum dritten Mal, weil wir Politikerinnen und Politiker wachrütteln müssen", sagt die DUH-Bundesgeschäftsführerin Metz.
Unsere Quellen:
- Deutsche Umwelthilfe (DUH)
- Nachrichtenagentur epd
Sendung: WDR.de, NRW-Städte im DUH-Hitzecheck, 09.06.2026, 10.03 Uhr
Sendung: WDR 2, WDR aktuell, 09.06.2026, 11.00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 09.06.2026, 18.45 Uhr