Ein Banner für die Gegendemo am 1. Mai wird präsentiert

ESSQ, DGB und Omas gegen Rechts rufen zur Gegendemo auf.

Demos am 1. Mai Großer Protest gegen Rechten-Aufmarsch in Essen

Stand:

Am 1. Mai wird die rechtsextreme Partei "Die Heimat" in der Essener Innenstadt demonstrieren. In einem Video, das zum Gegenprotest aufruft, heißt es: "Wir tolerieren keine Intoleranz".

Von Cedrik Pelka

Das Bündnis "Essen stellt sich quer", die "Omas gegen Rechts" und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wollen gemeinsam ein Zeichen setzen. Auch aus anderen Städten in NRW werben Bündnisse dafür, am 1. Mai in die Essener Innenstadt zu kommen. Insgesamt sollen es rund 4.000 Teilnehmende werden.

Nach einer Kundgebung um 13 Uhr auf dem Hans-Toussaint-Platz beginnt ein Demonstrationszug. Insgesamt sind laut Polizei knapp 25 Versammlungen angemeldet worden. Sie alle wollen der rechtsextremen Partei "Die Heimat" etwas entgegensetzen.

Der DGB baut auf dem zentralen Burgplatz eine Bühne, eine Hüpfburg und mehrere Stände auf. Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) und mehrere Landespolitikerinnen und -politiker haben sich angekündigt. Eine Tanzgruppe soll für gute Stimmung sorgen. Doch es sei nicht "nur ein Tag zum Würstchen essen und Bierchen trinken", sagt Regionsgeschäftsführer Jan Mrosek.

"Wir werden ziemlich schnell aufrufen, sich den anderen Gegenprotesten anzuschließen." Jan Mrosek, DGB Regionsgeschäftsführer Mülheim-Essen-Oberhausen

"Die Heimat" mobilisert Rechtsextreme und Neonazis

Denn auf der anderen Seite sollen bis zu 500 Rechte, Rechtsextreme und Neonazis stehen. Nur ein paar Meter weiter werden sie ebenfalls um 13 Uhr auf dem Hirschlandplatz mit einer Kundgebung starten. Geplant ist ein Demonstrationszug durch die Innenstadt. Das Ende ist für 22 Uhr angekündigt.

In den sozialen Netzwerken wirbt die Partei seit Monaten für die Kundgebung. "Dieser Staat hasst dich", heißt es in einem Aufruf in einer Gruppe des Nachrichtendiensts "Telegram". Dort sprechen Verantwortliche auch von einer angeblichen "Überfremdung" des Ruhrgebiets.

Laut Extremismusexperten ist das ein rechtsextremer Begriff. "Die Heimat" hat sich 2023 aus den beiden Parteien "Die Rechte" und der NPD gebildet. Der Verfassungsschutz stuft sie als gesichert rechtsextrem ein.

Es haben sich Redner und Musiker angekündigt, die ebenfalls in Verfassungsschutzberichten auftauchen. Manche sind laut Sicherheitsbehörden bereits vorbestraft und gewalttätig. Außerdem soll es politische Informationsstände geben.

Wie gefährlich sind die Mitglieder?

Einen großen Teil wird auch der Jugendblock bilden. Die rechtsextreme Jugendorganisation "Junge Nationalisten" (JN) speist sich aus Minderjährigen und jungen Erwachsenen, die von älteren Parteimitgliedern angelockt werden. Das geschieht vor allem bei sogenannten "Offenen Abenden", die die Partei regelmäßig in Essen-Kray oder Dortmund-Dorstfeld abhält.

Zuletzt versammelten sich rund 60 Mitglieder der JN bei einem sogenannten Gemeinschaftstag im Harz. Aufnahmen des Kollektivs "Recherche Nord" zeigen, wie sie gleich gekleidet in Reih- und Glied stehen. Bei Reden werden Bezüge zu Begriffen aus dem Nationalsozialismus hergestellt.

Hitlerzitate im Netz und bei Kundgebungen

Führende Mitglieder der JN sprechen in einem Video auf der Plattform "YouTube" von verschiedenen menschlichen "Rassen". Manche seien anderen überlegen. Dass es aus wissenschaftlicher Sicht keine Rassen gibt, scheint ihnen nicht wichtig zu sein.

Andere Mitglieder zeigen sich auf Instagram mit Hitlergrüßen oder zitieren öffentlich Hitler bei Kundgebungen im Essener Stadtteil Kray. Dort ziehen sie jeden Monat durch die Straßen. Im August 2025 sollen etwa 19 Personen vier Gegendemonstrierende in einem Linienbus angegriffen und verletzt haben.

Mitglieder der rechtsextremen Jugendorganisation "Junge Nationalisten" in Essen Kray stehen mit Fahnen hinter einem Banner mit der Aufschrift "Kampfjahr 2026"

Mitglieder der rechtsextremen Jugendorganisation "Junge Nationalisten" bei einer Demo im Februar in Essen-Kray.

Demos in Essen: Polizei mit "massiven Kräften" vor Ort

Die Polizei geht trotzdem von einem friedlichen Verlauf am Freitag aus. "Wir sind auf alle Szenarien vorbereitet. Ganz egal, aus welchen Richtungen sie kommen." Sie seien mit "massiven Polizeikräften" vor Ort, erklärt Polizeisprecher Mark Ruhoff im WDR-Interview. Deshalb würden auch die genauen Laufrouten der "Heimat" nicht veröffentlicht werden. "Das ist gängige Polizeipraxis", sagt Ruhoff. So wolle man Störungen vermeiden.

Genau daran gibt es aber auch Kritik. Die Gegenprotestler sagen, dass sie ein Recht auf Protest in Hör- und Sichtweise hätten. Das sei ohne Planung aber nur bedingt möglich. Sonja Baumann, Sprecherin von ESSQ, stellte bei einer Pressekonferenz am Montagnachmittag aber auch klar: "Wir stehen in einer sehr langen Tradition friedlicher Proteste. Das haben wir in der Vergangenheit sehr oft bewiesen."

Tausende demonstrieren gegen Rechte in Essen

WDR 29.04.2026 00:38 Min. Verfügbar bis 29.04.2027

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Unsere Quellen:

  • Social Media Kanäle der Partei "Die Heimat"
  • Interview mit Mark Ruhoff, Polizei Essen
  • Pressekonferenz von ESSQ, DGB und "Omas gegen Rechts"
  • Vorherige Berichterstattung des WDR
  • Instagramseite von Recherche Nord

Sendung: WDR.de, Tausende demonstrieren gegen Rechte in Essen, 30.04.2026, 6:03 Uhr

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