Neue Details nach Neonazi-Angriff in Essen
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Nach dem mutmaßlichen Neonazi-Angriff auf Mitglieder der Partei Die Linke hat die Polizei neue Details bekanntgegeben. Demnach gebe es 19 Tatverdächtige im Alter zwischen 13 und 45 Jahren. Sieben der Verdächtigen seien minderjährig. Bei dem Angriff wurden vier Personen verletzt.
Nach dem mutmaßlichen Angriff von Rechtsextremen auf linke Demonstranten nach einer Demonstration im Essener Stadtteil Kray am vergangenen Freitag hat die Polizei neue Details veröffentlicht. Nach WDR-Informationen waren die Teilnehmer der antifaschistischen Demonstration in einem Linienbus in Richtung Hauptbahnhof unterwegs. Im Bus soll dann eine Gruppe von Neonazis auf sie losgegangen sein.
Viele Teilnehmende sind minderjährig
Wie die Polizei jetzt in einer Pressemeldung mitteilt, wurden die Identitäten von 19 Tatverdächtigen festgestellt. Es handele sich laut Polizei um 16 Männer und drei Frauen im Alter von 13 bis 45 Jahren. Sieben der Tätverdächtigen seien minderjährig.
Polizeipräsident Stüve äußert sich
Durch die Videoüberwachung im Bus habe die Polizei den Tathergang rekonstruieren können. Demnach seien die ehemaligen Teilnehmenden der rechten Versammlung an der Haltestelle Kiwittstraße in den Bus eingestiegen. Noch während des Einsteigens soll die Auseinandersetzung begonnen haben.
Der Essener Polizeipräsident Andreas Stüve verteidigt den hohen Personaleinsatz der Polizei und macht deutlich, dass Rechtsextreme keinen Platz in Essen hätten. Zudem versichert er, dass keine Angriffe auf Versammlungsteilnehmer geduldet und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden.
Kommunalpolitikerin Prus bei Angriff dabei
Jennyfer Prus, Kandidatin der Partei Die Linke bei der Kommunalwahl in Essen, hat von einer Gruppe von etwa 15 bis 20 jungen und anscheinend alkoholisierten Neonazis berichtet, die in den Bus gestiegen seien. Die Rechtsextremen hätten sofort angefangen "rumzupöbeln", nach etwa einer Minute hätten sie dann unvermittelt auf die Antifaschisten eingeschlagen.
Prus: "So eine Gewalt habe ich noch nie erlebt. Mir selbst ist nicht viel passiert, wahrscheinlich ein paar Prellungen und meine Brille hat's erwischt", sagt die Kommunalpolitikerin im Telefonat mit dem WDR. Ein Mann neben ihr habe nach dem Angriff aus der Nase geblutet und sei umgehend von Rettungskräften behandelt worden. Laut Prus sei die Polizei schnell dagewesen und rechtzeitig dazwischen gegangen.
Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Neonazis sonst aufgehört hätten. Jennyfer Prus, Kommunalpolitikerin (Die Linke)
Reaktion der Partei Die Linke
Seit dem Frühjahr gehen in Essen-Kray regelmäßig Rechte auf die Straße.
Lisa Krass, Kreissprecherin der Partei Die Linke Essen, erklärte in einer Pressemitteilung: "Dieser feige Angriff richtet sich nicht nur gegen uns als Partei, sondern gegen die gesamte demokratische Stadtgesellschaft." Neben körperlichen Verletzungen hätten mehrere Betroffene kurz nach dem Angriff über erhebliche psychische Belastungen geklagt.
Die Linke Essen fordert den "Vorfall zügig und lückenlos aufzuklären und die Täter zur Verantwortung zu ziehen". Tobias Umbreit, Kreissprecher der Partei, sagte: "Die wiederholten Angriffe auf unsere Mitglieder zeigen, dass rechtsextreme Strukturen in unserer Stadt weiterhin eine Gefahr darstellen. Wir lassen uns davon nicht einschüchtern. Rechter Terror darf in Essen keinen Platz haben."
Reaktion des Essener Anti-Nazi-Bündnisses
Christian Baumann, Sprecher des Essener Anti-Nazi-Bündnisses "Essen stellt sich quer", nennt den Angriff "erschütternd". Allerdings, so Baumann, sei damit zu rechnen gewesen, da in Essen mittlerweile eine aggressive und militante Neonazi-Szene unterwegs sei.
Dass eine Gruppe von ca. 20 Neonazis von der Polizei völlig unbeobachtet durch den Stadtteil ziehen und dabei Menschen angreifen kann, ist erschreckend. Christian Baumann, Sprecher von "Essen stellt sich quer"
Trotz des schnellen Eingreifens der Polizei kritisiert Baumann die Beamten. "An zu wenigen Einsatzkräften kann es eigentlich nicht gelegen haben, da sogar Verstärkung aus Wuppertal vor Ort war. Vielmehr scheint die Gewaltbereitschaft von der Polizei unterschätzt und falsch eingeschätzt worden zu sein.“
Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen.
Unsere Quellen:
- Polizei Essen
- Bündnis "Essen stellt sich quer"
- Pressemitteilung Partei DIE LINKE
- WDR im Gespräch mit Jennyfer Prus