Vorbereitungen für die Demos gegen Rechts in Essen am 1. Mai
Wegen rechtem Aufmarsch : Tausende zu Gegendemo in Essen erwartet
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Es wird voll in der Essener Innenstadt. Tausende werden am 1. Mai gegen die geplante Demonstration der rechtsextremen Partei "Die Heimat" (früher NPD) demonstrieren. Das Bündnis "Essen stellt sich quer" (ESSQ) und die "Omas gegen Rechts" rufen dazu auf. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wird seine traditionelle Kundgebung abhalten und sieht sich als Teil des Gegenprotests.
Die Gewerkschaftsdemo des DGB Mülheim-Essen-Oberhausen zum 1. Mai ist schon lange geplant. Es soll wieder ein buntes Fest werden und zudem ein starkes Zeichen für Arbeitnehmerrechte setzen. Doch die Organisatoren müssen etwas umplanen.
Denn die Partei "Die Heimat", die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird, hatte schon vor Monaten erklärt, dass ihre bundesweite Demonstration dieses Jahr in Essen stattfinden soll. 500 Rechte, Rechtsextreme und Neonazis wollen am kommenden Freitag durch die Innenstadt ziehen. In den sozialen Netzwerken wird seit Wochen bundesweit mobilisiert.
Gewerkschaft und Gegendemos starten zusammen
In einer Pressekonferenz haben die Gegendemonstranten ihre Pläne vorgestellt.
Die Gegendemo wird deutlich größer. Ab 12 Uhr wollen sich der Deutsche Gewerkschaftsbund, "Essen stellt sich quer", die "Omas gegen Rechts" und weitere Bündnisse auf dem Rüttenscheider Markt treffen und gemeinsam zur Innenstadt ziehen. Die Polizei Essen spricht von bis zu 4000 Personen, die bei den verschiedenen Veranstaltungen teilnehmen werden. Insgesamt sind laut Polizei rund 25 angemeldet worden.
Ab 13 Uhr trennen sich die Wege des DGB und der Gegendemos. Die DGB-Kundgebung findet auf dem zentralen Burgplatz statt. Es wird verschiedene Stände von Essener Organisationen, eine Hüpfburg und Reden auf der Bühne geben.
"Der 1. Mai soll nicht nur Protest sein, sondern auch ein Familienfest. Natürlich wird das alles etwas zur Nebensache. Wir werden auch ziemlich schnell aufrufen, sich den weiteren Protesten anzuschließen. Es ist kein Tag nur zum Bierchen Trinken und Würstchen Essen. Es ist ein Tag, um ein Zeichen zu setzen", so der DGB-Regionsgeschäftsführer, Jan Mrosek, bei einer Pressekonferenz am Montagnachmittag. Die Hauptkundgebung der Gegenproteste rund um ESSQ findet gleichzeitig auf dem Hans-Toussaint-Platz statt.
Rechtsextreme aus ganz Deutschland erwartet
Die Rechten werden ebenfalls ab 13 Uhr auf dem Hirschlandplatz eine Kundgebung abhalten und anschließend auf eine Demonstration gehen. Bekannte Rechtsextreme aus ganz Deutschland haben sich in den sozialen Netzwerken bereits als Redner angekündigt.
Außerdem soll ein Sänger auftreten, der mit seiner Musik in Verfassungsschutzberichten mehrerer Bundesländer im Bereich "Rechtsextremismus" auftaucht. Vermutlich werden auch viele Teilnehmer dabei sein, die regelmäßig in Essen-Kray aufmarschieren.
Vermehrt Straftaten und körperliche Angriffe
Der Landesverband von "Die Heimat" lädt immer wieder Menschen zu sogenannten "offenen Abenden" in die Parteizentrale nach Essen-Kray ein. Von dort aus ziehen oft bis zu 70 Menschen, unter ihnen auch viele Minderjährige, durch den Stadtteil.
Junge Rechte bei einer Demo in Essen-Kray
In diesem Zusammenhang kam es vermehrt zu Straftaten, wie körperliche Angriffe auf Gegendemonstranten oder das Zeigen des Hitlergrußes. Auch rechtradikale Parolen werden immer wieder gerufen.
Kritik an Polizei
Kritik der Gegendemonstranten richtet sich gegen die Essener Polizei. Sie würde Laufrouten der Rechtsextremen verheimlichen. "Das sind öffentlich zugängliche Informationen. Wir haben eine Anfrage bei der Versammlungsbehörde gestellt. Wir haben eine Liste mit allen Anmeldungen bekommen, außer die Infos zu der Versammlung der Partei "Die Heimat", sagt ESSQ-Sprecherin Sonja Baumann.
Die Omas gegen Rechts haben einen offenen Brief an die Polizei geschickt. "Wir fordern Sie als Polizeipräsidenten dringend auf, Maßnahmen zu ergreifen, um die Bevölkerung, die Gewerkschaften und Gäste unserer Stadt ausreichend zu schützen", heißt es darin.
Sie erinnern auch an eine Demonstration im März vergangenen Jahres. Damals hatte die rechtsextreme Gruppe "Jung & Stark" ebenfalls in der Essener Innenstadt demonstriert - vom Hauptbahnhof bis zum Limbecker Platz. Am 1. Mai vergangenen Jahres demonstrierte die Partei "Die Heimat" in Gelsenkirchen. Auch dort waren gewaltbereite Teilnehmer unter den Rechtsextremen, wie die Polizei damals dem WDR sagte.
"Wir machen uns Sorgen um das politische Klima und die Stimmung. Essen soll kein neuer Brennpunkt der Naziszene werden", so Christiane Grote von den "Omas gegen Rechts" heute bei der Pressekonferenz. "Wir wollen, dass auch unsere Enkelkinder in einer freien, demokratischen Gesellschaft aufwachsen können. Deswegen schließen wir uns den Protesten an."
Polizei verteidigt Vorgehen
Ein Polizeisprecher betont auf WDR-Anfrage, die Polizei würde "grundsätzlich keine Routen von Aufzügen veröffentlichen". Damit wolle sie "Konfliktlagen und gezielte Störungen verhindern". Man bereite sich auf solche Störer vor und man könne es nicht immer ermöglichen "die Versammlungsörtlichkeiten spontan zu wechseln und sich auf direktem Wege einer anderen Versammlung anzuschließen."
Unsere Quellen:
- Pressekonferenz DGB, Omas gegen Rechts, ESSQ
- Sprecher Polizei Essen
- Vorherige Berichterstattung
- Beiträge in Sozialen Medien der Partei "Die Heimat"
Sendung: WDR 2 Rhein und Ruhr, Lokalzeit, 28.04.2026, 7:31 Uhr