Julia Gajewski kämpft für ihre Brennpunktschule in Essen
WDR. 04:27 Min.. Verfügbar bis 01.06.2028.
Die Unbeugsame : Rektorin kämpft um den Neubau ihrer Schule in Essen
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Migration, Vielfalt, Integration: Die Gesamtschule Bockmühle in Essen hat 1.500 Schüler - ein Schmelztiegel der Kulturen. Rektorin Julia Gajewski kennt "ihre" Schule seit über 25 Jahren. Gerade wegen der großen Herausforderungen wünscht sie sich mehr Anerkennung.
Die Schüler aus der Mittelstufe sind nicht zu überhören: Aber kaum biegen die fünf grölend um die Ecke, stellt sich ihnen eine kleine, sportliche Frau in den Weg. "Hi, ich bin Julia Gajewski. Ich bin hier die Schulleiterin." Ob ihnen klar wäre, dass das hier nicht ginge? Eigentlich hat die burschikose 63-Jährige gar keine Zeit - aber es ist ihr wichtig. Ein kurzes Gespräch - durchaus auf Augenhöhe - und noch der Hinweis: "Schleimerei mag ich gar nicht."
Hart aber herzlich
Vielleicht beschreibt genau diese Szene Julia Gajewski ziemlich gut. Die Rektorin weicht nicht aus, sondern kümmert sich. Sie möchte, dass vereinbarte Regeln von jedem eingehalten werden und spricht Fehlverhalten direkt und unmissverständlich an.
In Essen-Altendorf, einem Stadtteil im Essener Nordwesten mit Menschen aus ganz vielen unterschiedlichen Nationen, scheint das eine gute Strategie zu sein, um sich zumindest bei den Schülerinnen und Schülern Respekt zu erarbeiten. Meint: Gajewski ist keine, die davor scheut sich anzulegen.
Kampf um Neubau
Dabei müssen Julia Gajewski und ihr Team immer wieder Rückschläge hinnehmen. Seit rund 13 Jahren will die Stadt Essen die Bockmühle sanieren und inzwischen längst neu bauen. Als Aushängeschild war sogar ein Sportplatz auf dem Dach der Sporthalle geplant. Doch den hat die Stadt aus Kostengründen zuletzt wieder gestrichen.
Und auch, wann es endlich mit dem Neubau losgeht, ist noch lange nicht fest ausgemacht. Aber gerade der wäre für Gajewski ein Signal an die Menschen in Altendorf: Seht her, ihr seid uns etwas wert!
Gesamtschule Bockmühle: seit Jahren marode
Bildungscampus und Startchancenschule
Zuletzt ist es etwas ruhiger um das Thema geworden. Und genau das macht Julia Gajewski Sorgen: "Eigentlich ist es mir gerade zu ruhig." In den Strukturen der Schule und im Umfeld tut sich dagegen viel - im Kleinen wie im Großen. Eltern sorgen für Frühstück, zahlreiche Projekte wirken auch in den Stadtteil.
Die Bockmühle ist Startchancenschule, kooperiert mit der RAG-Stiftung und der Uni Duisburg-Essen. Im Pilotprojekt Bildungscampus gibt es sogar einen Campusmanager und eine halbe Stelle für einen Sozialarbeiter.
Imageproblem
Trotzdem hat die Bockmühle seit Jahren ein Imageproblem. "Sicher", sagt Julia Gajewski. "Wir haben auch Schüler, die wir entlassen, anzeigen. Aber bei 1500 Schülern ist das nur ein ganz kleiner Teil, ein großer anderer Teil nicht."
Man redet über uns, als hätten wir nur ganz Schwierige. Das haben wir halt nicht. Das ist arrogant - keine Schule hat nur Verbrecher, das gibt es einfach nicht. Julia Gajewski, Schulleiterin an der Gesamtschule Bockmühle
Um so wichtiger, dass es unter den 120 Lehrkräften offenbar recht kollegial zugeht. Referendarin Louisa Zander kann sich jedenfalls gut vorstellen nach ihrer Ausbildung hier weiter zu arbeiten. Sie kommt aus Essen, ist schon jetzt im Stadtteil in einer Freikirche sozial engagiert.
Ein Punkt, der Julia Gajewski im Feedback-Gespräch zunächst skeptisch macht. Sie verbindet Freikirche mit radikalem Glaubensbekenntnis und christlicher Abgrenzung. Als ihr Louisa Zander aber von dem bunten Miteinander der Kulturen dort berichtet, korrigiert sie sich gerne: "Ich lerne dazu, jeden Tag." Auch das ist ihr Job.
Sportlicher Ehrgeiz als Leitmotiv
Julia Gajewski ist eine begeisterte Basketballerin. Der Sportunterricht mit der fünften Klasse gehört zu Ihren persönlichen Highlights in einer extrem durchgetakteten Schulwoche. Gemeinschaft, Ehrgeiz, Disziplin, Gerechtigkeit. All das spiegelt sich hier wider. Sie möchte, dass die Starken die Schwachen unterstützen, dass sie aber auch untereinander voneinander lernen.
Zurück auf dem Schulflur. Nachdem die fünf Pubertierenden weitergezogen sind, kommt ihr noch ein Oberstufenschüler mit Handy in die Quere. "Machen wir hier nicht, weißt Du doch." Was Julia Gajewski dabei aber eigentlich ärgert: Der nächste Termin muss jetzt drei Minuten auf sie warten. Einmischen hat halt immer einen Preis.
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Unsere Quellen:
- Interview mit Julia Gajewski
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Julia Gajewski kämpft für ihre Brennpunktschule in Essen, 02.06.2026, 05:03 Uhr
