Für viele Kinder und Jugendliche gehört der Bus oder die Bahn zum Alltag: Sie fahren damit zur Schule, zum Sport oder zu Freunden.
Dafür können Schüler eine vergünstigte Version des Deutschlandtickets nutzen. Einige Städte und Kommunen wollen dieses Angebot jetzt aber abschaffen und auf andere Fahrkartenmodelle umsteigen.
In Düsseldorf sorgt das für Diskussionen, in Köln für viel Zuspruch. Weshalb die Reaktionen so unterschiedlich ausfallen und wo die Probleme liegen.
Abkehr vom Deutschlandticket für Schüler
Laut Prognosen der Stadt Düsseldorf könnte ein Wechsel vom Deutschlandticket für Schüler auf das Schokoticket vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) den Haushalt jährlich um mehr als 525.000 Euro entlasten. Das Deutschlandticket sei inzwischen schlicht zu teuer.
Ursprünglich kostete es 49 Euro pro Monat. Vergangenes Jahr wurde der Grundpreis auf 58 Euro erhöht, seit Januar 2026 müssen 63 Euro monatlich gezahlt werden. Ob der Preis 2027 erneut steigt, soll im kommenden Herbst feststehen.
In Düsseldorf wird über einen Wechsel zum Schokoticket nachgedacht.
Die Stadtverwaltung in Düsseldorf geht von einer weiteren Erhöhung aus, auf lange Sicht sei das Schokoticket deswegen die günstigere Alternative.
Anders als das Deutschlandticket gilt die Fahrkarte nicht bundesweit, sondern nur im VRR-Gebiet. Für Selbstzahler würde es durch den Wechsel zudem teurer.
Eltern, die keinen Anspruch auf die Kostenübernahme haben, zahlen für das Deutschlandticket Schule monatlich 43 Euro. Beim Schokoticket, auf das in Düsseldorf gewechselt werden sollte, liegt der Preis dagegen bei 47,25 Euro.
Vorschlag sorgt in Düsseldorf für Kritik
Das ist aus Sicht von Annette Willms, Vorstandsvorsitzende der Elternschaft Düsseldorfer Schulen, nicht hinnehmbar. Familien würden stärker finanziell belastet und gleichzeitig das Mobilitätsangebot eingeschränkt, weil das Schokoticket eben nicht deutschlandweit, sondern nur im VRR-Bereich gilt.
"Sicherlich benötigt nicht jedes Kind die Reichweite des Deutschlandtickets. Die Unterschiede müssten sich aber dann auch im Portemonnaie bemerkbar machen." Annette Willms von der Elternschaft Düsseldorfer Schulen
Der Jugendring kritisierte den Plan der Stadt ebenfalls: "Es kann nicht sein, dass auf Kosten von Jugendlichen und Familien gespart und gleichzeitig jedes Ticket für die Oper mit rund 160 Euro pro Aufführung subventioniert wird", heißt es in einer Mitteilung.
Ob die Stadtkasse durch einen Ticketwechsel wirklich entlastet würde, ist inzwischen zudem fraglich.
Zweifel an den Einsparungen
Laut dem Verkehrsunternehmen Rheinbahn würde die Stadt Düsseldorf mit dem Wechsel zum Schokoticket kein Geld einsparen, sondern sogar 3,6 Millionen Euro verlieren - Fördergelder des Landes und Ausgleichszahlungen des VRR. Die sind nämlich an das Deutschlandticket geknüpft. Zuerst hatte darüber die Rheinische Post berichtet.
Die Rheinbahn hat sich die Finanzierung des Deutschlandtickets für Schüler noch einmal genauer angeschaut.
Die Stadt, die Rheinbahn und der VRR wollen deswegen noch einmal darüber sprechen, welches Ticket für Düsseldorf die beste Option ist.
Kommunen argumentieren mit schwieriger Haushaltslage
Die Haushaltslage in Goch ist angespannt.
In anderen Kommunen wurde der Umstieg auf das Schokoticket bereits beschlossen. Das gilt etwa für den Kreis Viersen und die Stadt Goch. Aufgrund der "derzeit angespannten Haushaltslage" sei der Umstieg ein sinnvoller Schritt, so ein Sprecher vom Kreis Viersen. Dadurch könnten 116.000 Euro jährlich eingespart werden.
Die Entscheidung, das Deutschlandticket für Schüler abzuschaffen, hält die Landesschüler*innenvertretung NRW grundsätzlich für eine problematische Sparmaßnahme.
"Das Deutschlandticket hat vielen Jugendlichen eine bezahlbare Möglichkeit gegeben, mobil zu werden", teilt die Schülerorganisation dem WDR mit. "Die Rückkehr zum Schokoticket wirkt deshalb wie ein Rückschritt und sendet das Signal, dass bei jungen Menschen zuerst gespart wird." Die Haushaltslage sei kein überzeugendes Argument.
"Natürlich haben viele Städte finanzielle Probleme, aber bei Bildung, Mobilität und Klimaschutz zu sparen, ist langfristig keine gute Lösung." Khaia Völkel von der Landesschüler*innenvertretung NRW
Das sieht aktuell auch die Stadt Neuss so. Sie wird das Deutschlandticket Schule weiter anbieten. Angebote mit "besonderer Bedeutung" für Mobilität, Bildungsgerechtigkeit und Teilhabe wolle man nicht vorschnell aufgeben, so ein Stadtsprecher. Dazu zähle das Deutschlandticket für Kinder und Jugendliche.
Allerdings würde die Stadt durch einen Umstieg auf das Schokoticket auch weniger sparen, als zum Beispiel Goch. Dort geht es um jährlich 70.000 Euro, in Neuss belastet das Deutschlandticket Schule den Haushalt zusätzlich um rund 50.000 Euro pro Jahr.
Besondere Lösung in Köln
Auch in Köln hat der Stadtrat beschlossen, dass Deutschlandticket für Schüler nicht mehr anzubieten. Hintergrund ist dort nicht nur die Haushaltslage der Stadt, sondern die finanzielle Belastung für Familien.
Eltern forderten in einer Petition den Wechsel auf ein günstigeres Angebot, sammelten dafür mehr als 8500 Unterschriften. Schließlich bekommen nur Familien finanzielle Unterstützung, die kilometerweit von der Schule entfernt wohnen. Alle anderen müssen pro Ticket 43 Euro im Monat zahlen.
Das neue Schülerticket der KVB soll bald angeboten werden.
Gemeinsam mit der KVB wurde ein Schülerticket entwickelt, das im Monat 30 Euro kostet. Es soll ab kommenden Herbst verfügbar sein und Schülern Fahrten im Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) sowie im Aachener Verbund (AVV) ermöglichen.
Das neue Angebot in Köln ist also günstiger als beispielsweise das Schokoticket des VRR (47,25 Euro), das in Düsseldorf angedacht war.
Forderung nach neuem Fördermodell
Unabhängig von der Situation in den jeweiligen Städten müsste das Fördersystem für Schülertickets dringend reformiert werden, betont Annette Willms von der Elternschaft Düsseldorfer Schulen. Die aktuellen Vorgaben der Landesregierung, nach denen die Länge des Schulwegs ausschlaggebend für eine Förderung ist, seien "sozialpolitisch nicht begründbar".
Annette Willms von der Elternschaft Düsseldorfer Schulen
"Selbstzahler mit zwei Kindern zahlen derzeit über 800 Euro jährlich mehr als Familien mit Bezuschussung, unabhängig von Einkommen und Lebenssituation", so Willms. "Diese Handhabung führt zu sozialer Ungleichheit und ist, besonders für Großstädte mit vielfältiger Schullandschaft, nicht zeitgemäß."
Das NRW-Verkehrsministerium verweist seinerseits darauf, dass man sich dafür eingesetzt habe, die Kostensteigerungen möglichst gering zu halten. "Das Schülerticket gibt es für 43 Euro, also 20 Euro weniger als der reguläre Deutschlandticketpreis. Das bedeutet für viele Familien bundesweite Mobilität und mehr Flexibilität im Alltag", teilt eine Sprecherin mit.
Für Detlef Neuß vom Fahrgastverband Pro Bahn braucht es auf Bundesebene mehr finanzielle Unterstützung.
"Zum Beispiel in den Tankrabatt wurde jetzt viel investiert. Bezahlbare Angebote im ÖPNV für Familien sollten einen ebenso großen Stellenwert haben. Doch das Deutschlandticket wird immer teurer." Detlef Neuß, Fahrgastverband Pro Bahn
Detlef Neuß von Pro Bahn
Es sei zwar von Anfang an klar gewesen, dass der Preis von 49 Euro nicht gehalten werden kann. "Aber ab einem bestimmten Punkt lohnt sich das Angebot für die Menschen nicht mehr. Soweit darf es nicht kommen, wenn wir wirklich eine Mobilitätswende wollen", sagt Neuß.
Unsere Quellen:
- Stadt Düsseldorf
- Annette Willms, Vorstandsvorsitzende der Elternschaft Düsseldorfer Schulen
- Jugendring Düsseldorf
- Rheinische Post
- Stadt Köln
- Kreis Viersen
- Stadt Goch
- Stadt Neuss
- Verkehrsverbund Rhein-Ruhr
- Landesschüler*innenvertretung NRW
- Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen
- Detlef Neuß, Ehrenvorsitzender vom Fahrgastverband Pro Bahn
Sendung: WDR.de, Warum Städte das Deutschlandticket für Schüler abschaffen wollen, 29.05.2026, 16.50 Uhr