Auf einer flachen Oberfläche liegt ein kleiner Haufen Kokain.

Der Handel mit kleinen Mengen Crack und Heroin soll toleriert werden

Crack und Heroin Düsseldorf und Köln wollen "Mikrohandel" mit Drogen tolerieren

Stand:

Die Oberbürgermeister von Düsseldorf und Köln wollen, dass rechtliche Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Der sogenannte "Mikrohandel" soll in speziellen Drogenhilfezentren erlaubt werden.

Von Selina Weegen

Keine dunkle Gasse, kein Bahnhofsvorplatz, sondern ein sicherer Ort für Drogensüchtige, wo Crack und Heroin offen über den Tisch ihren Besitzer wechseln. In Zürich gibt es das seit Jahren. Jetzt haben auch die Oberbürgermeister von Düsseldorf und Köln nochmal einen Vorstoß gewagt, das Konzept auch hier zu etablieren und "Mikrohandel" mit harten Drogen in betreuten Einrichtungen zu tolerieren.

Im Interview mit der FAZ haben die Oberbürgermeister aus Köln und Düsseldorf, Torsten Burmester (SPD) und Stephan Keller (CDU), erneut gefordert, die rechtlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Frage von Bundesrecht

Bereits Anfang Juni wurde dem WDR bestätigt, dass ein gemeinsames Schreiben beider Oberbürgermeister beim Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW, kurz MAGS, und dem Justizministerium NRW eingegangen ist.

Drogenkonsumenten sitzen am Kölner Neumarkt. Ihre Gesichter sind nicht zu erkennen.

Drogenkonsumenten am Kölner Neumarkt

Das MAGS verwies darauf, dass es sich grundsätzlich um ein Bundesrecht handelt.

Rechtliche Hürden

Die rechtlichen Hürden für den "Mikrohandel" mit Drogen sind extrem hoch. In Deutschland ist der Umgang mit Betäubungsmitteln vom Bund geregelt. Der Handel steht unter Strafe. Bei Verstößen gegen das Gesetz oder dem Verdacht eines Verstoßes gilt die Strafverfolgungspflicht. Polizei und Staatsanwaltschaft sind verpflichtet, beim Verdacht auf Straftaten Ermittlungen einzuleiten.

Oberbürgermeister sehen Bundesratsinitiative als mögliche Lösung

Keller und Burmester argumentieren gegenüber der FAZ, dass das Problem mithilfe einer Bundesratsinitiative zur Änderung und Anpassung des Betäubungsmittelgesetzes (BtmG) gelöst werden könne. Ähnlich wie es aktuell schon bei den Drogenkonsumräumen im BtmG geregelt ist. Diese gelten als Ausnahme: Mit der Erlaubnis zum Betrieb entfällt die Strafbarkeit für den sonst illegalen Konsum von Drogen.

Eine breite Häuserfront von der Straße aus, davor Bäume

Die Eisenstraße in Düsseldorf: Hier plant die Stadt ein Suchthilfezentrum

Dass sich Gesetzesänderungsverfahren lange hinziehen können, wissen die beiden Oberbürgermeister, wie sie im Gespräch mit der FAZ sagen. Sie setzen deshalb auf eine Experimentierklausel, die "zur Erprobung und Auswertung von Ausnahmeregelungen" gemeinsam von Ministerpräsidenten und Bundeskanzler Anfang Dezember beschlossen wurde.

Was ist Mikrohandel

Mikrohandel bedeutet, dass Konsumenten kleiner Drogenmengen miteinander austauschen dürfen. Drogenhilfeeinrichtungen sollen helfen, den Drogenhandel von der Straße aus dem öffentlichen Raum rauszuholen und so Drogenszenen, wie am Düsseldorfer Hauptbahnhof, besser in den Griff zu bekommen.

Dabei gebe es eine "klare Trennung zwischen Hilfeangebot und Strafverfolgung", sagt Keller. Ziel sei es, die Leute von der Straße zu holen.

Vorbild ist "Zürcher Modell"

Vorbild für den Vorschlag ist das "Zürcher Modell". Innerhalb von medizinisch betreuten Drogehilfeeinrichtungen wird der Verkauf und Tausch kleinster Mengen harter Drogen zwischen schwer Rauschgiftsüchtigen toleriert.

Vier-Säulen-Suchtpolitik des Zürcher Modells:

Prävention: Durch Aufklärung Abhängigekiten frühzeitig verhindern
Therapie: Suchtmedizinische und psychiatrische Versorgung
Schadensminderung: Reduzieren von negativen Folgen für Betroffene und Gesellschaft
Repression/Regulierung: Bekämpfung vom Verkauf von Drogen, Keine Verfolgung von Konsumierenden

Die Stadt Zürich gibt an, so den Rauschgifthandel und -konsum, sowie die Beschaffungskriminalität begrenzt zu haben. Schwer Drogenabhängige sollen so leichter Zugang zu Hilfesystemen erhalten.

Forderungen nach neuen Gesetzen

Auch der Kölner Sozialdezernent Harald Rau fordert neue Gesetze, um Drogen aus der Illegalität zu holen und an geordneten offiziellen Stellen abgeben zu können. "Das wir das Drogenproblem ausgerottet kriegen, fürchte ich, wird uns nicht gelingen", sagt Rau. Auch in Köln breitet sich die Drogenszene weiter aus.

Kritiker sind skeptisch

Kritiker befürchten nur eine Verlagerung des Problems. Nach dem "Zürcher Modell" sind sowohl in Düsseldorf als auch in Köln mehrere Suchthilfezentren geplant - teils nicht weit von Schulen und Kitas entfernt. In den Nachbarschaft gibt es deshalb Widerstand.

Düsseldorf und Köln wollen "Mikrohandel" mit Drogen tolerieren

WDR 19.06.2026 00:36 Min. Verfügbar bis 18.06.2028

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Unsere Quellen:

  • Agenturmeldung Katholische Nachrichtenagentur
  • Ministerium der Justiz
  • Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW
  • Düsseldorfs Oberbürgermeister Keller auf WDR-Anfrage vom 10.03.2026
  • FAZ

Sendung: WDR.de, Düsseldorf und Köln wollen "Mikrohandel" mit Drogen tolerieren, 19.06.2026, 14:25 Uhr

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