"Es kam zu Durchsuchungsmaßnahmen an der Privatanschrift des Beschuldigten. Hierbei sind technische Geräte beschlagnahmt worden", sagte Oberstaatsanwalt Michael Burggräf. Die Auswertung der Geräte dauere aktuell an. Zunächst hatte das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) über die Durchsuchung berichtet. Weitere Durchsuchungsmaßnahmen - etwa in der Geschäftsstelle von Borussia Dortmund - haben demnach nicht stattgefunden.
Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch die Anzeigen von drei ehemaligen Nachwuchsspielern, die dem Manager sexuellen Missbrauch vorwerfen. Die Übergriffe sollen in den 80er- und 90er-Jahren passiert sein. Seither hat der Gesetzgeber mehrfach das Recht verschärft und die Verjährungsfristen geändert. Deswegen prüfte die Staatsanwaltschaft zunächst, ob der Mann noch belangt werden kann.
Zum Alter der Betroffenen sagte die Staatsanwaltschaft nichts. Es ist also nicht klar, ob es um den Missbrauch von Minderjährigen geht. Der Beschuldigte arbeitet seit zwei Jahren nicht mehr für den BVB. Borussia Dortmund lässt die Vorwürfe seit Mitte November durch eine Kommission aus Juristen und Wissenschaftlern prüfen.
BVB bittet Betroffene um ihre Mithilfe bei der Aufarbeitung
Wie der BVB in einer Stellungnahme auf seiner Webseite mitteilt, habe er mit einer unabhängigen "Aufarbeitung der Vorwürfe sexueller Übergriffe" begonnen. Er hat bereits eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und eine Strafrechts-Kanzlei "mit der Durchführung einer umfassenden und unabhängigen Untersuchung" beauftragt, sowie eine Sportpsychologin.
Letztere soll die Perspektive der Betroffenen in den Fokus stellen. Diese könnten sich jederzeit an die Untersuchungsunternehmen wenden. Der Verein betont, die Aufarbeitung mit "allen zur Verfügung stehenden Mitteln" zu unterstützen.
Im Jahr 2010 soll Borussia Dortmund erstmals entsprechende Hinweise auf mögliche Missbrauchsfälle erhalten haben. Die Bild hatte zuerst berichtet. Der BVB hatte am 5. Oktober mit einem Statement auf die Vorwürfe reagiert. "Zutreffend ist, dass zunächst im Jahre 2010 ein derartiger Vorwurf an Borussia Dortmund herangetragen worden ist", heißt es darin. Allerdings spricht der Verein nicht von sexuellem Missbrauch, sondern von "Näherungsversuchen" gegenüber einem "volljährigen Nachwuchsspieler".
Ergänzte Stellungnahme BVB: Verhalten inakzeptabel und verurteilenswert
Am 9. Oktober veröffentlichte der BVB eine Ergänzung zu seiner Stellungnahme wenige Tage zuvor. Darin erklärte er, dass die erste Stellungnahme inhaltlich auf Basis einer Handakte erfolgt sei, die den Hinweis enthielt, dass der Betroffene volljährig sei. Nach Herausgabe der Stellungnahmen seien jedoch weitere Informationen aufgetaucht.
"Inzwischen haben wir weitere, dem widersprechende Angaben des Betroffenen gefunden, denen zufolge er zur angeblichen Tatzeit noch 17-jährig gewesen sein müsste. Für unseren Umgang mit dem Sachverhalt war und ist das genaue Alter letztlich nicht entscheidend, da ein derartiges Verhalten für uns in jedem Fall inakzeptabel und verurteilenswert wäre."
Ex-Mitarbeiter bestreitet Missbrauch
Der ehemalige Mitarbeiter dementiert die Vorwürfe. In der Stellungnahme schreibt der Verein, dass der Mann "den Vorwurf vollumfänglich bestritt und der ehemalige Spieler keine Strafanzeige stellte." Danach war der Mann weiter für den Verein tätig.
Vor zwei Jahren: weiterer Fall bekannt geworden
Im Jahr 2023 sei dann ein weiterer Fall gemeldet worden, der laut Verein ebenfalls viele Jahrzehnte alt war. Daraufhin habe Borussia Dortmund das Arbeitsverhältnis beendet, der Mann habe den Verein verlassen müssen.
Warum die Fälle erst jetzt publik werden, ist offen. Der BVB verweist auf sein Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt, das unter anderem externe und anonyme Meldestellen, ein Schutzteam sowie Pflichtschulungen für Trainer und Betreuer beinhaltet. Für den Mitarbeiter gilt die Unschuldsvermutung.
Kritik an Aufarbeitung
Immer wieder gab es Kritik an der Aufarbeitung der Vorwürfe seitens des BVB. Diese hatte der heutige Vereinspräsident Hans-Joachim Watzke jedoch stets zurückgewiesen. Er habe das Thema nach der ersten Konfrontation an den damaligen Präsidenten Reinhard Rauball weitergeleitet, "weil das ein e.V.-Thema war", hatte Watzke in einem Interview des Fanzines "schwatzgelb.de" mit Verweis auf den eingetragenen Verein gesagt.
Rauball habe ihm dann einige Wochen später auf Nachfrage gesagt, dass sich alles geklärt habe. "Der Beschuldigte wurde danach wieder mehrfach in den Ältestenrat gewählt und ist ab 2012 Angestellter des e.V. geworden. Das Thema war für mich danach erledigt, weil ich davon ausgegangen bin, dass die Vorwürfe ausgeräumt wurden."
Unsere Quellen:
- Borussia Dortmund, Stellungnahme zur Aufarbeitung
- Borussia Dortmund, Stellungnahme zu Missbrauchsvorwürfen
- Bericht der Bild-Zeitung
- Staatsanwaltschaft Hagen
- Nachrichtenagentur dpa
Sendung: WDR 5: WDR aktuell, 1.12.2025, 19 Uhr