Sexuelle Gewalt: Haftstrafe für Essener Jugendfußballtrainer

Lokalzeit Ruhr 01.10.2025 01:48 Min. Verfügbar bis 01.10.2027 WDR Von Jan Akkermann

Sexuelle Gewalt: Haftstrafe für Essener Jugendfußballtrainer

Stand:

Am Landgericht Essen wurde ein ehemaliger Jugendfußballtrainer zu 13,5 Jahren Haft verurteilt. Er muss 40.000 Euro Schmerzensgeld an seine Opfer zahlen. Der 59-Jährige hat über viele Jahre Jungen aus mehreren Fußball-Vereinen sexuell schwer missbraucht und körperlich misshandelt.

Von Thomas Becker

Fassungslosigkeit und Entsetzen, beides war dem Vorsitzenden Richter am Essener Landgericht bei der Urteilsbegründung anzumerken. Auch nach zwei Monaten Verhandlungsdauer war deutlich zu spüren: Dieses Verfahren hat auch die beteiligten Juristen aufgewühlt.

Jungen vergewaltigt und erniedrigt

"Sie haben eine Spur seelischer Verwüstung hinterlassen", warf der Richter dem Angeklagten vor. In Fußballvereinen in Oberhausen, Mülheim und Essen hatte er Jugendmannschaften trainiert. Überall machte er sich einzelne Jungen sexuell gefügig, durch psychischen Druck und durch brutale körperliche Gewalt.

Insgesamt sechs Opfer listete die Anklageschrift auf. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit haben sie im Verfahren ausgesagt, und das Gericht hatte keinen Zweifel daran, dass ihre Schilderungen der Wahrheit entsprachen.

Richter: Schläge mit Stock, durch einen Elektroschocker

Einiges von dem, was das Gericht mit anhören musste, sprach der Richter in der Urteilsbegründung aus. "Die Kinder wurden nicht nur vergewaltigt, sondern auch erniedrigt, durch Schläge mit einem Stock, durch einen Elektroschocker."

Und der Richter weiter: "Wenn die Kinder vor Schmerzen kaum noch laufen konnten, sagte er: 'Mach´ Maske'. Sie sollten sich nichts anmerken lassen." Und er zitierte die Aussage eines Opfers: "Wenn nicht, dann folgt der Tod. Dann bringe ich dich und deinen Bruder um."

Drohungen an Opfer

Ein anderer Junge sei aus dem Auto vor dem Täter geflüchtet, nach Hause gerannt und habe gesagt: "Der schlägt mich die ganze Zeit. Ich kann nicht mehr." Der Angeklagte sei hinterher gefahren, habe erklärt, der Junge habe beim Training Mist gemacht.

Erst viel später traute sich der Betroffene zu erzählen, was er tatsächlich aushalten musste. Schläge mit einem Elektroschocker und immer wieder Analverkehr.

Ex-Trainer gab sich als Polizist aus

Maskenhaft, fast ohne Regung, hat das Gericht den Angeklagten bei den Aussagen der Opfer erlebt. Alle haben sie jahrelang geschwiegen und dem Täter gelang es, das Vertrauen der Eltern zu gewinnen. Zeitweise behauptete er wahrheitswidrig, er sei Polizist.

Erst im vergangenen Januar ging ein ehemaliger Jugendspieler zur Polizei. Der inzwischen 15-jährige Jugendliche erhob massive Vorwürfe. Kurz darauf kam der Angeklagte in Haft. Schnell wurde klar, dass es noch mehr Opfer geben könnte.

Die Essener Polizei bildete eine eigene Ermittlungskommission und stieß schließlich auf Vorwürfe, die 17 Jahre - also bis ins Jahr 2008 - zurückreichen. Im Prozess kamen sie alle zur Sprache.

Zusätzlich unbefristete Sicherungsverwahrung

Zusätzlich zur Haftstrafe ordnete das Gericht heute die unbefristete Sicherungsverwahrung für den 59-jährigen Ex-Jugendtrainer an. Auch nach seiner Haftentlassung wird er damit weiter hinter Gittern bleiben.

Sexuelle Gewalt: Haftstrafe für Essener Jugendfußballtrainer

WDR Studios NRW 01.10.2025 00:25 Min. Verfügbar bis 01.10.2027 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Landgericht Essen
  • WDR-Reporter vor Ort

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