Solinger Studentin bei "Mond-Mission" im Bunker
WDR. 03:12 Min.. Verfügbar bis 11.06.2028.
Es ist einer dieser Kindheitsträume: "Ich werde Astronautin." Marla Welsch aus Solingen kommt der Verwirklichung dieses Traums Schritt für Schritt näher. Die 26-Jährige nimmt in diesem Jahr an einer sogenannten Analogmission teil – einer Forschungsmission, die das Leben im Weltall simuliert.
Analogmissionen: Leben wie im Weltall
Für zwei Wochen wird sie mit weiteren Studierenden aus ganz Europa in einem ehemaligen Weltkriegsbunker in der Schweiz leben und herausfinden, ob sie dieser Extremsituation gewachsen ist.
Bis auf die fehlende Schwerelosigkeit ist bei einer Analogmission nahezu alles wie bei einem echten Einsatz im All: Isolation, spezielle Astronautennahrung, ein streng getakteter Tagesablauf, wissenschaftliche Experimente, kein Sonnenlicht und keine frische Luft.
Notfallszenarien gehören dazu
Auch Notfallszenarien gehören dazu, die die Teilnehmenden bewältigen müssen. Medizinische Notfälle, Panikattacken, zwischenmenschliche Konflikte. Für viele dieser Szenarien gibt es festgelegte Protokolle. "Es geht bei dieser Analogmission auch darum, zu schauen, ob man für das Leben im All gemacht wäre," sagt Marla.
Für ihre Analogmission, die sogenannte "Asclepios-6-Mission", wurden zehn Astronautinnen und Astronauten ausgewählt. Acht von ihnen werden während der Mission gemeinsam im Bunker leben, zwei übernehmen die Rolle als Reserve-Astronauten. Die Kommunikation läuft komplett auf Englisch ab.
Die Medizinstudentin möchte ins All fliegen
"In hoffentlich 5 bis 10 Jahren fliege ich in's All. Am liebsten zum Mars, weil dort noch nie jemand war." Marla Welsch
Von der Medizinstudentin zur Astronautin
Der Alltag der 26-Jährigen ist bereits jetzt eine Herausforderung: Marla studiert Medizin in Köln. Dazu kommt jede Menge Eigeninitiative. Eigentlich braucht sie 48-Stunden-Tage: Morgens geht sie in die Uni oder im Uniklinikum arbeiten, tägliches Sporttraining, abends kommen dann die Planungen für die Analogmission hinzu.
Jede Woche gibt es Teammeetings und zusätzlich Online-Trainings zu den Themen Ernährung, Medizin oder Kommunikation. Geplant ist auch ein Zero-G-Flug, also ein Flug, bei dem man für kurze Zeit schwerelos ist, sowie Gespräche mit Psychologen.
Das Risiko und die Herausforderung faszinieren sie.
Hunderte Bewerber für zehn Plätze
Dass sie den Platz in der Mission erhalten hat, macht sie stolz: "Es war ein extrem hartes Auswahlverfahren." Sprach- und Kommunikationsfähigkeit, Gedächtnisleistung, Mathematik, Physik, Medizin, Kenntnisse der Raumfahrtgeschichte - über sechs Monate lief das Auswahlverfahren. Sie ist die einzige Medizinerin, die es dieses Mal geschafft hat.
Raketensystem «Artemis 2» auf dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral
Faszination Weltall, schon als Kind
"Als Kind habe ich mit meinem Papa immer in die Sterne geschaut, Sternenbilder gesucht," erinnert sie sich. Für die junge Solingerin war früh klar, dass sie Astronautin werden möchte. Und wer Marla Welsch erlebt, merkt schnell: Dass sie eines Tages tatsächlich ins All fliegt, erscheint längst nicht mehr unrealistisch.
Und was, wenn es doch nicht klappt?
"Für mich gilt: Der Weg ist das Ziel. Ich habe inzwischen mehrfach bewiesen, dass ich die Anforderungen an eine Astronautin erfüllen kann. Deshalb definiere ich meinen Erfolg nicht ausschließlich darüber, ob ich eines Tages tatsächlich ins All fliege."
Quellen:
- WDR-Gespräch mit Marla Welsch
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 10.06.2026, 19:30 Uhr
Erstveröffentlichung am 10.06.2026