Uni Bielefeld forscht an Herzmonitor für Weltraum-Missionen

Lokalzeit OWL 07.08.2025 07:08 Min. Verfügbar bis 07.08.2027 WDR Von Julia Schlöpker

Uni Bielefeld forscht an Herzmonitor für Weltraum-Missionen

Stand:

Gesundheit spielt eine wichtige Rolle - besonders im Weltall, wo ein Krankenhaus weit entfernt ist. Deshalb arbeiten die medizinische Fakultät Bielefeld und die Technische Universität Hamburg gemeinsam an einem Sensor zur Herzüberwachung in Schwerelosigkeit.

Ferne Missionen im Weltall: Dabei kommt es auf sichere Raumanzüge und die Fitness der Astronauten an. Ihr Herz kontinuierlich zu überwachen - das könnte die Aufgabe eines kleinen Sensors sein: dem SpacePatch. Wie gut das in Schwerelosigkeit funktioniert, analysiert Prof. Urs-Vito Albrecht gerade an der Universität Bielefeld.

Herzüberwachung im All

Der Sensor haftet über längere Zeit an Haut oder Kleidung. Er zeigt live und über gespeicherte Daten, wie es dem Herzen geht.

Ein Mann am Schreibtisch der das Gerät für die Mondmission entwickelt.

Prof. Urs-Vito Albrecht analysiert, wie gut die Herzüberwachung in Schwerelosigkeit klappt

Urs-Vito Albrecht erklärt, dass Erkrankungen im All problematisch seien - für die Betroffenen selbst, aber auch für den Erfolg der Mission, besonders auf Langzeitmissionen ohne unmittelbare ärztliche Versorgung.

Anwendung auch bei Polizei und Rettungsdienst

Eine Herzschwäche früh zu erkennen ist nicht nur im Weltraum das Ziel. Urs-Vito Albrecht betont, dass die Sensorik nicht nur im All, sondern auch bei Berufen mit hoher Belastung, wie Polizei oder Rettungsdienst, eingesetzt werden könne.

Astronaut Matthias Maurer testete Vorgängermodell

Auch Astronauten, die auf der Raumstation ISS experimentieren, sind großen Anstrengungen ausgesetzt. Matthias Maurer, einer der zwölf Deutschen, die bisher ins All geflogen sind, trug 2021 den Vorgänger des Sensors.

Astronaut Matthias Maurer auf der ersten SpaceTech.NRW Raumfahrtkonferenz im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR. Köln am 30.04.2025

Matthias Maurer testete das Vorgängermodell des Sensors

Er wurde mit einem speziellen Shirt, das zwei Sensoren enthielt, ins All geschickt, berichtet er im WDR. Dieses Shirt habe er in der Schwerelosigkeit bei verschiedenen Aktivitäten tragen müssen. Als er zurückgekehrt sei, sei er sehr gespannt gewesen. Die Spezialisten hätten die Ergebnisse als sehr positiv bewertet und erklärt, dass die Messwerte genau den Erwartungen entsprochen hätten.

Erdbeschleunigung stört Messung

Aber noch gibt es auf der Erde eine Herausforderung für den SpacePatch: Der sieben Gramm leichte, kabellose Sensor ist hochsensibel und reagiert auf jede Vibration sowie die Schwerkraft.

Gerät für die Mondmission.

Der kabellose Sensor reagiert auf jede Vibration - und auf die Schwerkraft

"Die Erdbeschleunigung nimmt Einfluss auf die Messung und das verzerrt unter Umständen das Signal. In Schwerelosigkeit können wir viel besser differenzieren, welcher Anteil des Signals vom Herzen kommt und welcher vom Sensor selbst", erklärt Urs-Vito Albrecht.

Deshalb testete Albrecht den Sensor bei Flugmanövern mit der TU Hamburg, die den SpacePatch entwickelt hat. Dabei erlebte er mehrfach Schwerelosigkeit. Der Wechsel von extremer Schwere zu plötzlicher Leichtigkeit sei faszinierend, sagt er.

Einsatz bei künftigen Missionen zum Mars oder Mond

Urs-Vito Albrecht will weitere medizinische Daten auswerten - auch mithilfe zusätzlicher Sensoren. Der SpacePatch könnte bei künftigen Missionen zum Mars oder Mond zum Einsatz kommen. Ziel ist eine präzise Herzüberwachung - im All und vielleicht auch auf der Erde.

Unsere Quellen:


  • WDR-Reporterin vor Ort
  • Prof. Urs-Vito Albrecht, Universität Bielefeld
  • Technische Universität Hamburg

Über dieses Thema berichtet der WDR am 07.08.2025 auch im Fernsehen in der Lokalzeit OWL.

Weitere Beiträge aus Ostwestfalen-Lippe

1 / 2