Toter Professor : Haftbefehl in Cold Case aus Hilden aufgehoben
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Ein Mordfall, der vier Jahrzehnte ungelöst blieb: Dann führte neue DNA‑Technik zu einem Verdächtigen. Der in Düsseldorf angeklagte Mann hat die Mordvorwürfe immer bestritten. Mitte April war der Hildener Cold-Case-Fall überraschend eingestellt worden. Die Staatsanwaltschaft will das jetzt anfechten.
In Hilden wurde im April 1984 ein Professor in seinem Haus erstochen. Jahrzehntelang blieb der Fall ungelöst. Seit zwei Monaten stand jetzt ein 63‑jähriger Italiener als mutmaßlicher Täter wegen Mordes in Düsseldorf vor Gericht. Er hat die Vorwürfe immer bestritten.
Mitte April hob das Gericht den Haftbefehl auf und ordnete die Freilassung des Angeklagten an - wegen eines "Verfahrenshindernisses", wie es heißt. Die Staatsanwaltschaft will das Urteil des Landgerichs in der Revision anfechten, wie der zuständige Staatsanwalt jetzt auf Anfrage mitteilt.
Mordmerkmal nicht nachweisbar
Der Richter begründete die Einstellung des Verfahrens damit, dass "wir nicht mit der nötigen Sicherheit zweifelsfrei feststellen konnten, dass das Opfer zur Tatzeit arg- und wehrlos war" und so heimtückisch getötet wurde. Und Heimtücke ist ein Mordmerkmal.
Im Prozess hatte der Richter erklärt, es sei eher unwahrscheinlich, dass ein anderer als der Angeklagte die Tat begangen habe. Denn der Mann habe seine Fingerabdruck- und DNA-Spuren am Tatort "tatzeitnah" hinterlassen und die Tat einem Zeugen zufolge später eingeräumt.
Dem Gericht wäre deshalb nur geblieben, den Angeklagten wegen Totschlags zu verurteilen. Das Problem: Totschlag verjährt nach 20 Jahren. Mord dagegen nie.
Professor 1984 erstochen aufgefunden
Der Hildener Professor war im April 1984 in seinem Wohnhaus in Hilden erstochen und am 10. April aufgefunden worden. 24 Messerstiche in Rücken, Nacken und dem rechten Brustbereich wurden damals festgestellt. Fast 42 Jahre später begann in Düsseldorf der Prozess gegen den heute 63 Jahre alten Mann aus Italien. Zur Tatzeit war er 21 Jahre alt und soll als Prostituierter gearbeitet haben.
So kam der Angeklagte ins Visier der Polizei
Ermittler hatten einen Fingerabdruck des Angeklagten an einem Teller in der Küche des Opfers entdeckt und DNA-Spuren an der Leiche und im Schlafzimmer gefunden. Verteidigerin Hannah Piel hatte beim Prozessauftakt gesagt, ihr Mandant beteuere seine Unschuld. An der Leiche des Professors sei DNA von vier verschiedenen Männern entdeckt worden.
Urteil nicht rechtskräftig
"Ich habe lebenslange Haft wegen Mordes gefordert", betonte der Staatsanwalt Mitte April auf dem Gerichtsflur. Er ist weiterhin davon überzeugt, dass der Angeklagte den Professor damals heimtückisch getötet habe. Die Verteidigerin des Italieners erklärte auf Nachfrage, "ich hätte einen Freispruch für richtig gehalten".
Unsere Quellen:
- Reporter im Gericht
- Verteidigerin Hannah Piel
- Staatsanwaltschaft Düsseldorf
Sendung: WDR.de, Toter Professor aus Hilden: Haftbefehl in Cold Case aufgehoben, 13.04.2026, 16.30 Uhr