Putri Jelita hat sich bewusst für eine Ausbildung in der Pflege entschieden
WDR. 06:55 Min.. Verfügbar bis 11.03.2037.
Putri Jelita (r.) befindet sich kurz vor Abschluss ihrer Ausbildung zur Pflegefachkraft. Tanja Gohl (hinten) begleitet die Auszubildende an diesem Tag zu ihrem Einsatz.
Mit einem Quietschen zieht sich Putri Jelita blaue Gummihandschuhe an. "Nicht erschrecken, Achtung, Pieks", sagt sie, als sie mit einer Lanzette in den Mittelfinger ihres Gegenübers sticht. Den kleinen Tropfen Blut, der aus der Fingerkuppe kommt, wischt Jelita mit einem Tupfer weg, presst die Kuppe erneut und greift zum Messgerät: "Man sieht, dass Sie schon gefrühstückt haben, Herr Otten", sagt die 28-Jährige nachdem sie den Blutzucker überprüft hat.
Ausbildungsreform macht Beruf attraktiver
Handgriffe wie diese sind für Putri Jelita mittlerweile Routine. Die gebürtige Indonesierin steht kurz vor ihren Abschlussprüfungen zur Pflegefachkraft. Sie ist Teil einer Entwicklung in Deutschland, die von vielen begrüßt wird: Seit ein paar Jahren entscheiden sich immer mehr Menschen für eine Ausbildung in der Pflege. Hintergrund ist eine Ausbildungsreform 2020.
Seit Einführung der generalistischen Pflegeausbildung können sich Auszubildende jetzt im dritten Jahr spezialisieren. Jasmin Shmalia, Pflegedirektorin am Uniklinikum Aachen
Zuvor mussten sich Azubis gleich zu Beginn ihrer Ausbildung für eine Fachrichtung entscheiden. Diese Reform habe die Ausbildung also attraktiver gemacht. Das lässt sich auch in der Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge beobachten: In NRW begannen im Jahr 2020 14.457 Personen die generalistische Pflegeausbildung. 2024 stieg diese Zahl auf 16.937.
Mehr Auszubildende auch in der Städteregion, Düren und Heinsberg
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Region wider: Laut Deutschem Institut für angewandte Pflegeforschung (DIP) stieg die Zahl der Auszubildenden in der Städteregion Aachen von 510 im Jahr 2020 auf 750 im Jahr 2024. Einen Azubi-Zuwachs verzeichnete auch der Kreis Düren. Von 2020 auf 2024 stieg hier die Azubianzahl von 183 auf 273. Im Kreis Heinsberg starteten 282 Personen im Jahr 2020 in die Ausbildung. 2024 waren es 348.
Auch Sicherheit und Wirtschaftslage spielen eine Rolle
Pflegewissenschaftler Prof. Dr. Michael Isfort beobachtet die Entwicklung der Pflegebranche.
Aber nicht nur die Ausbildungsreform führt dazu, dass sich mehr Menschen für diesen Beruf entscheiden. "Die Pflege bietet einen sicheren und sehr sinnvollen Job mit einer Arbeitsplatzgarantie" sagt Prof. Michael Isfort.
"Veränderungen, wie durch KI in anderen Bereichen befürchtet werden, sind in der Pflege geringer zu erwarten - auch das ist relevant", erklärt der Wissenschafter. Generell steige das Interesse an sozialen Berufen dann, wenn andere Bereiche der Wirtschaft in Schwierigkeiten geraten, führt Isfort aus.
"Die Pflege bietet einen sicheren und sehr sinnvollen Job mit einer Arbeitsplatzgarantie." Prof. Michael Isfort, Pflegewissenschaftler
"Klar, man muss Blut sehen, mit Schwerstkranken umgehen oder im Schichtsystem arbeiten können", berichtet Pflegedirektorin Jasmin Shmalia, die selbst gelernte Pflegerin ist.
Putri Jelita möchte nach ihrem Abschluss erstmal arbeiten. Später kann sie sich vorstellen noch eine Fortbildung zu machen.
Wer mit den Herausforderungen und Schwierigkeiten aber umgehen könne, mache die Arbeit gerne bis zur Rente. Zudem gebe es inzwischen auch viele Weiterbildungsmöglichkeiten. Und diese Perspektive hat auch Putri Jelita im Blick. Ein oder zwei Jahre möchte sie nach ihrem Abschluss im Beruf arbeiten. "Dann möchte ich mich weiterentwickeln, eine Weiterbildung machen", sagt Jelita.
Unsere Quellen:
- Jasmin Shmalia, Pflegedirektorin am Uniklinikum Aachen
- Prof. Michael Isfort, Pflegewissenschaftler
- Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung
- Mitteilung des NRW-Gesundheitsministerium
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Aachen, 29.05.2026, 19:30 Uhr