Maastrichter Matthiaskirche hat wieder viele Gäste
WDR. 03:20 Min.. Verfügbar bis 11.03.2028.
Kirchenaustritte : Maastrichter Pastor füllt auf Englisch seine Kirche
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In Deutschland sind 2025 rund 300.000 Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten. Dass es auch anders geht, zeigt die Matthiaskirche in Maastricht. Ende 2023 kamen nur rund 30 Menschen zur Sonntagsmesse, jetzt sind es bis zu 300. Eine einzige Maßnahme hat dafür den Weg geebnet.
Studierende treffen ihre Freunde in der Kneipe oder im Café - oder? Für Louise Klees geht es woanders hin. Wenn die 23-Jährige am Sonntagabend durch die lebendige Marktstraße von Maastricht läuft, lässt sie die vollen, sonnendurchfluteten Terrassen links liegen und steuert zielgerichtet auf eine Gruppe von Studentinnen vor einer Kirche zu.
Obwohl sie gerade einmal sechs Monate in der Stadt wohnt, ist sie nie einsam. "Ich verbringe fast jeden Tag mit ihnen. Ohne die Kirche hätte ich sie überhaupt nicht kennengelernt, hätte ich bestimmt nicht so viele Freunde", sagt Louise.
Kirche wird zum Treffpunkt für Studierende
Louise ist in der Nähe von Mönchengladbach aufgewachsen und studiert Rechtspsychologie
Wie jeden Sonntagabend geht die Gruppe heute Abend zur Messe in St. Matthias. Eine unauffällige Kirche, eingebettet zwischen Bürgerhäusern im Maastrichter Zentrum. Sie zieht viele Studierende wie Louise an. Aber das war nicht immer so. Als Pastor John Dautzenberg 2023 die Gemeinde übernahm, war die Kirche kaum besucht.
"Da war kaum etwas los - und die Jugendlichen, die kamen erst recht nicht in die Kirche!" John Dautzenberg, Pastor Matthiaskirche
Eine Maßnahme mit großen Folgen
Ein Blick in die Sakristei, neben dem großen Kirchensaal, wo die Vorbereitungen für die Messe laufen: ein Raum von der Größe eines kleinen Klassenzimmers, Kreuze an den Wänden, große Holzschränke mit weißen liturgischen Gewändern. Pastor Dautzenberg zieht sich an: ein Gewand, einen Mantel, eine Schärpe. Im September 2023 traf der 62-Jährige die Entscheidung, die Messe auf Englisch zu halten. Eine logische Entscheidung in einer Stadt, in der internationale Studierende fünf Prozent der rund 120.000 Einwohner ausmachen.
Der Pastor kommt jeden Sonntag auf dem Fahrrad zur Messe.
Der Erfolg kam trotzdem unerwartet. Die Zahl der Besucher hat sich vervielfacht und erreicht an Feiertagen bis zu 300. "Dann gibt es keine Sitzplätze mehr, und die Menschen stehen an den Wänden, um mitzufeiern", sagt Dautzenberg. Hinter ihm besprechen die Messdiener in Gewändern den Ablauf der Messe. An diesem Abend ist es ruhiger in der Kirche - in St. Matthias findet man mit etwas Suchen noch einen Sitzplatz.
Dautzenberg findet es schwierig, den Erfolg zu erklären. "Die Menschen finden es schön, zusammenzukommen", sagt er. "Am Anfang der Messe fordere ich alle auf, sich die Hand zu geben. Wir machen keine Partys, wir zeigen keine Filme - aber die Menschen suchen Gemeinschaft, und wir bieten die Möglichkeit, sie zu finden."
Nicht nur internationale Studierende
Gemeinschaft - der Begriff nimmt während der Messe unterschiedliche Formen an. Vom Chor, der von einem großen Balkon singt, über die Messdiener bis zu den Frauen, die mit dem Kollektenkorb durch die Reihen gehen. Auch Louise beteiligt sich und liest eine Passage aus der Bibel vor.
Die charmante Kirche liegt in der Maastrichtener Innenstadt, direkt neben dem Marktplatz.
Und es sind nicht nur internationale Studierende: Familien, ältere Menschen und niederländische Besucher sind ebenfalls dabei. Nach der Messe, beim gemeinsamen Kaffee- und Teetrinken, sagt Tobias, Student der Betriebswirtschaftslehre: "Ich war zuerst in anderen Messen, aber dort waren vor allem ältere Leute. Hier ist mehr Verbindung, mehr Energie."
Ein Modell für Aachen?
Als Studentenstadt hat auch Aachen viele internationale Studierende. Ein direkter Vergleich mit Maastricht ist jedoch nicht einfach, sagt Studierendenpfarrer Matthias Fritz, dessen Hochschulgemeinde sonntags um 19 Uhr eine Messe veranstaltet. Diese zählt durchschnittlich 30 bis 40 Besucher. Gleichzeitig beobachtet er ein großes Bedürfnis nach Gemeinschaft. "In unseren Beratungsgesprächen ist häufig von Einsamkeit die Rede. Deshalb veranstalten wir auch am ersten Mittwoch des Monats einen Brettspielabend und organisieren nach der Sonntagsmesse regelmäßige Treffen."
Für Louise aus Maastricht ist der Kaffee in der Regel nur ein Zwischenstopp. Nach dem Gottesdienst trifft sich ihr Freundeskreis oft noch zum Kochen. In allen drei Städten, in denen sie bisher studiert hat, hat sie über die Kirche Freunde gefunden. Sie blickt zuversichtlich in die Zukunft der katholischen Kirche: "An Ostern gab es bei uns noch sieben Leute, die ihre Sakramente empfangen haben. Ich glaube, dass die Kirche noch mal sehr groß, sehr lebendig wird."
Unsere Quellen:
- Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Maastrichter Matthiaskirche hat wieder viele Gäste, 05.05.2026, 8 Uhr
Erstveröffentlichung am 05.05.2026
