Kirchturm in Essen wird abgerissen: Anwohner reagieren emotional
WDR. 01:24 Min.. Verfügbar bis 11.03.2028.
Bei strahlendem Sonnenschein sind die Abrissarbeiten des Kirchturms der ehemaligen St. Paulus Kirche in Essen-Gerschede am Dienstag (14. April) fortgesetzt worden. Nicht so strahlend fällt die Reaktion der Menschen in der Nähe aus. Ganz im Gegenteil: Die Anwohner wollten ihren Kirchturm behalten, verbinden langjährige Erinnerungen mit dem Turm.
Mehr noch: Für die Menschen in Essen-Gerschede ist er das Wahrzeichen des Stadtteils. Schon vor wenigen Jahren wurde die Kirche St. Paulus abgerissen, denn ab Sommer soll hier das neue Hospiz Cosmas & Damian entstehen. Der Turm sollte eigentlich bleiben und in den Neubau integriert werden. So hatte es die Caritas, die das Gebäude gekauft hat, seinerzeit versprochen.
"Turm stellt Sicherheitsrisiko dar"
Doch dann die bittere Nachricht: Der Turm muss abgerissen werden. Eine Prüfung habe ergeben: Die Grundbruchsicherheit ist nicht gewährleistet, der Turm ist nicht standsicher, konstatiert die Baugesellschaft Sudbrack.
"Der Turm ist nicht nur während des Baus mit unkalkulierbaren Risiken für Leib und Leben verbunden." Roland Riestenpatt, Geschäftsführer der Baugesellschaft Sudbrack.
Neues Hospiz wird durch Spenden finanziert
Diesen zu erhalten sei wirtschaftlich nicht denkbar. Die Kosten seien zu hoch. Der Neubau des Hospizes wird zum großen Teil durch Spenden finanziert. "Diese Spenden sollen in vollem Umfang unseren Hospizgästen und ihren Angehörigen zugutekommen", sagte der Geschäftsführer der Caritas-SkF-Essen gGmbH Andreas Bierod.
Angela wohnt direkt um die Ecke, kennt den Kirchturm viele Jahre. Zu sehen wie der Turm jetzt Stück für Stück wegkommt, bewegt sie:
"Dass die Kirche schon weggekommen ist, fanden wir schon alle sehr traurig. Wir waren eine lebendige Gemeinde, die Kirche war immer voll. Jetzt wird auch noch der Kirchturm abgerissen, das finden wir alle sehr schade." Anwohnerin Angela aus Essen-Gerschede
Hospiz soll mit Zimmer für Angehörige ausgestattet werden
Innerhalb von 16 Monaten soll auf dem Gelände der ehemaligen Kirche St. Paulus das neue Hospiz entstehen. Mit elf Einzelzimmern, angeschlossenen Bädern und barrierefrei zugänglichem Balkon.
Außerdem sind Gemeinschaftsräume wie ein Wohnzimmer, Essbereich, eine Küche und eine Loggia geplant. Angehörige sollen zudem die Möglichkeit bekommen dort zu übernachten.
Anwohner reagieren emotional auf Abriss
Einige Menschen in Essen-Gerschede sind gekommen, um dem Abriss zuzusehen. Auch wenn sie den Bau des Hospizes gut finden, sind sie traurig. Kommunion, Taufe, Hochzeit - besondere Ereignisse haben hier stattgefunden. Schon der Abriss der Kirche vor einigen Jahren war ein Schmerz, jetzt trifft es auch den Kirchturm.
Unsere Quellen:
- Caritas-SkF-Essen
- WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR.de, Kirchturm in Essen wird abgerissen: Anwohner reagieren emotional, 14.04.2026, 14:45 Uhr
