Klimabilanz 2025 | Aktuelle Stunde

WDR 06:43 Min. Verfügbar bis 11.03.2028

Klimabilanz: Forscher kritisiert fehlenden Plan der Bundesregierung

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Für Deutschland wird es eng mit den selbst gesteckten Klimazielen. Fazit der aktuellen Klimabilanz: Der Klimaschutz in Deutschland ist 2025 kaum vorangekommen, Treibhausgasemissionen sanken nur minimal. Es fehle ein Fahrplan, kritisiert Klimaforscher Mojib Latif. Außerdem würden Mobilitätswende und Wärmewende gerade ausgebremst.

Von Katja Goebel

Die Bundesregierung hat am Samstag ihre Klimabilanz für 2025 vorgestellt. Das Ergebnis: Der Rückgang klimaschädlicher Emissionen in Deutschland hat sich verlangsamt. Und das, obwohl Deutschland hoch gesteckte Ziele hat - nämlich bis 2045 klimaneutral zu werden. Vor allem die Bereiche Gebäude und Verkehr hinken hinterher. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) sprach von einer "Stagnation in vielen Bereichen" und kritisierte "zu kleine Fortschritte."

Um die Klimaziele für 2030 noch zu erreichen, müssten die Emissionen jedes Jahr um bis zu 41 Millionen Tonnen sinken. 2025 gingen sie aber nur um knapp eine Million zurück. Wie passen Wunsch und Wirklichkeit zusammen? Und warum geht es so langsam voran?

Klimaforscher: Zu wenig konkrete Pläne

Die Ambitionen, was den Klimaschutz angehe, ließen gerade ziemlich nach, kritisiert Klimaforscher Mojib Latif. "Die erneuerbaren Energien werden wieder zurückgedrängt. Wir sehen das bei der Förderung der Solarenergie und der Hinwendung der fossilen Energien, insbesondere Erdgas. Das alles ist nicht geeignet, um unsere eigenen Klimaschutzziele zu erreichen."

Klimaforscher Latif über die Klimabilanz | WDR aktuell

WDR 00:18 Min. Verfügbar bis 14.03.2028

"Wir erleben gerade einen Rollback." Klimaforscher Mojib Latif

Hinzu käme, dass eine Mobilitätswende offensichtlich gar nicht mehr in Angriff genommen werde. Man habe sich dafür eingesetzt, dass das Verbrenner-Aus nach hinten geschoben wurde. "Hinter den Kulissen arbeitet man vielleicht schon daran, dass der European Green Deal aufgeweicht und dann vielleicht ganz abgeschafft wird."

Sorgenkinder: Verkehr und Wärme

Zwei Sorgenkinder hat Mojib Latif in Deutschland ausgemacht - nämlich den Verkehr- und den Gebäudesektor. Dort seien die Widerstände besonders groß. "Da geht es um große Investitionen. Und in Zeiten knapper Kassen ist man nicht bereit, diese Investitionen durch staatliche Mittel zu unterstützen."

"Die Bundesregierung scheint die Mobilitätswende und die Wärmewende ausbremsen zu wollen." Klimaforscher Mojib Latif

Und es gebe natürlich eine Lobby, die kein Interesse habe, ihr altes Geschäftsmodell aufzugeben: "Stichwort Automobilindustrie." Im Gebäudebereich gebe es außerdem den ewigen Streit, wie man die Kosten zwischen Mietern und Vermietern aufteile.

Was müsste die Bundesregierung tun? Da fordert Latif eine klare Strategie statt ewiges Hin und Zurück. "Das verunsichert die Menschen." Solange es keine Sicherheit gäbe, wo Deutschland hin will, würden die Menschen auch nicht investieren.

"Bedenken gegen erneuerbare Energien bröckeln"

Doch der Klimaforscher will auch die guten Seiten betonen. Im Stromsektor beispielsweise, würden viele Menschen ihre Bedenken gegen die erneuerbaren Energien langsam ablegen.

"Immer mehr Menschen begreifen, dass wir unabhängiger werden müssen" Mojib Latif

Beim Klimaschutz gehe es um viel mehr als das Klima. Es gehe um wirtschaftliche Entwicklung und Unabhängigkeit - also darum, weniger erpressbar zu sein. "Wir sehen das bei der Elektromobilität: Wer da nicht vorne auf der Lokomotive sitzt, der wird auch wirtschaftliche Nachteile haben und am Ende des Tages auch seinen Wohlstand verlieren."

"Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander"

Niklas Höhne vom New Climate Institute

Niklas Höhne vom New Climate Institute

Anspruch und Wirklichkeit klafften weiter auseinander, sagt auch Klimaexperte Niklas Höhne vom New Climate Institute gegenüber dem WDR. "Wir sind länger abhängig von Import von teuren und unsicheren fossilen Energien."

Dass Öl- und Gasheizungen nun noch länger laufen, gehe in die falsche Richtung. Die Herausforderung für den Umweltbundesminister werde nun noch viel größer. "Er muss ein neues Klimaschutzprogramm in den nächsten zwei Wochen zusammenstellen, das diese Lücke schließt und das wird sehr schwierig." Das neues Klimaschutzprogramm soll am 25. März 2026 im Kabinett beschlossen werden.

Hausbesitzer müssten selbst entscheiden, wie die Zukunft aussieht.

"Die Zukunft sieht so aus, dass die Fossilen deutlich teurer werden. Und das kann man damit umgehen, dass man jetzt ein vielleicht etwas teureres Elektroauto oder eine heute vielleicht etwas teurere Wärmepumpe kauft." Niklas Höhne vom New Climate Institute

Viele entscheiden sich weiterhin für Gasheizung

Heizungsbauer Ulrich Menck

Heizungsbauer Ulrich Menck

Aktuell stellt Wirtschaftsministerin Katharina Reiche die Solarförderung in Frage und will stärker auf Gas setzten. Dazu dürfen im Gebäudebereich jetzt weiter Öl- und Gasheizungen verbaut werden. Und es gebe nicht wenige Kunden, die das auch tun würden, glaubt zum Beispiel Ulrich Menck, Heizungsbauer aus Bergisch Gladbach. Er schätzt, dass sich 30 bis 40 Prozent weiterhin für eine Öl- oder Gasheizung entscheiden.

Der Wald hat sich wieder etwas erholt - auch in NRW

Etwas Erfreulicheres gab es bei der Vorstellung der Klimabilanz trotzdem auch zu berichten. Zum Beispiel in Sachen Wald. Der hatte in der Trockenheit von 2018 bis 2023 zwar sehr gelitten, sich dann aber bis 2025 wieder soweit erholt, dass er mehr CO2 aus der Atmosphäre aufgenommen hat, als er selbst produziert.

Und auch in NRW hat sich der Wald nach den trockenen Jahren wieder etwas erholt. Doch eine Entwarnung ist das nicht. Laut dem Waldzustandsbericht sind in NRW schon jetzt ein Drittel der Bäume geschädigt, auch wenn sich die Situation etwas verbessert hat.

Experten hierzulande tüfteln deshalb weiter am Zukunftswald - mit hitzeresistenteren Bäumen. Der Wald muss breiter aufgestellt werden. "Mischen, mischen, mischen", lautet zum Beispiel die Devise von Holger-Karsten Raguse, der das Regionalforstamt Ostwestfalen-Lippe leitet. Und noch etwas sei wichtig: "Die Bestände nur ganz vorsichtig zu bewirtschaften, also nur wenige Bäume entnehmen."

Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Klimaforscher Mojib Latif in der Sendung WDR Aktuell vom 14.03.2026
  • Gespräch mit Niklas Höhne vom New Climate Institute, Aktuelle Stunde vom 14.03.2026
  • Gespräch mit Heizungsbauer Ulrich Menck
  • Gespräch mit Förster Holger-Karsten Raguse
  • Umweltbundesamt
  • Bundeswirtschaftsministerium
  • Nachrichtenagentur AFP

Sendung: WDR Fernsehen, WDR Aktuell, 14.03.2026, 12:45 Uhr

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