Forst in NRW kämpft mit Klimafolgen und passt sich an
Lokalzeit OWL. 06.03.2026. 01:46 Min.. Verfügbar bis 06.03.2028. WDR. Von Jan-Ole Niermann.
"Die bekommt jetzt hier Licht von allen Seiten", sagt Dieter Wortmeier und bückt sich zu einer kleinen Kiefer herunter, "die braucht viel Licht, über 70 Zentimeter hat die Kiefer in einem Jahr dazu gewonnen. Enorm!" Der noch zarte, grüne nadelige Baum ist für Dieter Wortmeier ein gutes Zeichen dafür, dass der Wald sich hier unterhalb des Bielefelder Fernsehturms etwas vom Kahlschlag der vergangenen Jahre erholt.
Wortmeier ist zusammen mit Holger-Karsten Raguse unterwegs, der das Regionalforstamt OWL leitet. Beide sind seit Jahrzehnten für den Landesbetrieb Wald und Holz im Teutoburger Wald unterwegs.
Sie sind auf dem Weg zu einer besonders kahlen Stelle. 2018 tobte Sturm Friederike, dann kamen Trockenheit und Borkenkäfer, erzählen die beiden Förster auf dem Weg. Hohe Bäume, die für Schatten sorgen, gibt es hier kaum noch: "Die Fichten sind alle gestorben, deswegen sieht es jetzt so aus, wie es aussieht, wir haben keinen geschlossenen Fichtenbestand mehr."
Wald erholt sich etwas nach sehr trockenen Jahren
Förster Dieter Wortmeier im Teutoburger Wald.
Die beiden Förster laufen weiter, immer wieder lassen sie den Blick schweifen über die kahle Fläche: Einzelne Fichten stehen noch, ansonsten wachsen am Boden Büsche und Sträucher. Dazwischen dünne, zarte Stämme neuer Bäume: "Zukunftswald, weil es wird wieder Wald. Wir haben mit der Birke wieder etwas stehen", erklärt Holger-Karsten Raguse. Das Ziel sei ein gemischter Wald.
Dazu gehören auch Experimente mit verschiedenen Arten. Neben heimischen Bäumen probiere man vereinzelte auch Sorten aus wärmeren Regionen aus: "Südeuropa, Toskana, Frankreich, Libanon, Türkei - was wächst da? Mit den Baumarten haben wir aber bisher noch wenig Erfahrung." Dabei müsse man auch beobachten, wie die Bäume mit dem Winter in NRW zurecht kommen.
Studie prognostiziert verschiedene Klimafolgen
Welche Auswirkungen der Klimawandel langfristig auf den Wald in Europa haben könnte, hat nun eine Studie der Technischen Universität München untersucht:
Dafür haben die Forscherinnen und Forscher mit einem KI-Modell Wald- und Satellitendaten ausgewertet. Bis ins Jahr 2100 könnten sich Brände und Schädlingsbefall mehr als verdoppeln. Rubert Seidl, Professor für Ökosystemdynamik und Waldmanagement, hat das Forschungsprojekt geleitet. "Wir sehen kurz bis mittelfristig, dass die Waldschäden in Europa. Also Schäden durch Borkenkäfer, Waldbrand und Windwurf werden weiter ansteigen."
Ab der Mitte des Jahrhunderts gebe es dann mehrere Szenarien. Je nachdem, wie sich der Klimaschutz entwickele, erklärt Seidl.
"Wenn wir weiter auf einem sehr hohen Emissionsniveau verbleiben, dann nehmen die Waldschäden weiter zu." Rubert Seidl, Professor für Ökosystemdynamik und Waldmanagement, TU München
Förster zeigt Knospe einer Buche.
Bis 2100 könnten sich die Waldschäden sogar verdoppeln. "Wir werden viele Lücken durch diese Waldschäden haben und der Wald wird jünger werden", verdeutlicht Seidl.
Laut dem Waldzustandsbericht sind in NRW schon jetzt ein Drittel der Bäume geschädigt, auch wenn sich die Situation etwas verbessert hat. Für den Förster Raguse geht es darum, den Wald breiter aufzustellen: "Mischen, mischen, mischen, damit wir einfach eine Risikoverteilung haben", sagt er unter hohen, alten Eichenbäumen auf dem Kamm des Teutoburger Walds und es sei wichtig, "die Bestände nur ganz vorsichtig zu bewirtschaften, also nur wenige Bäume zu entnehmen!"
Unsere Quellen:
- Recherche vor Ort
- Technische Universität München
- Waldzustandsbericht 2025
Sendung: WDR 5, Morgenecho, 06.03.2026, 06.14 Uhr
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