Nahaufnahme Friedhofsgarten: Neues Bestattungsgesetz in Rheinland-Pfalz
Aktuelle Stunde . 27.09.2025. 28:52 Min.. UT. Verfügbar bis 27.09.2027. WDR. Von Kristina Klusen.
Ein geliebter Mensch ist gestorben, der Abschied ist meistens sehr emotional. Bei der Bestattung gelten allerdings in den meisten Bundesländern oft ziemlich starre Regeln. In Rheinland-Pfalz sind sie jetzt gelockert: Seit Samstag, 27. September, ist das reformierte Bestattungsgesetz in Kraft.
- Was genau sieht das neue Bestattungsgesetz in Rheinland-Pfalz vor?
- Für wen gilt dieses neue Gesetz in Rheinland-Pfalz?
- Welche Regelungen gelten derzeit bei uns in NRW?
- Was ist, wenn die Asche von einem verstorbenen Menschen aus NRW im Rhein bestattet werden soll?
- Ist eine Urnenbeisetzung in der Nord- oder in der Ostsee in Deutschland erlaubt?
- Wie sieht eine Waldbestattung in NRW aus?
- Was sieht Bremens neue Friedhofsordnung vor?
- Muss deutschlandweit die Bestattungskultur moderner werden?
Was genau sieht das neue Bestattungsgesetz in Rheinland-Pfalz vor?
In dem neuen Gesetz gibt es unter anderem folgende Regelungen:
- Das Gesetz sieht eine weitgehende Abkehr von der Friedhofpflicht vor. So ist nun möglich, die Totenasche ohne Bestattung außerhalb von Friedhofen aufzubewahren – zum Beispiel zu Hause.
- Ebenso ist die Weiterverarbeitung der Totenasche zu einem "Diamanten" nach Schweizer Vorbild erlaubt. Wurde ein Diamant angefertigt, wird es Pflicht, dass die übrige Totenasche auf einem Friedhof bestattet wird.
- Die sogenannte Tuchbestattung - also ohne Sarg - ist unabhängig vom religiösen Bekenntnis der Verstorbenen erlaubt.
- Gleiches gilt für Flussbestattungen in Rhein, Mosel, Saar und Lahn.
- Ausschließlich Bestatterinnen oder Bestatter sind berechtigt, Totenasche außerhalb von Friedhöfen zu verstreuen.
- Ebenfalls nur Fachkräfte sollen dafür zuständig sein, wenn die Totenasche für mehrere Angehörige in kleinere Urnen aufgeteilt werden soll.
Für wen gilt dieses neue Gesetz in Rheinland-Pfalz?
Voraussetzung ist, dass Verstorbene ihren letzten Hauptwohnsitz in Rheinland-Pfalz hatten. Und sie müssen zu Lebzeiten in einer Verfügung schriftlich festgelegt haben, welche Art der Bestattung sie wünschen und jemanden benennen, der sich um die Ausführung kümmert.
Welche Regelungen gelten derzeit bei uns in NRW?
In NRW gelten laut dem Gesetz über das Friedhofs- und Bestattungswesen unter anderem folgende Regeln:
- Verstorbene werden in aller Regel auf einem Friedhof bestattet – entweder als Erd- oder als Feuerbestattung.
- Auch Waldbestattungen sind möglich. Es gibt mehrere Bestattungswälder - auch Friedwald oder Ruheforst genannt - in NRW.
- Art und Ort der Bestattung richten sich nach den Wünschen der verstorbenen Person, sofern sie das 14. Lebensjahr vollendet hat und nicht geschäftsunfähig war.
- Es gelten bestimmte Beisetzungsfristen. So muss die Einäscherung oder Erdbestattung innerhalb von zehn Tagen stattfinden. Nach der Einäscherung ist es Pflicht, die Urne innerhalb von sechs Wochen beizusetzen.
- Der Leichnam ist spätestens 36 Stunden nach Todeseintritt in eine Leichenhalle zu überführen.
Was ist, wenn die Asche von einem verstorbenen Menschen aus NRW im Rhein bestattet werden soll?
David Roth
Entlang des Rheins in NRW ist das verboten. "Es gibt aber die legale Möglichkeit, die Asche Verstorbener zum Beispiel in den Niederlanden im Rhein bestatten zu lassen", sagte David Roth vom Bestattungsunternehmen Pütz-Roth in Bergisch Gladbach dem WDR. Damit müsste dann ein zertifiziertes Bestattungsunternehmen in den Niederlanden beauftragt werden. Laut Verbraucherinitiative Aeternitas nutzen viele Deutsche die legale Option, die Asche Verstorbener beispielsweise auch in Österreich oder Tschechien in Flüssen beisetzen zu lassen.
Ist eine Urnenbeisetzung in der Nord- oder in der Ostsee in Deutschland erlaubt?
"Ja, das ist möglich", so Roth. Auch die Asche von Verstorbenen etwa aus NRW kann in der Nord- oder in der Ostsee beigesetzt werden.
Wie sieht eine Waldbestattung in NRW aus?
Die Bestattung im Wald ist eine Alternative zum klassischen Friedhof. Dabei ruht die Asche von Verstorbenen in biologisch abbaubaren Urnen unter Bäumen. Nur eine kleine Namenstafel am Baum weist darauf hin, Grabschmuck ist nicht erlaubt. Die Waldbestattung ist in NRW derzeit an mehreren Standorten möglich.
Friedwald in Dormagen
Den Wäldern sieht man ihre Nutzung als letzte Ruhestätte dabei nicht an. Die Bäume, die als Bestattungsplätze zur Verfügung stehen, sind durch farbige Bänder gekennzeichnet. Bäume, an denen bereits Menschen ihre letzte Ruhe gefunden haben, zieren häufig kleine Namenstafeln. Beisetzungen sind nicht anonym, da jeder Baum mit einer Baumnummer versehen und in ein Baumregister eingetragen ist.
Was sieht Bremens neue Friedhofsordnung vor?
Ein neues Gesetz sieht gemeinsame Mensch-Haustier-Gräber auf stadteigenen Friedhöfen in Bremen und Bremerhaven vor. Damit können Bremer zusammen mit ihren eingeäscherten Haustieren als Grabbeigabe bestattet werden. Bisher war das in Bremen nicht ausdrücklich erlaubt. In Kraft tritt das neue Gesetz voraussichtlich kommende Woche.
Muss deutschlandweit die Bestattungskultur moderner werden?
"Definitiv", sagte Bestatter Roth. Die Bestattungskultur müsse sich in allen Bundesländern mehr nach den Wünschen der Menschen und den Lebensbedingungen der Hinterbliebenen richten. Die Abkehr in Rheinland-Pfalz von der Friedhofspflicht entspreche den Bedürfnissen von vielen. Daneben müsste auch das Umbetten einer Urne leichter werden. Das sei beispielsweise wichtig, wenn ein Umzug der Hinterbliebenen an einen weit entfernten Ort ansteht, der den Grabstättenbesuch unzumutbar macht.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagentur epd
- Gespräch mit David Roth, Mitglied der Geschäftsführung des Bestattungsunternehmens Pütz-Roth in Bergisch Gladbach
- Verbraucherinitiative Aeternitas
- Friedwald