Autogipfel: Förderung beim Kauf von E-Autos und keine Einigung beim Verbrenner-Aus

Aktuelle Stunde 09.10.2025 27:47 Min. Verfügbar bis 09.10.2027 WDR Von Andreas Hodapp

"Autogipfel" in Berlin - Wie geht es der Autoindustrie in NRW?

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Auto-Industrie in der Krise: Ein "Autogipfel" im Kanzleramt sucht Lösungen. So läuft es bei Zulieferern und Produktion in NRW.

Die Autobranche hat mit einer Absatzflaute, Konkurrenz aus China und dem Wandel zur E-Mobilität zu kämpfen. Dazu kommt der Zollstreit mit den USA. Angesichts dieser Probleme lädt Kanzler Friedrich Merz (CDU) heute zu einem sogenannten "Autogipfel".

Mit dabei sind Vertreter von Herstellern und Zulieferern, Verbänden und Gewerkschaft sowie der Bundesländer mit Autoindustrie.

Ford in Köln reduziert Produktion

Viele Unternehmen fahren derzeit einen Sparkurs und bauen Stellen ab oder streichen Schichten. Auch in NRW ist die Lage nicht rosig. Bereits Mitte September hat Ford in Köln einen Sparkurs angekündigt. Es sollen bis zum 1.000 weitere Stellen abgebaut werden.

Ford-Elektroautos stehen beim Produktionsstart in der Halle

Der Ford-Explorer aus Köln

Ab dem neuen Jahr soll die Produktion umgestellt werden - von einem Zwei-Schicht-Betrieb auf einen Ein-Schicht-Betrieb. Der Grund: Die verhältnismäßig teuren E-Modelle Capri und Explorer lassen sich nur schwer verkaufen.

Zulieferer aus Remscheid ist insolvent

Bei den Zulieferern in NRW sieht es nicht anders aus. Der Remscheider Automobilzulieferer Winning BLW ist insolvent, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Der Grund ist ein Umsatzrückgang in den letzten Monaten, der nicht kompensiert werden konnte. Die Firma hat 500 Mitarbeiter an drei Standorten in Deutschland.

Bereits Ende September hat mit der Kiekert AG aus Heiligenhaus einer der wichtigsten deutschen Autozulieferer beim Amtsgericht einen Insolvenzantrag gestellt. Nach eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen weltweit etwa 4.500 Mitarbeiter. Der Insolvenzantrag betreffe bisher nur den Standort in Heiligenhaus. Dort gibt es rund 700 Beschäftigte.

Rund 800 Zulieferer in NRW

"In NRW hängen etwa 180.000 Jobs an der Autoindustrie", sagt WDR-Wirtschaftsredakteur Carsten Schabosky. "Etwa bei Ford in Köln oder zum Beispiel bei den Zulieferern im Ruhrgebiet."

Gerade in NRW habe der Mittelstand viel mit der Automobilbranche zu tun. Der Umbau vom Verbrenner hin zur E-Mobilität treffe vor allem die Zulieferer. "Bei uns gibt es rund 800 Zulieferbetriebe", so Schabosky. "Und viele davon kämpfen mit Sparprogrammen und Stellenabbau."

Automobilindustrie sieht staatliche Mängel

Die Ursache für die Automobilkrise sieht die Branche nicht bei sich. "Es handelt sich nicht um ein Problem der Autoindustrie", sagte Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Deutschen Automobilindustrie (VDA), am Donnerstag dem WDR. "Es ist das Problem eines nicht wettbewerbsfähigen Standortes."

Autogipfel: "Standort nicht wettbewerbsfähig"

WDR 5 Morgenecho - Interview 09.10.2025 07:03 Min. Verfügbar bis 09.10.2026 WDR 5


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Rahmenbedingungen wie der Stromnetzausbau würden staatlicherseits nicht erfüllt. "Wir haben ein Drittel der Kommunen, die noch keinen öffentlichen Ladepunkt haben." Und zwei Drittel hätten noch keinen Schnell-Ladepunkt. Die Autoindustrie hingegen liefere: "Sieben von zehn Elektroautos kommen von deutschen Herstellern."

Angebot von Ladesäulen regional sehr unterschiedlich

Auch in NRW ist die Versorgung mit Ladepunkten noch nicht optimal. Es gibt deutliche regionale Unterschiede: In Städten ist das Angebot größer als auf dem Land.

Das Ziel der Landesregierung ist es, bis 2030 rund 92.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte in Nordrhein-Westfalen zu haben. Ein Drittel davon gibt es bereits, aber auch die Zahl der E-Autos ist gestiegen.

Wie das Land die Lage verbessern will

"Die Landesregierung fördert gezielt den Umbau hin zum Beispiel zur E-Mobilität", sagt WDR-Wirtschaftsredakteur Schabosky. Damit sollten neue Produkte entwickelt und Jobs gesichert werden. Ein Beispiel dafür sei die Plattform automotiveland.nrw. "Da werden Unternehmen, Forschung und Politik vernetzt. Ziel ist es, NRW als Innovationsstandort zu stärken."

Eine Schlüsselrolle spiele dabei die RWTH Aachen, so Schabosky. Die Landesregierung unterstütze dort mehrere Projekte. "Mehrere 100 Millionen Euro fließen zum Beispiel in eine Pilotfabrik für E-Mobilität und Wasserstofftechnik."

Um der Automobilkrise zu begegnen, gibt es aber auch Firmen, die sich neu auftstellen. Kaiser und Waltermann aus Sundern hat sich zum Beispiel vom klassischem Automobilzulieferer zum Experten für die Produktion von speziellen Verbindungsteilen gewandelt. Für ganz neue Kunden – zum Beispiel in der Medizintechnik.

Wie Unternehmen in NRW mit der Transformation der Wirtschaft umgehen - in unserer Reihe "Transformer" gibt es viele Beispiele dazu aus dem ganzen Land:

Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagentur dpa
  • Gespräch mit WDR-Wirtschaftsredakteur Carsten Schabosky
  • Carsten Schabosky im WDR5-Morgenecho
  • Interview mit VDA-Präsidentin Hildegard Müller im WDR5-Morgenecho

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