Lingyun will Kiekert behalten – Rettung oder Taktik?
00:40 Min.. Verfügbar bis 02.10.2027.
Der chinesische Zulieferer Lingyun will Kiekert nicht aufgeben. "Lingyun beabsichtigt, an Kiekert AG sowie Kiekert Holding GmbH festzuhalten", heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Ziel sei es, Insolvenzgründe zu beseitigen und Gläubiger zu befriedigen. Nach eigenen Angaben kam die Insolvenz für Lingyun "vollkommen überraschend".
IG Metall ist skeptisch
Bislang habe sich von Lingyun noch niemand bei ihnen gemeldet, sagt Hakan Civelek von der IG Metall, im WDR-Interview. "Wir stehen solchen Gespräch natürlich sehr offen gegenüber". Sollten die Chinesen wirklich bezahlen wollen, dann sollten sie das zeitnah tun. Denn Kiekert sei auch für andere Investoren interessant, als weltweiter Marktführer mit Aufträgen in Höhe von 10 Milliarden Euro.
Rückhalt aus der Automobilindustrie
Zufrieden ist Civelek mit der Unterstützung aus der Automobilindustrie. Die Fahrzeughersteller stünden hinter dem Traditionsunternehmen aus Heiligenhaus, und das sei das A und O.
"Das Wichtigste, was für uns im Moment relevant ist: Die Kunden wollen weiter von Kiekert Teile haben." Hakan Civelek, IG Metall
Gericht ordnet Insolvenz an
Das Amtsgericht Wuppertal eröffnete vergangene Woche ein vorläufiges Insolvenzverfahren. Nach Angaben des Insolvenzverwalters hatte Lingyun keine Mittel bereitgestellt und finanzielle Verpflichtungen im dreistelligen Millionenbereich nicht erfüllt. Sanktionen erschweren laut Kiekert den Zugang zu Märkten und Finanzierungen.
Management forderte Ausstieg
Kiekert-Vorstand Jérôme Debreu nannte vorige Woche den Ausstieg des chinesischen Gesellschafters als entscheidend für die Zukunft des Unternehmens. Nur so könne das Wachstum beschleunigt und die 168-jährige Geschichte als Zulieferer der Automobilindustrie fortgeführt werden.
Lingyun verspricht Zukunft
"Kiekert bleibt ein deutsches Traditionsunternehmen, auf das wir schon immer stolz gewesen sind", betont Lingyun. Man wolle Liquidität sichern, Gläubiger schützen und die Zukunft des Unternehmens stabilisieren. Gespräche mit Gericht und Gläubigern laufen.
Ob und inwiefern es den Chinesen ernst ist oder reine Taktik, wagt Hakan Civelek von der IG Metall nicht einzuschätzen. Er befürchtet nur, dass das Verhalten der Chinesen der Firma schaden könnte.
Betrieb läuft weiter
Laut Insolvenzverwalter Joachim Exner läuft der Geschäftsbetrieb regulär. Die Löhne von 700 Mitarbeitenden in Deutschland sind bis November gesichert. Die internationalen Tochtergesellschaften sind nicht betroffen. Kiekert gilt als Erfinder der Zentralveriegelung.
Unsere Quellen:
- Amtsgericht Wuppertal
- Nachrichtenagentur dpa
- Kiekert AG
- WDR-Reporter