Ein roter Pilz. Eine Hand greift danach.

Zwischen Idylle und Risiko: Auf Pilzwanderung im Aachener Wald

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Pilze sammeln liegt in NRW im Trend - doch was für viele nach einem idyllischen Herbsthobby klingt, birgt Risiken. Eine Wanderung durch den Aachener Wald zeigt, wie groß die Faszination ist - und warum Expertise dabei unverzichtbar bleibt.

Von Pierre Dyckmans

Samstagvormittag, kurz vor 10 Uhr. Der Aachener Wald ist noch feucht vom nächtlichen Regen, ein sanfter Nebel hängt zwischen den Bäumen. Sechs Menschen streifen mit gesenktem Blick durch das Unterholz. Für das, wonach sie auf der Suche sind, müssen sie ganz genau hinschauen: Pilze. In allen Formen, Farben und Gerüchen sprießen sie aus dem Boden. Einer der sechs Suchenden ist Bela Albering. Für den jungen Aachener geht es heute weniger um die Ausbeute für ein rustikales Abendessen, sondern um das Entdecken und Lernen.

Giftig oder nicht giftig: Pilzexkursion in der Eifel bietet Aufklärung

Lokalzeit aus Aachen 11.11.2025 02:39 Min. Verfügbar bis 11.11.2027 WDR Von Pierre Dyckmans

Damit Alberings Wissensdurst gestillt wird, wandert er mit Elena Newerdowski. Die gelernte Mykologin leitet die Wanderung und führt die Gruppe an diesem Morgen in die Grundlagen des Sammelns ein: Lamellen oder Röhren? Welche Hutfarbe hat der Pilz? Und wie steht es um den Geruch? Pilze bestimmen ist komplex. Wer sich nur auf das Aussehen verlässt, geht ein hohes Risiko ein.

Wer in NRW Pilze sammeln will, braucht Expertise

Das Problem: Immer mehr Pilz-Anfänger verlassen sich auf Bestimmungs-Apps oder künstliche Intelligenz. Die können anhand von Bildern eine Einschätzung abgeben, um welche Pilzart es sich handelt. Experten sehen die Entwicklung kritisch. Viele Sammler verlassen sich zu sehr auf Bestimmungs-Apps. Dabei können selbst ausgebildete Mykologen manche Sorten nur unter dem Mikroskop eindeutig definieren.

Mykologin Elena Newerdowski (rechts) steht vor fünf Personen. Sie hat ihre Hände ausgestreckt, auf denen Pilze liegen.

Mykologin Elena Newerdowski zeigt ihren Schützlingen, welche Pilze essbar sind und welche nicht

Pilze suchen liegt im Trend. Das hat aber auch zur Folge, dass in NRW jedes Jahr mehr Menschen mit einer Pilzvergiftung im Krankenhaus landen, wie zuletzt in Essen. Experten führen den Trend auf die Ausgangsbeschränkungen während der Pandemie und soziale Medien zurück. Viele Influencer teilen im Netz ihre Erfahrungen und Funde. Das lädt besonders junge Menschen zum Nachahmen ein. Newerdowski freut sich zwar über die neue Naturverbundenheit. Doch die Unbekümmertheit und häufig auch der mangelnde Respekt an der Natur bereiten ihr Sorgen.

Gefährliche Doppelgänger bei den Pilzarten

Nach der kurzen Einführung schickt Newerdowski die Gruppe eigenständig los. Mit jedem Fund wächst nicht nur die Neugier, sondern auch der Ehrgeiz. Albering strahlt, als er zwischen Laub und Moos einen Maronen-Röhrling entdeckt. Er zählt zu den häufigsten Speisepilzen und ist relativ einfach zu bestimmen. Alberings Zwischenfazit fällt positiv aus: "Ich hab gelernt, dass es Pilze mit bunter Milch gibt, und dass manche sogar gegen Sodbrennen helfen", sagt er. "Macht total Spaß."

Während Albering einen Fund nach dem anderen in seinen Korb legt, bleibt Newerdowski wachsam. Denn viele beliebte Speisepilze haben gefährliche Doppelgänger. Der Grüne Knollenblätterpilz etwa sieht harmlosen Täublingen ähnlich - und kann tödlich sein. Auch Pantherpilz, Spitzgebuckelter Raukopf oder der Kahle Krempling sorgen immer wieder für Vergiftungen. Verzehren sollten Sammler deshalb nur die Pilze, die sie zu 100 Prozent korrekt bestimmen können, mahnt die Deutsche Gesellschaft für Mykologie.

Welche Pilze sind essbar, welche nicht?

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Pilze werden in der Hand gehalten

In den Wäldern in NRW gibt es jede Menge Pilze zu entdecken. Manche sind essbar, andere sind hoch giftig. Hinweis: Niemals ohne ausgebildeten Experten Pilze sammeln gehen! Genießbare und ungenießbare Pilze sehen sich teilweise sehr ähnlich.

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In den Wäldern in NRW gibt es jede Menge Pilze zu entdecken. Manche sind essbar, andere sind hoch giftig. Hinweis: Niemals ohne ausgebildeten Experten Pilze sammeln gehen! Genießbare und ungenießbare Pilze sehen sich teilweise sehr ähnlich.

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Bekannt für seinen mild-nussigen Geschmack, zählt der Maronen-Röhrling zu den beliebtesten Speisepilzen. Man erkennt ihn am kastanienbrauen Hut, der bei jungen Pilzen zunächst halbkugelig ist und sich dann flach ausbreitet.

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Die meisten tödlichen Pilzvergiftungen gehen auf den Grünen Knollenblätterpilz zurück. Aufgrund seiner Ähnlichkeit mit den harmlosen Täubligen, gilt hier besondere Vorsicht.

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Der Pantherpilz ist ein stark giftiger Wulstling, der durch seine hellen Flocken auf braunem Hut leicht mit essbaren Arten verwechselt werden kann. Der Verzehr führt schnell zu schweren Vergiftungen.

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Nah verwandt mit dem giftigen Orangefuchsigen Raukopf, zählt der Spitzgebuckelte Raukopf ebenfalls zu den giftigsten Pilzen, die in Mitteleuropa vorkommen. Sein Hut ist rost- bis zimtorange oder fuchsig gefärbt.

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Der Kahle Krempling erinnert in seiner Erscheinung tatsächlich an einen ausladenden Hut mit breiter Krempe. Daher auch der Name. Der mittelgroße Pilz wurde früher als essbar angesehen, gilt heute jedoch als giftig.

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Weil er Ähnlichkeit mit einer umgedrehten Flasche hat, heißt dieser Pilz Flaschen-Stäubling. Je jünger die Pilze sind, umso heller ist die Farbe. Ältere Flaschen-Stäublinge haben eine braungelbliche Farbe.

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Wie ihr Name schon sagt, hat die stinkende Lederkoralle große Ähnlichkeit mit Korallen. Der Pilz verströmt außerdem einen unangenehmen Geruch. Sie ist nicht zum Verzehr geeignet.

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Die Stinkmorchel wächst aus einem weißen, eiförmigen Gebilde heraus, das Hexenei genannt wird. Auch dieser Pilz einen unangenehmen Geruch ab. Zum Verzehr eignet er sich nur im Stadium des Hexeneis.

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Der Pfifferling ist ein bekannter und beliebter heimischer Speisepilz. Pfifferlinge sind zum Beispiel reich an Eisen, Folsäure und Vitamin D. Da sie zu 90 Prozent aus Wasser bestehen, sind sie sehr kalorienarm.

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Dieser Pilz nennt sich Safranschirmling. Er ist essbar. Am besten schmeckt er, wenn man ihn brät und vorher zum Beispiel paniert. Aber Vorsicht: Der Pilz hat einen giftigen Doppelgänger, den Garten-Riesenschirmpilz.

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"König der Pilze" - so wird der Steinpilz gerne genannt. Dementsprechend beliebt ist der edle Pilz aus dem Wald. Aber auch beim Steinpilz herrscht Verwechslungsgefahr. Der unverzehrbare Gallenröhrling sieht dem Steinpilz sehr ähnlich.

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Dieser Pilz gehört zu den Scheidenstreiflingen. Diese gibt es in verschiedenen Farben. Sie gelten als essbar, dürfen allerdings nicht roh gegessen werden, dann sind sie giftig. Andernfalls ist er mild und nussig.

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Regen setzt ein im Aachener Wald, tropft von den Hüten der Sammler - und Pilzen. Doch die Gruppe lässt sich davon nicht bremsen. Immer wieder ruft einer der Teilnehmer nach Elena Newerdowski. Sie kontrolliert geduldig, erklärt, sortiert - und rät im Zweifel auch entschieden ab. Nach knapp drei Stunden erreichen alle durchnässt, aber begeistert den Endpunkt der Tour. Albering schaut noch einmal in seinen Korb und ist sichtlich zufrieden.

Ob er seine Funde zu Hause wirklich in die Pfanne wirft, lässt er offen. Sicher ist nur: Er geht mit mehr Respekt vor dem, was im Wald wächst - und mit der Erkenntnis, dass Sammelspaß und Vorsicht untrennbar zusammengehören.

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Aachen, 11.11.2025, 19.30 Uhr.