Der Bielefelder Bus-Spotter: Bei jedem Wetter an der Haltestelle
Stand:
Johann Ebke ist 17 Jahre alt und kommt aus Bielefeld. Sein ungewöhnliches Hobby: Bus-Spotting. Selbst bei Minusgraden steht er an Bushaltestellen, um vorbeifahrende Busse zu beobachten und zu filmen - für TikTok, für Instagram und vor allem für sich selbst.
Von Luca Peters
Er hat ihn schon mal gesehen, da ist sich Johann Ebke sicher. Irgendwo hier in der Gegend muss es gewesen sein, vor einigen Monaten. Der Bielefelder Bus-Spotter hat sich an der Haltestelle "Babenhausen Süd" in Stellung gebracht. Hinter ihm steigen streng dreinschauende Menschen aus einem wintergrau verschmutzten Gelenkbus.
Auf der Suche nach dem Citaro C2 Euro 5
Der 17-Jährige tippelt von einem Fuß auf den anderen. Eigentlich ist es viel zu kalt, um hier herumzustehen. Johann ist trotzdem da. "Der vordere Bus hier hat nur drei Türen insgesamt, der Hintere hat vier. Das sieht man jetzt von hier schlecht. Aber ich weiß das."
17-Jähriger spotted Busse an Endhaltestellen
Lokalzeit OWL. 12.02.2026. 02:29 Min.. Verfügbar bis 12.02.2028. WDR. Von Luca Peters.
Johann sucht den Citaro C2 Euro 5 - seinen Lieblingsbus. Ganze zwei Mal soll es ihn in Bielefeld geben, hat er recherchiert. Der 17-Jährige wirkt auf den ersten Blick wie ein ganz normaler Teenager: blaue Jeans, weiße Sneaker. In einem Jahr will er Abitur machen, eine Freundin hatte er auch schon.
Ungewöhnlich ist vor allem sein Hobby. Johann liebt alles, was fährt. Schon als Kind war er vernarrt in Fortbewegungsmittel. Flugzeuge mag er eigentlich noch lieber, aber in Bielefeld bekommt man sie selten aus der Nähe zu sehen. Also sind es Busse geworden. "Die sind groß. Die sind erreichbar. Ich bin eigentlich täglich konfrontiert mit Bussen. Und so hat sich das dann eben ergeben."
Jenseits des Algorithmus: Die Bus-Spotting-Community
Johann ist Teil einer kleinen, aber mitteilungsfreudigen Community in den sozialen Netzwerken. Den Bus-Spottern. Der Name ist Programm: Bus-Spotter filmen vorbeifahrende Busse und stellen sie ins Internet. Allein auf der Kurzvideo-Plattform TikTok gibt es über 120.000 Uploads unter dem Hashtag #busspotting.
Bus-Spotting: Johann Ebke ist bei Wind und Wetter unterwegs
Ihre Videos sind frei von Effekthascherei und Inszenierungen, im endlosen Strom des Social-Media-Feeds kommen sie fast ein bisschen spröde daher. Das liegt an ihrer Machart. Ein leidlich waagerecht gehaltenes Handy, ein vorbeirauschender Bus. Mehr braucht es nicht.
- Auch Kilian Zander hat als Busspotter angefangen. Jetzt hat er seinen Traumjob gefunden.
Bus-Spotter sehen sich nicht als Künstler. Sie sind Chronisten des Sichtbaren, des ganz und gar Gewöhnlichen. Es ist ein Hobby, das kein Problem damit hat, am Rande der Wahrnehmungsgrenze zu existieren. Und vielleicht liegt für viele genau darin sein Reiz.
Lieblingsspiel? Bus-Simulator!
Johann ist weitergezogen. Vielleicht hat er am Jahnplatz, dem zentralen Bielefelder Busbahnhof, mehr Glück. Dutzende Busse halten an, fahren weiter. Große, kleine, alte Diesel- und neue Wasserstoffbusse. Der Citaro C2 Euro 5, sein Lieblingsbus, ist wieder nicht dabei. Bus-Spotter-Pech.
Zuhause wartet immerhin der virtuelle Verkehr. Johanns Lieblingsspiel? Der Bus-Simulator. "Meine Freunde wissen, dass ich spezielle Hobbys habe. Die sind da schon dran gewöhnt", sagt er. "Es ist einsam. Aber es macht Spaß." Nach Hause fährt der Bus-Spotter übrigens mit der Straßenbahn. Das, meint Johann, gehe einfach schneller.
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 12.02.2026, 19.30 Uhr