Jürgen Jansen (rechts) und Hans Schneider (links) stehen auf einer grünen Wiese und halten einen orange-schwarzen Stoff mit dem Gesicht eines Gorillas.

Wie Drachenfreunde riesige Tiere über dem Münsterland tanzen lassen

Heimatliebe

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Wenn der Wind über das nördlichen Münsterland fegt, lässt der Verein Höhenwahn kunstvolle Drachen in die Luft steigen. Ob lebensgroße Elefanten oder Giraffen: Ihre aufwendigen Drachen bauen die Mitglieder alle selbst - ein kreatives und zeitintensives Hobby.

Von Markus Schröder

Was Jürgen Jansen und Hans Schneider in ihren Händen halten, sieht auf den ersten Blick aus wie ein großer schwarzer Kunststoffsack. "Das ist unser Gorilla", erklärt Schneider. Die beiden Drachenliebhaber befestigen den schwarzen Sack an einer langen Leine.

Gorilla, Elefanten und Giraffen am Himmel

Jansen richtet ihn so aus, dass er vom Wind erfasst wird. Schon beginnt sich der Sack mit Luft zu füllen - und langsam wird tatsächlich ein gut zwei Meter großer Gorilla daraus. "Über 50 Tiere haben wir inzwischen", sagt Schneider, "alle lebensgroß, auch Elefanten und Giraffen." In einem Anhänger haben sie gut dreißig Kunststoffsäcke dabei, die sich alle in fliegende Tiere verwandeln, vor allem Tiere aus Afrika. So wie der Gorilla, der langsam immer höher gen Himmel steigt. Die beiden Rentner blicken ihm zufrieden nach.

Das denkt Drachenbauer Jürgen Jansen über sein Hobby

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Die Geschichte der Flugdrachen reicht mehr als 2000 Jahre zurück. Ihren Ursprung hatten sie in Asien, wo Menschen Drachen fliegen ließen, unter anderem um im Krieg Feinde einzuschüchtern, Macht zu demonstrieren oder auch um Vögel von Feldern zu verscheuchen. Auch die Drachen von Schneider und Jansen könnten den einen oder anderen Vogel oder Spaziergänger erschrecken.

Jansen und Schneider bauen ihre Drachen selber. Das kann mehrere hundert Stunden Arbeit kosten. Die Zebras von Hans Schneider etwa haben jeweils 311 Streifen - "die habe ich alle einzeln ausgeschnitten und aufgenäht", sagt der Rentner. Und seine Gazellen zieren 650 einzeln aufgenähte Flecken.

Drachenverein Höhenwahn trifft sich zum Drachensteigen

Mit ihrer Leidenschaft für dieses zeitaufwendige Hobby sind Jansen und Schneider nicht alleine: Auf dem Hügel am Rand des Teutoburger Waldes haben sich an diesem Tag 15 Mitglieder des Drachenvereins Höhenwahn getroffen. Die kommen nicht nur aus dem Münsterland, sondern auch aus dem Ruhrgebiet und Niedersachsen. Einige lassen ganz traditionelle Drachen mit einer Schnur steigen, einige Lenkdrachen, die über zwei Schnüre kontrolliert werden.

Heute ist der harte Kern des Vereins da, und das sind vor allem ältere Drachenfreunde. Christoph Dünnwald etwa, der einen dreieckigen Lenkdrachen steigen lässt, der mit einem zehn Meter langen Schwanz wilde Loopings und Wendemanöver am Himmel ausführt.

Vier Drachen fliegen in der Luft, einer in Form einer Eule, einer in Form einer Gazelle und zwei gewöhnliche Drachen in eckiger Form

Wie viele Drachen können die Drachenfreunde gleichzeitig in den Himmel steigen lassen?

Während die Freunde der afrikanischen Tiere besonders spektakuläre Drachen bauen, arbeitet Dünnwald seit 30 Jahren am perfekten Lenkdrachen. An einem Drachen, der sich kinderleicht kontrollieren lässt, und der mit so ziemlich allen Windverhältnissen klarkommt.

Und das bedeutet ein ständiges Feilen an Details. Aber die Arbeit zahlt sich aus: Gekonnt lässt er seinen Lenkdrachen knapp über den Boden flitzen, sodass eine Flügelspitze fast das Gras streift, dann jagt er wieder hoch in den Himmel. "Wenn ich am Anfang gewusst hätte", sagt Christoph Dünnwald, "wie viele Fehlschläge ich einstecken musste, um dahin zu kommen, wo ich heute bin - ich hätte es nie angefangen."

Christoph Dünnwald erklärt, warum Drachensteigen nichts für Faule ist

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Aber heute ist er stolz auf sein Know-how, genau wie die Männer vom Team Afrika. Die haben mittlerweile noch zwei weitere Tiere in die Luft gebracht. Eine afrikanische Gazelle und einen afrikanischen Vogel, einen Madenhacker.

Die ganz großen Tiere bekommen sie an diesem Tag nicht hoch. "Zu wenig Wind", sagt Hans Schneider. Aber das kann am nächsten Wochenende wieder ganz anders aussehen. Dann schweben vielleicht sogar ein paar Elefanten über dem kleinen Hügel am Teutoburger Wald.

Über dieses Thema haben wir auch am 28.10.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Münsterland, 19.30 Uhr.