Kilian Zander, hellblaues Hemd, blaue Krawatte, schwarze Sonnenbrille, sitzt am Steuer eines Busses und blickt durch die Frontscheibe, im Hintergrund parken Autos auf der Straße

Haltestelle: Traumberuf! Vom Bus-Fan zum Bus-Fahrer

Unterwegs

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Busse faszinieren Kilian Zander aus Gladbeck seit seiner Kindheit: Sie sind seine große Liebe. Jetzt lebt er als Azubi bei der Ruhrbahn seinen Traum. Warum sein Fachwissen sogar seinen Chef überrascht - und warum NRW dringend mehr Menschen wie ihn braucht.

Von Jennifer Kerkhoff

"Das ist ein Mercedes-Hybrid-Gelenkbus, Baureihe Citaro, Baujahr 2017, mit wahrscheinlich 360 PS", sagt Kilian Zander, während er den zwölf Meter langen Bus der Linie 135 durch die engen Straßen von Mülheim steuert. Von diesem Modell fahren in ganz Deutschland 4175 Exemplare herum. Aber vermutlich gibt es sehr wenige, die das wie aus der Pistole geschossen wissen. Kilian Zander, 21 Jahre, Azubi bei der Ruhrbahn, ist so etwas wie ein wandelndes Bus-Quartett. Manchmal scheint das Wissen über die Fahrzeuge nur so aus ihm herauszusprudeln.

Vom Bus-Fan zum Bus-Fahrer

Polizist, Pilot oder Feuerwehrmann gehören zu den häufigsten Berufswünschen kleiner Kinder. Zander wusste schon als kleiner Junge: "Ich will mal Busfahrer werden." Während ein paar Jahre später andere Disco, Mädels und Alkohol im Kopf hatten, ist er als Teenager mit seinem Kumpel durch NRW gefahren, um Busse zu fotografieren. Für seltene Exemplare nahmen sie gern auch eine stundenlange Anreise auf sich.

Ruhrbahn-Azubi Kilian Zander über seine Lieblingsaufgaben bei der Ausbildung

00:18 Min. Verfügbar bis 09.10.2027

Inzwischen hat der Gladbecker seinen Plan umgesetzt. Vor anderthalb Jahren bewarb sich Zander bei der Ruhrbahn und wurde sofort genommen. Heute absolviert er seine Ausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb und ist darüber überglücklich. Genauso wie die Verkehrsbetriebe. Denn sie suchen händeringend nach Nachwuchs.

Ausbildung bei der Ruhrbahn: Tausende Busfahrer in NRW fehlen

Laut Herbert Donzelmann, Betriebshofleiter in Mülheim und Zanders Vorgesetzter, gebe es gerade für den Beruf des Busfahrers viel zu wenige Bewerbungen. Dabei ist der Personalbedarf gewaltig. Erst recht mit Blick in die Zukunft. Denn die NRW-Landesregierung will das Angebot im Nahverkehr bis 2030 um 60 Prozent erhöhen.

Zwei gelbe Busse der Ruhrbahn, einen sieht an von vorne, den anderen von hinten, fahren eine Straße mit Straßenbahnschienen entlang, rechts fährt ein Straßenreinigungsfahrzeug

Für die einen sind Busse ein Fortbewegungsmittel, für Kilian Zander eine Leidenschaft

Der Verband Nordrhein-Westfälischer Omnibusunternehmen schätzt die Zahl fehlender Fahrer allein bei privaten Busbetrieben bis Ende 2030 auf fast 8000. Dazu kommt die Zahl derer, die in öffentlichen Verkehrsunternehmen fehlen werden.

Umso größer war die Freude bei der Ruhrbahn über einen derart motivierten Bewerber mit Herzblut wie Zander. Dessen Fachwissen erstaunt selbst seinen Vorgesetzten Donzelmann manchmal: "Und ich hab 20 Jahre als Betriebshofleiter gearbeitet und war vorher selber Fahrer."

Für Herbert Donzelmann ist Kilian Zander ein besonderer Azubi

00:10 Min. Verfügbar bis 09.10.2027

Die Zahl der Fahrstunden von Zander während seiner ersten Monate der Ausbildung war mit etwa 50 allerdings relativ durchschnittlich. In der Praxis hat ihm das theoretische Wissen nur bedingt weitergeholfen, erzählt der 21-Jährige. Währenddessen sitzt er mit typisch blauer Fahrerjacke und getönter Brille am Steuer des Linienbuses. Seit gut einem Jahr ist er in Mülheim unterwegs. Für Kilian Zander ist jede Fahrt dabei etwas Besonderes. Der Kundenkontakt, die Kollegen, die Busse. Für den 21-Jährigen hat sich ein Traum erfüllt.

Über dieses Thema haben wir auch am 02.10.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Ruhr, 19.30 Uhr.