Jörg Ridder läuft auf einem Kieselstein-Strand entlang des Rheins. In der Hand hält er einen kleinen Eimer.

Goldwaschen im Rhein: Warum man dabei nicht auf Reichtum hoffen kann

Unterwegs

Stand:

Goldwaschen - das klingt nach Abenteuer, plötzlichem Reichtum und einem Hauch Wilder Westen. Aber auch an den Flüssen Europas suchten Menschen Gold nach Gold. Am Rhein in NRW tun es manche bis heute.

Von Helge Drafz

Jörg Ridder steht mit den Gummistiefeln im Wasser am Rheinufer von Meerbusch. Vornüber gebeugt schwenkt er vorsichtig ein Kunststoffgefäß von der Größe einer Salatschüssel durchs Wasser. Immer hin und her. Dabei spült er den Inhalt der Schale - Sand und Schlamm vom Rheinufer - langsam heraus. Ridder richtet sich auf, nimmt die Kunststoffschale hoch und blickt konzentriert hinein. "Da ist Gold", sagt er, "ein paar Partikel nur, aber Gold."

Wie Jörg Ridder zu seinem Hobby Goldwaschen gekommen ist

00:25 Min. Verfügbar bis 08.10.2027

Am Boden von Ridders schwarzer Schale liegt eine Schicht feinster Körnchen. Die meisten sind dunkel, doch am Rand glänzen auch einige wenige golden. Das Spülen im Wasser hat die leichteren Bestandteile des Sandes herausgeschwemmt. "Die schweren Körner sind erzhaltige Mineralien und Metalle, sie sinken nach unten", erklärt Ridder. Dann nimmt er mit einer Pipette die neun winzigen Goldflitter auf und füllt sie in ein verschließbares, bereits halbvolles Glasröhrchen. Hellgelb glänzt der Goldstaub darin.

Goldwaschen im Rhein: Eine lange Tradition

Jörg Ridder ist mit seiner Suche nach Gold im Rhein nur das aktuelle Kapitel einer langen Geschichte. Schon die Römer sollen in dem Fluss Gold gewaschen haben. Der Historiker und Volkskundler Jost Auler forscht zu dem Thema Goldwäscher am Niederrhein und hat auch schon selbst Gold im Rhein gewaschen. Der Dormagener fand alte Dokumente, die belegen, dass Menschen am Fluss oft nebenberuflich nach Gold gesucht haben. Das gefundene Gold musste zum Festpreis an den Landesherrn verkauft werden, der daraus Goldmünzen prägen ließ, sogenannte Rheingold-Dukaten.

Jost Auler erklärt, dass man mit der Goldsuche zwar nicht reich werden konnte - aber:

00:14 Min. Verfügbar bis 08.10.2027

Um Reichtum oder einen Nebenverdienst geht es Jörg Ridder bei seiner Suche nicht. Er liebt es, immer neue Stellen am Rheinufer und andere Goldwäscher kennenzulernen. "Ich bin gern an der frischen Luft", sagt der drahtige Mann mit sonnengebräuntem Gesicht.

Beim Angeln am Rhein in der Nähe seines Wohnortes Kalkar habe er im Wasser etwas golden blitzen sehen, erzählt Ridder. Er nahm die Krümel mit und ließ sie untersuchen. Es war kein Gold, aber Ridder hatte Feuer gefangen. Er fand einen Niederländer, der ihm das Goldwaschen beibrachte und ist seitdem regelmäßig am Wasser. Nicht immer allein, erst kürzlich war er in Österreich, um mit anderen Hobby-Goldsuchern Gold zu waschen.

Es gibt eine regelrechte Goldwäscher-Szene, die sich gelegentlich an Flüssen trifft und gut vernetzt ist. Immer mehr Menschen interessieren sich dabei für das Outdoor-Hobby. Inzwischen bieten Anbieter auch in NRW Kurse an, in denen Interessierte die Grundlagen des Goldschürfens lernen können.

Wie kommt das Gold in den Rhein?

Und wie kommt das Gold in den Rhein? Die Nebenflüsse transportieren zerfallene Felsen zu Tal. Darunter befindet sich auch Gestein, das Goldadern enthält. Aus dem Geröll wird irgendwann Kies und Sand. Und der Rhein schwemmt Material von seinen Ufern und aus dem Flussbett und lagert es im Verlaufe des Flusses wieder ab. Das trifft auch auf die Goldpartikel zu. Jörg Ridder weiß, wo es sich zu suchen lohnt. Er spürt dafür zunächst sogenannte "Seifen" - goldhaltige Schichten - auf.

Eine relativ große Menge winziger Goldstücken aus dem Rhein.

Fette Beute: So viel Gold in einer Schippe Sand ist selten

Dafür prüft er mit einem starken Magneten, ob der Sand eisenhaltige Körner enthält. Sie sind schwerer als andere Mineralien. Wo solch schwarzer Sand am Magneten haften bleibt, könnte auch das noch schwerere Gold liegen. Zum Beispiel in Meerbusch in der Nähe der Rheinfähre. Danach beginnt die Fleißarbeit. Schaufel um Schaufel spült Ridder den Sand in der Goldwasch-Pfanne und prüft immer wieder, ob er fündig wird.

Im Laufe der Jahre ist tatsächlich auch ein wenig Gold zusammen gekommen. Röhrchen voller Krümel. Aber immerhin genug, um von einem Goldschmied für die Frauen in seiner Familie Schmuckstücke anfertigen zu lassen.

Über dieses Thema haben wir auch am 03.09.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Düsseldorf, 19.30 Uhr.